Kieler Spieler jubeln | Bildquelle: REUTERS

DFB-Pokal Kiel schafft gegen Bayern Sensation

Stand: 13.01.2021 23:29 Uhr

Holstein Kiel hat die Sensation geschafft und den FC Bayern München in der 2. Runde des DFB-Pokals bezwungen. Der wehrhafte und stark aufspielende Zweitligist setzte sich knapp aber nicht unverdient mit 6:5 n.E. (2:2; 1:1) durch.

Von Jörg Strohschein

Fin Bartels erzielte im Elfmeterschießen am Mittwoch (13.01.2021) den entscheidenden Treffer, nachdem Marc Roca als einziger Münchner verschossen hatte. Damit steht Holstein Kiel im Achtelfinale des DFB-Pokals.

Holstein Kiel gegen Bayern München - die Highlights
Holstein Kiel gegen Bayern München - die Highlights

Nächster Gegner der Kieler wird mit Darmstadt 98 ein Zweitligist sein. Die Tore für die Münchner erzielten in der regulären Spielzeit Serge Gnabry und Leroy Sané, für die "Störche" trafen Bartels und Hauke Wahl.

Bartels: "Elfmeter einfach reinhauen"

"Krass, dass alle unsere Elfmeter reingegangen sind. Und wir wussten, dass wir einen Elfmeter-Killer haben, der einen halten wird", sagte Wahl in der ARD. "Wir haben schon vor dem Elfmeterschießen gesagt, dass wir die Dinger einfach reinhauen. Wir hatten auch das nötige Glück", ergänzte der strahlende Bartels.

"Das ist ein Schock. Wir haben das Spiel bestimmt. Umso ärgerlicher, dass wir in letzter Sekunde das 2:2 hinnehmen mussten. Aber Glückwunsch an Kiel, das war ein Pokalfight. Wir müssen eine bessere defensive Kompaktheit bekommen, mehr Druck auf den Ball bekommen und die Tiefe absichern. Das müssen wir trainieren", sagte Bayern-Trainer Hansi Flick in der ARD.

Abseitstor der Bayern

Die Hoffnung auf eine Überraschung schien bei den Kielern nach nur 14 Minuten zu Ende. Denn ab diesem Zeitpunkt lagen sie bereits zurück - allerdings mit viel Pech. Holsteins Torhüter Ioannis Gelios wehrte einen Kopfball von Thomas Müller etwas unglücklich und genau vor die Füße von Serge Gnabry ab, der nur noch einzuschieben brauchte.

Kiel gegen Bayern – das Elfmeterschießen
Kiel gegen München – das Elfmeterschießen

Allerdings stand der Bayern-Stürmer kurz zuvor knapp im Abseits. Da es in dieser Runde des Pokalwettbewerbs aber keinen Video-Assistenten gibt, der Schiedsrichter Robert Schröder darauf hätte hinweisen können, mussten die Norddeutschen einem Rückstand nachlaufen.

Viel Leidenschaft und Engagement

Der frühe Führungstreffer der Münchner war allerdings auch die Folge der drückenden Überlegenheit der Bayern, die mit dem Anpfiff die Initiative übernommen hatte. Der Zweitligist hatte vor allem in der Anfangsphase große Mühe, sich dem hohen Tempo der Münchner zu widersetzen.

Die Bayern, die ohne Top-Torjäger Robert Lewandowski in die Partie gingen, ließen Ball und Gegner laufen, ohne allerdings sonderlich zielstrebig zu spielen. Echte Torchancen waren auch für sie Mangelware. Den Kielern war zunächst anzusehen, dass sie diese Spielgeschwindigkeit nicht gewohnt sind. Aber sie zeigten viel Leidenschaft und Engagement, arbeiteten sich immer mehr in die Partie hinein - und wurden mutiger und selbstbewusster.

Effektiver Fin Bartels

Und nach 37 Minuten taten sie dann auch noch das, was ein Außenseiter tun muss, um eine Chance zu haben: Sie nutzten ihre erste gute Möglichkeit. Bartels wurde von Jannik Dehm gegen die erneut sehr hochstehende Abwehrkette der Münchner auf die Reise geschickt. Der schnelle Bartels behielt vor Neuer die Nerven und schoss eiskalt zum 1:1 ein.

"Die Kieler haben alles in die Waagschale geworfen, haben es gut gemacht. Wir sind eigentlich gut ins Spiel gekommen. Haben dann aber in Details Fehler gemacht. Das ist sehr ärgerlich. Und über das Tor, das wir bekommen haben, da reden wir ja schon länger drüber", sagte Bayern-Offensivspieler Thomas Müller.

Müller bedient: "Was glauben Sie denn, wie die Stimmung ist?"
Müller bedient: "Was glauben Sie denn, wie die Stimmung ist?"

Die Kieler mussten nach der Pause sehr schnell den nächsten Dämpfer hinnehmen. Leroy Sané zirkelte nach 48 Minuten einen Freistoß aus 25 Metern unhaltbar ins Tor. Aber auch das steckte die Mannschaft von Trainer Ole Werner unbeeindruckt weg. Nur eine Minute später hatte Alexander Mühling bereits die große Chance zum Ausgleich, allein vor Neuer verzog er allerdings.

Wahl trifft in letzter Sekunde

Die Kieler machten den Münchnern weiterhin das Leben schwer und versuchten alles, um den erneuten Ausgleich zu erzielen. Die spielerische Überlegenheit der Bayern ging immer mehr verloren. Kiel war drauf und dran, den zweiten Treffer zu erzielen.

Die Bayern verteidigten in den letzten Minuten fast nur noch ihre knappe Führung, was nicht gutgehen sollte. In der letzten Sekunde der Nachspielzeit erzielte Verteidiger Wahl per Kopf nach Flanke von Johannes van den Bergh den verdienten Ausgleich zum 2:2. Mit insgesamt drei Schüssen auf das Tor war Holstein zweimal erfolgreich.

Gelios muss sein ganzes Können aufbieten

Die erste Hälfte der Verlängerung war ein einziger Abnutzungskampf, geprägt von Zweikämpfen und Ballverlusten. Eine Torchance konnte sich keines der beiden Teams erarbeiten. In der zweiten Hälfte der Verlängerung erhöhten die Münchner dann nochmal das Tempo. Kiels Torhüter Gelios musste zweimal sein ganzes Können aufbieten, um Schüsse von Alphonso Davies und Marc Roca abzuwehren.

Am Ende hielt Gelios ein letztes Mal gegen Roca, dieses Mal trat der Münchner vom Elfmeterpunkt an. Bartels machte den sensationellen Abend dann mit seinem Treffer vom Punkt für die Kieler perfekt.

Quelle: sportschau.de

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