Szene aus dem Bundesliga-Fußballspiel Hertha BSC gegen Union Berlin | AP

Fußball-Bundesliga Hertha siegt im Stadtderby gegen Union

Stand: 04.12.2020 22:25 Uhr

Das nennt man gutes Händchen: Trainer Bruno Labbadia wechselte zur zweiten Hälfte gegen den 1. FC Union Berlin zwei Akteure ein, die Hertha BSC den Sieg gegen aufopferungsvoll kämpfende "Eiserne" sicherten. Union musste im prestigeträchtigen Stadtderby zum Auftakt des 10. Bundesligaspieltages fast 70 Minuten in Unterzahl spielen.

Von Hartmut Bick

Hertha und Union trennten sich am Freitagabend (04.12.2020) mit 3:1 (0:1). Den Führungstreffer für die Gäste durch Taiwo Awoniyi (20. Minute) egalisierte Peter Pekarik (51.). Bei fast 70-minütiger Unterzahl nach der Roten Karte gegen Robert Andrich (23.) verließen die "Eisernen" dann die Kräfte.

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Das nutzte Krzysztof Piatek mit einem Doppelpack (74., 77.), um den ersten Heimsieg der Hertha in dieser Saison unter Dach und Fach zu bringen. Union verlor hingegen seit dem 19. September erstmals wieder.

"Wunderbares Gefühl"

"Ich bin sehr glücklich. Das ist ein wunderbares Gefühl. Ich bin Stürmer, und das wichtigste für mich ist, Tore zu schießen und der Mannschaft zu helfen", sagte Piatek beim Streamingdienst "DAZN". "Ich freue mich für ihn. Das ist immer gut", erklärte Labbadia. "Ich bin sehr zufrieden mit den drei Punkten."

Die siebte Derby-Auflage beider Teams in den Profiligen stand unter einem Aspekt, der den Herthanern gar nicht geschmeckt haben dürfte: Denn der Außenseiter aus Köpenick war dem etablierten Erstligisten aus Charlottenburg in der Tabelle erst einmal enteilt. Mit acht Zählern Vorsprung gingen die "Eisernen" in die Partie gegen die "alte Dame".

Auf den Jubel folgt der Schock

Dass es nicht nur um drei Punkte, sondern auch ums Prestige ging, verrieten die ersten Spielminuten. Da agierten beide Teams zwar emsig, aber vor allem auf Vorsicht bedacht. Und so dauerte es 20 Minuten bis zur ersten Torchance. Die aber führte direkt zum Jubel bei Union: Marcus Ingvartsen setzte sich gegen mehrere Hertha-Akteure durch, steckte auf Awoniyi durch, der die Kugel direkt neben den Pfosten spitzelte (20.).

Der Tiefschlag folgte fast auf dem Fuß: Schiedsrichter Felix Brych schickte Unions Andrich mit Rot zum Duschen, weil der mit viel zu hohem Bein Lucas Tousart am Hals getroffen hatte (23.). "Die Rote Karte war der Knackpunkt", erklärte Unions Trainer Urs Fischer. "Bis dahin waren wir gut im Spiel und konnten in Führung gehen. Aus meiner Sicht haben wir es sehr gut gemacht bis zur Pause, in der zweiten Hälfte war Hertha sehr effizient."

Hertha zu langsam und ideenlos

Somit standen Union fast 70 Spielminuten in Unterzahl bevor. Allerdings präsentierte sich Herthas Offensive zu langsam und ideenlos, um den roten Riegel des Gegners zu durchdringen. Trotz des üppigen Übergewichts beim Ballbesitz dauerte es bis zur 39. Minute, ehe Herthas Dodi Lukebakio nach einem Eckball frei im Union-Strafraum zum Kopfball kam - aber Keeper Andreas Luthe vor keine größeren Probleme stellte.

Kurz vor dem Pausenpfiff tauchte erneut Lukebakio gefährlich vor dem Tor der Köpenicker auf, wo Grischa Prömel aber im letzten Moment klären konnte.

Piatek mit dem Doppelpack

Mit den Einwechselungen von Javairo Dilrosun (für Tousart) und Piatek (für Darida) versuchte Labbadia zur zweiten Hälfte, für mehr Offensivimpulse zu sorgen. Das zahlte sich bald aus, allerdings unter tätiger Mithilfe von Luthe. Der ließ einen Schuss von Matheus Cunha direkt auf Pekarik abprallen, der die Kugel dann in der linken Ecke des Union-Tores unterbrachte (51.). In der leidenschaftlicher werdenden Partie verteidigten die Köpenicker das Remis mit Zähnen und Klauen, versuchten auch im Spiel nach vorne, den einen oder anderen Nadelstich zu setzen.

Dann war es wieder Luthe, der der Hertha die Einleitung des Führungstreffers ermöglichte. Sein Pass ins Mittelfeld landete beim Gegner, den folgenden Angriff beendete Piatek nach Pass von Dilrosun mit einem Flachschuss, der von Julian Ryerson unhaltbar für Luthe ins Tor abgefälscht wurde (74.). Nur drei Minuten darauf beendete der polnische Nationalstürmer mit seinem zweiten Treffer nach einer Direktabnahme die Gegenwehr der "Eisernen" endgültig (77.). Erneut kam der Pass von der linken Seite und Dilrosun.

"Das tut weh"

"Das tut weh", sagte Luthe über die Niederlage. "Wir haben uns in Unterzahl lange gewehrt und haben auf den Lucky Punch gesetzt." Die Partie endete mit einer weiteren bitteren Szene für die Gäste: Max Kruse, der diesmal keine großen Akzente setzen konnte, verletzte sich in der Nachspielzeit und musste vom Platz.

Während die Hertha am nächsten Spieltag am Samstagnachmittag bei Borussia Mönchengladbach antritt, empfängt Union am Abend in der Top-Partie Bayern München.

Quelle: sportschau.de