Serge Gnabry kämpft in der Nations-League-Partie gegen die Schweiz um den Ball. | Bildquelle: REUTERS

UEFA Nations League Rückschlag für Deutschland

Stand: 13.10.2020 22:38 Uhr

In einem offenen Schlagabtausch trennten sich Deutschland und die Schweiz 3:3. Vor allem defensiv zeigte das deutsche Team große Schwächen.

Von Niklas Schenk

Durch das Unentschieden verpasste es die deutsche Mannschaft, Boden auf den Tabellenführer Spanien gutzumachen. Nachdem sie lange zurückgelegen hatten, freuten sich die deutschen Spieler letztlich aber über einen Punkt gegen mutige Schweizer.

Bundestrainer Joachim Löw baute seine Mannschaft im Vergleich zum 2:1-Sieg gegen die Ukraine auf drei Positionen um: Kai Havertz, Timo Werner und Robin Gosens rutschen für Marcel Halstenberg, Julian Draxler und Niklas Süle in die Startelf.

Löw stellt auf Viererkette um

Die deutsche Elf agierte taktisch zwischen einem 4-4-2- und einem 4-3-3-System. In der Verteidigung hatte Löw nach Kritik an der zuletzt geprobten Dreierkette auf eine Viererkette umgestellt mit Toni Kroos und Joshua Kimmich als Sechsern davor. Im Sturm agierten Serge Gnabry und Timo Werner, Kai Havertz war das Bindeglied zwischen Mittelfeld und Angriff.

Deutschland agierte offensiv, ging früh drauf, attackierte die Schweizer anfangs teilweise an ihrem eigenen Strafraum. Nach drei Minuten hatte Leon Goretzka die erste Schussmöglichkeit.

Gavranovic köpft zur Schweizer Führung ein

Doch kurz darauf ging die Schweiz in Führung. Erst scheiterte Xherdan Shaqiri noch an Manuel Neuer, doch bei der folgenden Ecke stand Mario Gavranovic vollkommen frei und köpfte mutterseelenallein ein (5.). Robin Gosens hatte den Ball zunächst geklärt, doch bei der erneuten Reingabe rückten einige deutsche Akteure nicht heraus, die Abseitsfalle funktionierte dadurch nicht.

Die deutsche Elf bemühte sich um eine schnelle, spielerische Lösung, fand gegen taktisch disziplinierte Schweizer aber zunächst kein Mittel. Stattdessen ermöglichte Torhüter Manuel Neuer den Gästen in der 15. Minute die nächste dicke Möglichkeit: Seinen schlampigen Pass fing Haris Seferovic ab, jedoch konnte Neuer seinen Patzer dann im Eins-gegen-Eins-Duell wieder gutmachen.

Die Gäste agierten mutig, spielten weiter nach vorne. Haris Seferovic feuerte nach 23 Minuten einen Schuss über den Kasten, zuvor hatte Shaqiri fein mit der Hacke aufgelegt. Zwei Minuten später hatte Timo Werner nach einem Steilpass von Toni Kroos dann die beste Gelegenheit für die Gastgeber, seinem Abschluss mit rechts fehlte jedoch die Geschwindigkeit.

Freuler erhöht, Werner verkürzt

Im Gegenzug das 0:2: Toni Kroos leistete sich in seinem 100. Länderspiel einen Fehlpass im Mittelfeld. Granit Xhaka leitete den Gegenangriff auf Haris Seferovic ein, der Steilpass auf Remo Freuler wurde länger und länger. Manuel Neuer kam eher zögerlich aus dem Tor, Freuler überlupfte ihn elegant und Antonio Rüdiger konnte auf der Linie nicht mehr klären (27.). Da sah die neu formierte deutsche Hintermannschaft beim Schweizer Konter nicht gut aus.

Eine Einzelleistung von Timo Werner brachte den Anschlusstreffer: Kai Havertz fing einen Fehlpass von Fabian Schär ab, passte auf Werner und der Akteur des FC Chelsea trieb den Ball voran und schob nach Sololauf dann überlegt zum 1:2 ins rechte Eck ein (29.).

Gosens und Kroos jeweils knapp vorbei

Einen Außenristschuss von Robin Gosens konnte der Schweizer Keeper Yann Sommer kurz darauf knapp über das Tor lenken (35.). Ein weiterer Abschluss von Toni Kroos kurz vor der Halbzeit (44.) ging knapp links vorbei. Es blieb bei der Schweizer Halbzeitführung - und das verdient, denn das schnelle Umschaltspiel der Gäste stellte die deutsche Mannschaft immer wieder vor Probleme.

Ohne personelle Wechsel gingen beide Teams in die zweite Hälfte. Steven Zuber, sonst für Eintracht Frankfurt im Einsatz, prüfte Manuel Neuer mit einem ersten Distanzschuss (47.). Zwei Minuten später fehlten Kai Havertz bei einem Pfostenschuss Zentimeter zum Ausgleich (49.).

Der Ausgleich durch Havertz hält nur kurz

In der 55. Minute machte es Havertz dann besser. Wie schon beim 1:2 leistete sich Fabian Schär einen Fehlpass. Havertz fing den Ball ab und zog über rechts mit Tempo in den Strafraum - bei seinem überlegten Abschluss ins linke Eck war Schweiz-Keeper Sommer chancenlos.

Doch der deutsche Ausgleich währte nur etwas mehr als eine Minute, denn Mario Gavranovic brachte die Schweiz mit seinem zweiten Treffer erneut in Führung (57.). Haris Seferovic war zuvor im Strafraum freigespielt worden. Antonio Rüdiger war im Zentrum herausgerückt, Matthias Ginter als zweiter Innenverteidiger auf sich alleingestellt. Joshua Kimmich konnte als Aushilfsverteidiger auch nicht mehr entscheidend klären.

Gnabry mit der Hacke ins lange Eck

Es war nun endgültig ein spektakulärer Schlagabtausch, wenngleich mit vielen Abwehrfehlern auf beiden Seiten. Denn nur drei Minuten später kam die deutsche Elf durch Serge Gnabry erneut zurück. Timo Werner setzte sich auf rechts durch, seine Hereingabe lenkte der bis dahin blasse Gnabry fein mit der Ecke ins lange Eck - das 3:3 (60.). Jedoch hätte das Tor nicht zählen dürfen, Werner stand vor seinem Pass im Abseits.

Danach beruhigte das Spiel sich etwas. Toni Kroos setzte einen Freistoß aus gut 20 Metern nur knapp links vorbei (70.). Beide Teams wechselten nun munter durch, bei Deutschland kamen Marcel Halstenberg, Julian Draxler und Emre Can in die Partie.

Löw: Beide Teams haben viele Fehler gemacht

Beide Teams spielten weiter nach vorne, kamen jedoch nur noch zu harmlosen Abschlüssen. Fabian Schär sah auf Schweizer Seite in der Nachspielzeit noch die Gelb-Rote Karte. Es blieb beim Unentschieden, das der Schweiz im Kampf gegen den Abstieg kaum hilft. Die deutsche Elf machte so aber einen Punkt auf den Tabellenführer aus Spanien gut. "Es war heute wahnsinnig intensiv. Beide Mannschaften haben nach vorne viel riskiert, aber natürlich auch viele Fehler gemacht", so Bundestrainer Joachim Löw.

"Wir sind nach vielen Rückschlägen immer zurückgekommen, haben eine gute Moral bewiesen. Wir befinden uns noch immer in einem Prozess, haben eine junge Mannschaft. Wir lassen uns von unserem Weg nicht abbringen", sagte Kai Havertz nach dem Spiel. Torhüter Manuel Neuer meinte: "Wir hätten gerne gewonnen, haben aber zu viele Gegentore kassiert. Wir haben uns aber im Laufe des Spiels gefangen und haben zum Ende hin besseren Fußball gespielt. Grundsätzlich hat man heute gute Sachen gesehen. Wir geben uns nicht auf und schauen nach vorne."

Mitte November geht es erneut gegen die Ukraine

Toni Kroos sagte, die deutsche Elf habe "den Anspruch, solche Spiele zu gewinnen." Sein Mittelfeldmitspieler Joshua Kimmich sagte: "Das war heute insgesamt ein anderer Auftritt als gegen die Ukraine. Es war ein Schritt in die richtige Richtung. Wir müssen unsere Qualität noch besser auf den Platz bringen."

Die Schweiz spielt Mitte November am 5. Spieltag gegen Spanien, die deutsche Elf empfängt die Ukraine.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin am 13. Oktober 2020 um 00:00 Uhr.

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