Hertha BSC gegen Schalke 04 | AFP

2:1-Sieg Hertha auch auf Schalke ungeschlagen

Stand: 12.05.2021 20:55 Uhr

Es war ausgesprochen zähe Fußballkost, aber das wird Hertha BSC in der Nachbetrachtung egal sein. Die drei hart erkämpften Punkte beim Nachholspiel in der Fußball-Bundesliga auf Schalke sind ein kleiner Befreiungsschlag im Kampf um den Klassenerhalt.

Von Christian Hornung

Erst eine Viertelstunde vor Schluss sicherten sich die Berliner am Mittwochabend (12.05.2021) mit dem 2:1 (1:1)-Siegtor den so dringend benötigten Dreier, mit dem sie sich im Tabellenkeller auf Platz 13 schieben und damit den FC Augsburg überholen. Auf den Relegationsrang, den Arminia Bielefeld punktgleich hinter Werder Bremen belegt, sind es für die Herthaner nun zwei Spieltage vor dem Saisonende drei Punkte Vorsprung.

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Schwolow: "Verpasst, den Sack früher zuzumachen"

Berlins Keeper Alexander Schwolow sagte dem ARD-Hörfunk: "Es ging drunter und drüber am Ende, wir haben es verpasst, den Sack früher zuzumanchen. Es gab eine unerklärlich lange Nachspielzeit, aber wir haben uns dagegengeworfen und das Quäntchen Glück gehabt. Der Ball klatscht zweimal an den Pfosten und dann liegen wir uns in den Armen."

Hertha-Trainer Pal Dardai äußerte sich erleichtert: "Da hat uns der Fußball-Gott was zurückgegeben. Das war ein verdienter Sieg", befand er und blickte auf die kommenden Spiele voraus: "Jetzt haben wir zwei Matchbälle und dann schaffen wir das. Jetzt müssen wir alle positiv bleiben und auch die Regeneration wird einfacher."

Grammozis: "Doppelpfosten war Wahnsinn"

Sein Schalker Kollege Dimitrios Grammozis ärgerte sich, weil mehr möglich gewesen wäre, lobte sein Team aber auch: "Die Mannschaft hat bis zum Ende versucht, einen Punkt mitzunehmen. Der Doppelpfosten in der Nachspielzeit war Wahnsinn. Es ist symptomatisch, dass der Ball nicht über die Linie geht. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass die Jungs alles versucht haben. Die Leistung macht Mut."

Schalkes Abwehrspieler Shkodran Mustafi meinte: "Es war ein Spiel, was für beide Seiten hätte ausgehen können, leider ist es für die Hertha ausgefallen."

Frühe Führung durch Harit

In der 6. Minute traf ein, wovor Hertha-Coach Dardai noch gewarnt hatte. Der spielstarke und diesmal auch über weite Strecken spielwillige Amine Harit hatte zu viel Platz auf der linken Seite, wurde nach einem Zuspiel von Sead Kolasinac nicht richtig angegriffen und schloss mit einem präzisen Schuss ins lange Eck zur 1:0-Führung ab.

Hertha hatte eigentlich feldüberlegen begonnen, brauchte aber nun eine Zeitlang, um Rhythmus und Selbstvertrauen wiederzufinden. Schließlich half, was in dieser Saison gegen Schalke fast immer hilft: ein Standard.

Huntelaar und Sané im Tiefschlaf

Nach einer Freistoßflanke von Marvin Plattenhardt stand im Zentrum zunächst Klaas-Jan Huntelaar bei Berlins Verteidiger Dedryck Boyata, fühlte sich im weiteren Verlauf der Szene aber nicht mehr zuständig. Da auch Innenverteidiger Salif Sané gerade einen Tiefschlaf abhielt und völlig orientierungslos neben Boyata hertrabte, konnte der mühelos zum 1:1 einköpfen (19.).

Das Spiel wurde danach noch zerfahrener, aber acht Minuten vor der Pause hätte "Königsblau" erneut in Führung gehen können. Harit und Kolasinac bereiteten auf der linken Seite einen Angriff vor, am Elfmeterpunkt trat dann aber erst Matthew Hoppe am Ball vorbei, dann zielte auch Huntelaar nicht richtig - Schwolow im Berliner Tor musste nicht eingreifen.

Fährmann pariert Piatek-Kopfball

Nach der Pause kamen die Gäste etwas besser in die Partie, ohne allerdings großen Glanz zu verbreiten. Der bis dahin weitgehend unsichtbare Mittelstürmer Krzystof Piatek kam nach 55 Minuten - erneut nach einem Freistoß von Plattenhardt - ähnlich frei wie beim Ausgleistor sein Kollege Boyata zum Kopfball. Allerdings platzierte er den Ball nicht so präzise, so dass Ralf Fährmann im Schalker Tor noch abwehren konnte.

Und das Standard-Thema zog sich weiter durch. Acht Minuten nach der Piatek-Chance ließ Bastian Oczipka nach einer Plattenhardt-Ecke Boyata davonlaufen, diesmal köpfte der Belgier aber an den rechten Pfosten.

Radonjic legt für Ngankam auf

Im Berliner Mittelfeld blieb weiter alles Stückwerk, es gab kaum Kombinationen, wenige gute Ideen - aber der Kampf stimmte. Und als der Ball dann doch einmal unfallfrei über mehrere Stationen zirkulierte, war es gleich um Schalke geschehen. In der 74. Minute setzte sich Nemanja Radonjic gut gegen Timo Becker durch, sein Zuspiel nahm der eingewechselte Jessic Ngankam auf. Mustafi, 2014 noch im deutschen Weltmeister-Team, verlor den letztlich entscheidenden Zweikampf, so dass Ngankam den Ball ins kurze Eck drücken konnte.

Das Zittern bis zum Abpfiff hätte dann Radonjic in der 83. Minute seinen Kollegen und seinem Trainer ersparen können, doch frei vor dem Schalker Tor brachte er nur einen Lupfer zustande, den Fährmann mit einer sehr guten Reaktion ablenken konnte.

Lukebakio fliegt vom Platz

Danach machten es sich die Gäste noch einmal unnötig schwer. In einem harmlosen Zweikampf an der Seitenlinie setzte sich Dodi Lukebakio gegen Steven Skrzybski zu hart ein und sah die Gelb-Rote Karte (87.). Im nächsten Spiel gesperrt ist auch Vladimir Darida, der die fünfte Gelbe Karte sah.

In der 93. Minute hätten sich die Unterzahl und die vergebenen Chancen dann beinahe tatsächlich noch gerächt. Nach einer Hereingabe traf zunächst Mustafi per Kopf die Latte, dann setzte Benito Raman den zweiten Versuch an den linken Pfosten.

Schalke bekommt es in seinem vorerst letzten Bundesliga-Heimspiel am kommenden Samstag (15.05.2021) mit Eintracht Frankfurt zu tun. Die Berliner haben zeitgleich den ebenfalls um den Klassenerhalt kämpfenden 1. FC Köln zu Gast.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Mai 2021 um 20:30 Uhr.