Der zurückgetretene DFB-Präsident Reinhard Grindel | Bildquelle: dpa

Nach anhaltender Kritik DFB-Präsident Grindel zurückgetreten

Stand: 02.04.2019 15:53 Uhr

Reinhard Grindel ist mit sofortiger Wirkung von seinem Amt als DFB-Präsident zurückgetreten. Er reagierte damit auf den gestiegenen Druck der vergangenen Tage. In einer Erklärung entschuldigte er sich für sein "wenig vorbildliches Verhalten" und sagte, er sei "fassungslos über den Fehler, der mir unterlaufen ist." Seine Ämter bei FIFA und UEFA behält er.

Der 57 Jahre alte Grindel zieht mit dem Rücktritt nach drei Jahren als DFB-Präsident die Konsequenzen aus den Anschuldigungen und der schweren Kritik gegen seine Person in den vergangenen Tagen. 

Grindel las am Dienstag (02.04.19) eine persönliche Erklärung vor, ließ danach jedoch keine Fragen zu und verließ das Podium. Nach dem Rücktritt übernehmen Ligapräsident Reinhard Rauball und Vizepräsident Rainer Koch vorerst die Geschäfte bis zum DFB-Bundestag im September.

"Der DFB steht vor enormen Herausforderungen"

"Amateur- und Profivertreter sind nun gemeinsam gefordert, bis zum kommenden DFB-Bundestag die Weichen für die Zukunft zu stellen. Nicht nur sportlich, sondern auch mit Blick auf die Positionierung in der Gesellschaft steht der DFB vor enormen Herausforderungen. Ziel muss es dabei sein, jenseits von Einzelinteressen immer nach den besten Lösungen für den deutschen Fußball zu streben", sagte Rauball. Und Koch sagte: "Unser Ziel ist es jetzt, einen gemeinsamen Kandidaten von DFB und DFL außerhalb des Präsidiums zu finden, der die Anliegen des Amateurfußballs ebenso im Blick hat wie den Spitzenfußball."

"Wenig vorbildliches Verhalten"

"Ich entschuldige mich dafür, dass ich durch mein wenig vorbildliches Handeln in Zusammenhang mit der Annahme einer Uhr Vorurteile gegenüber haupt- oder ehrenamtlich Tätigen im Fußball bestätigt habe", sagte Grindel.

"Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich nicht geldgierig und seit Jahren mit Compliance-Fragen befasst bin. Dass ich wegen eines solchen Vorgangs öffentlich so dastehe, macht mich fassungslos und traurig, und ich bitte einfach um eine faire Beurteilung meiner am Ende leider nur dreijährigen Amtszeit."

Die komplette Rücktrittserklärung von Reinhard Grindel
Die komplette Rücktrittserklärung von Reinhard Grindel

Zusatzeinkünfte und eine Luxus-Uhr

Nach den vom Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" erhobenen Vorwürfen, dass er Zusatzeinkünfte über 78.000 Euro als Aufsichtsratschef der DFB-Medien-Verwaltungsgesellschaft in den Jahren 2016 und 2017 nicht publik gemacht habe, fand der einstige CDU-Berufspolitiker in den vergangenen Tagen kaum noch Rückhalt in der Verbandsspitze.

Die DFB-Presseabteilung versicherte, dass Grindel bei seinem Amtsantritt korrekte Angaben über seine Einkünfte gemacht habe. Den gut dotierten Aufsichtsratsposten trat er drei Monate später an.

Laute Kritik

Am Montagabend war die Kritik an Grindel erneut laut geworden. Andreas Rettig, Geschäftsführer beim Zweitligisten FC St. Pauli, sagte: "Einen Platz in der Hall of Fame würde Grindel heute sicher nicht bekommen. Das Erscheinungsbild des DFB ist schon seit längerer Zeit verbesserungswürdig."

Gemeint sein dürfte vor allem das Jahr 2018, als auf das erstmalige WM-Vorrundenaus der deutschen Nationalmannschaft in Russland die Affäre um Mesut Özil folgte. Der 30-Jährige musste nach einem Foto mit dem türkischen Präsidenten Erdogan harsche Kritik einstecken und fühlte sich vom DFB nicht ausreichend beschützt.

Steffen Simon zum Grindel-Rücktritt – "Wir werden in einen Machtkampf reingeraten"
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Grindel räumte später ein: "Ich hätte mich angesichts der rassistischen Angriffe an der einen oder anderen Stelle deutlicher positionieren und vor Mesut Özil stellen müssen. Da hätte ich klare Worte finden sollen."

Grindel bleibt bei FIFA und UEFA

Unabhängig von seinem Rücktritt behält Grindel seine Posten bei UEFA und FIFA. Er werde die Ämter im UEFA-Exekutivkomitee und im FIFA-Council "in enger Abstimmung mit dem DFB" fortführen, teilte der DFB mit.

Die beiden Ämter im internationalen Fußball werden mit rund einer halben Million Euro pro Jahr entlohnt. Sie sind an die Person gebunden, nicht an das Amt beim DFB. Bei der UEFA ist Grindel bis 2021 gewählt. Ins Council des Weltverbandes wurde er gerade im Februar für vier weitere Jahre wiedergewählt.

Mit dieser geteilten Lösung gab es in der Vergangenheit eher schlechte Erfahrungen. Auch Wolfgang Niersbach und Theo Zwanziger waren noch lange in internationalen Funktionen, obwohl sie beim DFB schon keinen Posten mehr hatten. 

DFB-Präsident Grindel tritt zurück
DFB-Präsident Grindel tritt zurück

Thema in: Sportschau, Das Erste, 2.4., ab 20.15 Uhr

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. April 2019 um 15:00 Uhr.

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