Handball | Bildquelle: dpa

Handball-EM Deutschland schlägt Niederlande

Stand: 09.01.2020 20:27 Uhr

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat im ersten Spiel der Handball-Europameisterschaft einen glanzlosen Auftaktsieg gefeiert. Gegen die Niederlande siegte die DHB-Auswahl mit 34:23 (15:13).

Von Niklas Schenk

Die deutsche Mannschaft hatte am Donnerstag (09.01.2020) allerdings mehr Mühe, als es das Ergebnis aussagt. Den klaren Sieg gegen den Außenseiter aus den Niederlanden stellte sie erst in den letzten Minuten sicher.

"Die Startphase war gut. Dann kam nach der Roten Karte gegen Uwe Gensheimer ein Bruch ins Spiel, daran hatten wir ganz schön zu knabbern", sagte Trainer Christian Prokop. Gensheimer musste bereits Mitte der ersten Hälfte nach einem Kopftreffer gegen den holländischen Keeper Ravensberger frühzeitig das Feld verlassen. Der deutsche Kapitän sagte: "Wir haben zu viele Chancen ausgelassen und zu viele Fehler gemacht. Das müssen wir dringend verbessern."

Torwart Wolff sofort da

Die Deutschen starteten ohne Experimente: Andreas Wolff begann im Tor, davor spielten um Gensheimer und Patrick Wiencek sechs erfahrene Spieler, die auch schon 2016 beim letzten EM-Titel dabei waren. Schnell gingen die Niederländer mit 2:0 in Führung. Julius Kühn gelang dann der erste deutsche Treffer des Turniers, Kai Häfner brachte Deutschland mit einem Doppelpack zum 4:3 erstmals in Führung.

Danach begann die beste deutsche Phase. In der mit 4.000 Zuschauern nur halb gefüllten Trondheimer Arena zog die DHB-Auswahl auf 9:4 davon. Nun stand die 6-0-Abwehr stabil. Die Niederländer fanden um ihren kleinen Spielmacher Luc Steins (1,73 Meter) keinen Weg durch die enge Deckung. Zudem war Torhüter Wolff mit mehreren Paraden sofort da.

Gensheimer fliegt mit Rot vom Platz

Dann aber ein Wendepunkt im Spiel: Kapitän Gensheimer warf bei einem Siebenmeter dem gegnerischen Torhüter den Ball ins Gesicht. Das Schiedsrichtergespann beriet sich kurz und stellte Gensheimer dann mit Rot vom Platz. Der Stuttgarter Patrick Zieker kam dafür auf die linke Seite, zudem feierten mit David Schmidt und Marian Michalczik weitere Spieler ihr EM-Debüt. Aber die Deutschen verloren durch die vielen Wechsel ihren Rhythmus. Vor allem durch die Mitte gab es nur wenig Tempo und Variationen, die Spielmacher Drux und Michalczik taten sich sehr schwer. Zur Halbzeit lag die deutsche Auswahl nur noch mit zwei Toren (15:13) vorne.

Auch der Start in die zweite Halbzeit verlief holprig. Beide Teams ließen nun einige Gelegenheiten liegen. Wolff bewahrte die DHB-Auswahl vor dem 16:16-Ausgleich, stattdessen zog Deutschland danach wieder auf 18:15 davon. Das Spiel im Rückraum klappte bei Deutschland nun wieder besser. Die Routiniers Häfner und Fabian Böhm zogen das Spiel an sich, während die Abläufe bei den Debütanten noch immer stockten. Es blieb dabei: Deutsche Tore fielen fast nur aus der Distanz heraus oder gelangen nach Einzelaktionen; Kombinationen und schön herausgespielte Tore waren Mangelware.

Prokop sorgt für Schmunzler

Für einen Schmunzler sorgte in der zweiten Halbzeit Christian Prokop. Prokop hatte EM-Debütant Timo Kastening in einer Teambesprechung in der zweiten Halbzeit vor laufenden Kameras nach dessen Namen gefragt ("Wie heißt du?"). "Ist doch ganz klar, dass es ein Spaß war", sagte der Coach später. Kastening nahm es mit Humor. "Das war witzig. Vielleicht bin ich ein bisschen zu klein, sodass er mich nicht sieht", sagte der Rechtsaußen: "In der Regel kennt Christian meinen Namen." In Hannover habe er einen spanischen Trainer, "der sucht auch häufig meinen Namen. Das bin ich gewohnt."

Wolffs Paraden legen den Grundstein

Bei den Niederländern blieb Spielmacher Steins der auffälligste Akteur. Mit schnellen Körperdrehungen stellte er die deutsche Abwehr immer wieder vor Probleme. Insgesamt kam Steins auf fünf Treffer und wurde später zum Spieler des Spiels gewählt. Dass Deutschland trotzdem nach 47 Minuten wieder mit sechs Toren Vorsprung davonzog, lag vor allem an Torhüter Wolff, der mit mehreren Paraden in Folge nun richtig heißlief.

"Andy war in den entscheidenden Momenten zur Stelle. Er hat wie Kai Häfner hervorragend Verantwortung übernommen", meinte Trainer Prokop. Erst acht Minuten vor Schluss durfte auch Rückkehrer Johannes Bitter ins Tor.

Insgesamt ließ die deutsche Mannschaft in der zweiten Hälfte nur noch zehn Gegentreffer zu. So wurde der Grundstein gelegt für einen glanzlosen Auftaktsieg, bei dem vor allem auf die erfahrenen Nationalspieler Verlass war, während sich die vielen neuen Spieler in der DHB-Auswahl im Laufe des Turniers noch steigern müssen. Nächster Gegner ist am Samstag (11.01.2020) Titelverteidiger Spanien.

Quelle: sportschau.de

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