Der Ukrainer Roman Yaremchuk und Niklas Süle (r). | Bildquelle: imago images/Schüler

Ukraine - Deutschland 1:2 DFB-Elf beendet glanzlos ihre Sieglos-Serie

Stand: 10.10.2020 22:56 Uhr

Die Sieglos-Serie der deuschen Nationalelf hat ein Ende - auch wenn es beim Nations-League-Duell mit der extrem ersatzgeschwächten Ukraine peinlicherweise bis zum Ende wieder mal eine Zitterpartie war.

Von Christian Hornung

Das Team von Bundestrainer Joachim Löw bezwang nach einer erneut glanzlosen Vorstellung den Gasteber vor 17.573 Zuschauern glücklich mit 2:1 (1:0) - und hält damit immerhin halbwegs Kurs in der Nations League.

"Nicht gerade die Sterne vom Himmel gespielt"

Torschütze Matthias Ginter gab im Sportschau-Interview zu: "So viele Ballverluste sieht man selten von einer deutschen Nationalmannschaft, die Ukraine hat eigentlich nur darauf gewartet. Die Sterne haben wir nicht vom Himmel gespielt."

Sein Teamkollege Serge Gnabry sagte: "Es war ein Fortschritt, dass wir das Ding endlich mal über die Zeit gerettet haben, aber wir hätten es früher entscheiden müssen. Mit einem Offensivspieler mehr hätten wir uns beim Kombinieren vorne sicher etwas leichter getan."

Löw gab zu: "Beim 2:0 war der Gegner eigentlich schon müde gespielt, und auch nach dem 2:1 hatten wir die Möglichkeiten, alles klar zu machen. Gut war, dass wir defensiv stabil geblieben sind und dem Gegner eigentlich keine großen Chance aus dem Spiel heraus gestattet haben."

Gnabry einzige Spitze

Keine Frage: Alles andere als dieser Pflichtsieg wäre eine Vollblamage gewesen: 14 (!) größtenteils durch Corona bedingte Ausfälle hatte die Ukraine zu verschmerzen, am Mittwoch (07.10.2020) kassierte das Team von Andrej Schewtschenko eine 1:7-Niederlage gegen Frankreich.

Ukraine gegen Deutschland - die Analyse
Ukraine gegen Deutschland - die Analyse

Gemessen daran wirkte die Startelf von Bundestrainer Joachim Löw ausgesprochen ängstlich: Auf der Bank saßen beispielsweise Kai Havertz, Julian Brandt, Luca Waldschmidt und Timo Werner, dafür spielte Serge Gnabry einzige echte Spitze.

Dem DFB-Team war im ersten Durchgang deutlich anzumerken, dass in den Krisenzeiten seit der Flop-Weltmeisterschaft 2018 beinahe jegliche Automatismen abhanden gekommen sind. Mit einer wahren Flut an unnötigen Ballverlusten lud Deutschland die Gastgeber mehrfach zu Kontern ein, musste kraftaufwändig hinterherhecheln - hatte aber immer wieder Glück und einen souveränen Manuel Neuer, der aber auch selten so richtig gefordert wurde.

Ginter: "Nicht die Sterne vom Himmel gespielt"
Ginter: "Nicht die Sterne vom Himmel gespielt"

Abwehrspieler kombinieren das 1:0 heraus

Eher aus dem Nichts entstand dann die Führung der Deutschen - und beteiligt waren kurioserweise weder der Stürmer noch die Mittelfeldspieler, sondern das Trio aus der Dreierabwehrkette. Über Niklas Süle kam der Ball zu Antonio Rüdiger, der nach einem Standard ebenso wie die Kollegen vorne geblieben war. Rüdiger ging rechts mit einem Klasseantritt Richtung Grundlinie in die Tiefe, passte hart ins Zentrum, wo Matthias Ginter in Mittelstürmer-Position knallhart flach zum 1:0 vollstreckte (20.).

Ginter hätte dann auch eine knappe Viertelstunde beinahe das 2:0 eingeleitet, aber seine Maßflanke brachte Gnabry per Kopf nicht am gut reagierenden ukrainischen Ersatz-Ersatz-Keeper Georgiy Bushchan vorbei.

Goretzka nutzt Bushchan-Patzer

Im zweiten Durchgang kam Deutschland zwar mit der gleichen taktisch fragwürdigen Ausrichtung aufs Feld zurück, agierte aber in der Anfangsphase mit etwas mehr Vehemenz. Beim 2:0 nach 48. Minuten half dann aber auch der Gegner kräftig mit: Bushchan ließ eine Flanke von Lukas Klostermann aus den Händen flutschen, der bis dahin blasse Leon Goretzka passte sehr gut auf und köpfte das Geschenk aus kurzer Distanz über die Linie.

Julian Draxler hätte in der 52. Minute alles klar machen müssen, brachte aber freistehend aus acht Metern den Ball nicht an Bushchan vorbei. Auch in der 57. Minute zeigte der Keeper der Ukraine, dass er seinen Fehler vor dem 0:2 verdaut hatte - und lenkte eine Volleyabnahme von Klostermann nach Draxler-Flanke über die Latte.

Süle sorgt für Spannung

In dieser Phase sah es so aus, als würde die deutsche Mannschaft die Sache nun einigermaßen entspannt nach Hause bringen. Doch als Roman Yaremchuk der Dreierkette enteilt war, bremste ihn Süle im Strafraum elfmeterreif - Ruslan Malinovskyi ließ Neuer eine Viertelstunde vor Schluss keine Chance.

So wurde die Schlussviertelstunde gegen den krassen Außenseiter tatsächlich doch noch zur Zitterpartie. Gnabry hätte in der 82. Minute die Sorgen des Bundestrainers beenden können, doch seinen Schuss lenkte Bushchan um den rechten Pfosten.

Werner für Draxler

Positiv: Löw verfiel im Gegensatz zu den vergangenen Länderspielen diesmal nicht seinem Reflex, defensiv zu wechseln und dem Gegner damit das Signal zu noch mehr Mut zu geben. Er sorgte mit Werner für Draxler für ein wenig Entlastung, brachte später auch noch Havertz - so wurde die knappe Führung über die Ziellinie gezittert.

Weiter geht es für die DFB-Auswahl am kommenden Dienstag (13.10.2020) mit dem Nations-League-Spiel gegen die Schweiz. Löw kündigt an: "Viele Wechsel in der Startelf wird es diesmal nicht geben."

Quelle: sportschau.de

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