Der Nürnberger Spieler Sebastian Kerk (r) spielt gegen den Münchner Serge Gnabry. | Bildquelle: dpa

1:1 in Nürnberg Bayern strauchelt

Stand: 28.04.2019 21:05 Uhr

Bayern München ist auf dem Weg zum 29. deutschen Meistertitel überraschend ins Straucheln geraten.

Der schwache Tabellenführer konnte die Steilvorlage von Schalke 04 nicht nutzen und baute durch ein glückliches 1:1 (0:0) beim 1. FC Nürnberg seinen Vorsprung auf Verfolger Borussia Dortmund drei Spieltage vor Saisonende nur auf zwei Punkte aus. Nach dem Treffer von Matheus Pereira (48. Minute) rettete "Joker" Serge Gnabry (75.) die erschreckend schwachen Gäste am Sonntag (28.04.2019) vor einer Blamage.

Auch Coman mit der Großchance

Tim Leibold schoss einen Nürnberger Foulelfmeter an den Pfosten (90.+1) - es war der dritte vergebene Strafstoß der Franken in Folge. Auf der Gegenseite scheiterte Kingsley Coman kurz vor Schluss mit einem Alleingang (90.+5). Bei einem Sieg hätten sich die Münchner schon am nächsten Wochenende die Schale sichern können.

Nürnbergs Torhüter Christian Mathenia trauerte dem vergebenen Sieg nach: "Bis zur 75. Minute war das ein perfekter Tag für uns. Es ist einfach schade, dass wir uns nicht belohnen. Das macht aber auf jeden Fall Mut für die nächsten Spiele."

Kovac nennt Punktgewinn "glücklich"

Bayerns Trainer Niko Kovac verwies bei seiner Analyse zunächst auf das kraftraubende Pokal-Halbfinale vom Mittwoch in Bremen und auf die intensive Atmosphäre, für die die Nürnberger Fans gesorgt hätten. Er gab aber auch zu: "Es ist total ärgerlich. Wir hätten hier und heute einen Matchball erspielen können. Wir haben zwar Chancen gehabt, aber wir müssen glücklich sein, dass wir hier einen Punkt mitgenommen haben."

Unglücklich für den "Club": Das Fernduell um die deutsche Meisterschaft hielt er durch seine starke kämpferische Leistung im 191. bayerisch-fränkischen Derby spannend - der Punkt wird für den neunmaligen deutschen Meister freilich zu wenig sein, um die Klasse zu halten: Nürnberg liegt nun fünf Zähler hinter dem am Samstag siegreichen VfB Stuttgart auf dem Relegationsplatz. Der neunte Absturz des Rekordabsteigers in die zweite Liga dürfte damit nicht mehr zu verhindern sein.

"Mannschaft glaubt noch an sich"

"Club"-Coach Boris Schommers war dennoch stolz auf sein Team: "Wir haben einen Punkt gewonnen. Wir haben hier über 90 Minuten auf Augenhöhe gespielt, haben ganz wenig zugelassen. Wir sind nicht in Ehrfurcht erstarrt, wir haben auch versucht, spielerische Lösungen zu finden. Wenn du hinten raus in der 90. Minute über einen Elfmeter die Möglichkeit hast, das Spiel zu gewinnen, wäre es für uns der absolute 'big point' gewesen. Die Mannschaft glaubt noch an sich, auch wenn der Rückstand noch größer geworden ist."

Peinlich für den FC Bayern: Weil seine Anhänger Feuerwerksraketen auf das Spielfeld schossen, pfiff Schiedsrichter Tobias Stieler die zweite Halbzeit erst mit einigen Minuten Verspätung an. Vor 50.000 Zuschauern im ausverkauften Max-Morlock-Stadion dominierte der FC Bayern nach einer kurzen Aufwärmphase das zunächst Spiel, schnürte die wacker verteidigenden Gastgeber zunehmend ein, zeigte bei seinen Angriffen allerdings erschreckend wenig Einfallsreichtum.

Mathenia rettet gegen Alaba

Seine lange Zeit beste Chance entsprang fast folgerichtig einem Freistoß: "Club"-Torhüter Mathenia lenkte den von David Alaba getretenen Ball mit den Fingerspitzen gerade noch an die Latte (23.). Erst nach einer Stunde war er beim Schuss von Leon Goretzka wieder gefordert (60.), kurz darauf lenkte er auch einen Freistoß des eingewechselten James an die Latte (69.). Die Nürnberger kamen zunächst nur selten in die Nähe des Münchner Strafraums, ihre Offensivbemühungen waren zu zaghaft.

Erst in der 35. Minute brachte der gute Pereira ein Schüsschen in die Richtung des Münchner Tores zustande, Sekunden später bügelte Sven Ulreich gegen Eduard Löwen gerade noch einen eigenen Patzer aus: Der Torhüter hatte einen Rückpass falsch eingeschätzt. Nach dem Treffer von Pereira war Nürnberg für kurze Zeit am Drücker, die Bayern wankten, fingen sich aber wieder. Ideenreicher wurden sie nicht. Kovac hatte ein wenig überraschend Gnabry zunächst auf der Bank gelassen.

James Rodriguez ein- und ausgewechselt

Neben dem Nationalspieler nahm Arjen Robben Platz, der Niederländer stand erstmals seit dem 27. November vergangenen Jahres wieder im Kader. Ohne Gnabry fehlte den Bayern Tempo auf dem rechten Flügel, auch der von Beginn an spielende Goretzka entfaltete in zentraler Position nur wenig Wucht und Ideen. Kovac korrigierte seinen Fehler, brachte Gnabry (46.) für den schwachen Thomas Müller und James für Javi Martinez (57.). Mit Erfolg. Allerdings: James musste - offenbar an der Wade verletzt - wieder ausgewechselt werden.

Der FC Bayern tritt nun am kommenden Samstag gegen Hannover 96 an. Nürnberg spielt zeitgleich beim VfL Wolfsburg.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 28. April 2019 um 23:10 Uhr.

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