Ringer Navid Afkari  | Bildquelle: NWRI HANDOUT/EPA-EFE/Shutterstoc

Zum Tode verurteilter Iraner "Rettet Navid Afkari"

Stand: 09.09.2020 08:48 Uhr

Der Ringer Navid Afkari ist im Iran zum Tod verurteilt worden. Dagegen regt sich weltweiter Widerstand. Auch deutsche Sportler bitten eindringlich: "Rettet Navid!"

Vor kurzem hieß es noch, die Todesstrafe für Afkari werde erst in frühestens sechs Jahren vollstreckt. Nun gibt es Befürchtungen, der iranische Ringer könnte schon am Mittwoch (09.09.20) hingerichtet worden sein. Nähere Informationen darüber gibt es nicht. Die iranische Justiz wirft dem 27 Jahre alten Afkari vor, bei einer Demonstration 2018 in der südiranischen Stadt Schiras einen Sicherheitsbeamten getötet zu haben. Er habe die Tat gestanden, hieß es. Protestler und Menschenrechtler weisen darauf hin, dass dieses Geständnis - wenn überhaupt - unter Folter zustande gekommen sei.

Athleten Deutschland e.V. verbreitete am Dienstag einen Aufruf der World Players Association, in dem das iranische Regime aufgefordert wird, die Exekution aufzuschieben. Ansonsten müsse es Konsequenzen geben bis hin zum Ausschluss iranischer Sportlerinnen und Sportler von internationalen Wettkämpfen.

Schon zuvor hatte es zahlreiche Solidaritätsbekundungen für Afkari gegeben. Der dreimalige Ringer-Weltmeister Frank Stäbler postete bei Instagram eine Story, in der er sagte: "Die Ringer-Familie und die globale Sport-Gemeinschaft stehen hinter ihm. Wir kämpfen zusammen, um für Navid und seine Familie Gerechtigkeit zu bekommen."

Die ehemalige deutsche Weltmeisterin Aline Rotter-Focken schrieb in den sozialen Medien: "Die Ringer-Gemeinschaft hat eine Verantwortung, sich einzusetzen. Bitte rettet Navid."

Stäbler: "Rettet Navid Afkari"
Stäbler: "Rettet Navid Afkari"

Das Geständnis Afkaris sowie Aufnahmen der angeblichen Tat wurden im iranischen Staatsfernsehen sowie im Videoportal Aparat gezeigt. Afkari wurde daraufhin zum Tode verurteilt. Seine beiden Brüder, die mit ihm zusammen an den Protesten gegen das islamische Regime teilgenommen hatten, erhielten hohe Gefängnisstrafen. Das Urteil ist vom obersten Gerichtshof des Landes bestätigt worden und somit rechtskräftig. Es solle aber erst in sechs Jahren vollstreckt werden, hieß es.

Sorge bei iranischen Menschenrechtlern über bevorstehende Vollstreckung

Iranische Menschenrechtsaktivisten berichten auf sozialen Netzwerken jedoch schon vor Tagen, dass die Sorge wachse, die Vollstreckung stehe kurz bevor. Bei Twitter schreibt "Iran Human Rights Monitor" zudem, Afkari sei im Gefängnis in einen Hochsicherheitstrakt verlegt und misshandelt worden. Zudem werde ihm der Besuch eines Arztes verwehrt.

Teheran: "Mörder nicht heiligsprechen"

Zahlreiche Iraner, auch renommierte Ringer, fordern in den sozialen Medien eine Revision des Urteils. In der vorigen Woche hatte auch US-Präsident Donald Trump die iranische Führung in einem Tweet aufgefordert, Afkari nicht hinzurichten.

Teheran weist die Kritik zurück. Das Ausland solle einen Mörder aus politischen Erwägungen nicht heiligsprechen, einen Täter nicht zum Opfer machen und die Rechte des wahren Opfers und dessen Familie nicht ignorieren, hieß es von der iranischen Justiz laut Nachrichtenportal Tabnak.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. September 2020 um 22:50 Uhr.

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