Friedhelm Funkel | Bildquelle: dpa

Funkel vor 500. Spiel Vom Krisenmanager zur Kultfigur

Stand: 03.10.2019 13:45 Uhr

Friedhelm Funkel absolviert gegen Hertha BSC sein 500. Bundesligaspiel als Trainer. Der einst biedere Fußballlehrer wurde vom Krisenmanager zur Kultfigur. Der 65-Jährige genießt derzeit so viel öffentliche Anerkennung wie wohl noch nie zuvor in seiner langen Karriere.

Von Jörg Strohschein

Irgendwann kann sich Friedhelm Funkel ganz auf die Familienduelle mit seiner Frau Anja konzentrieren. Mit dem gelben Filzball liefert sich der 65-Jährige harte Kämpfe beim Crefelder Hockey und Tennis Club in seinem Wohnort Krefeld. Diese hausinternen Kämpfe nutzt Funkel bei allem Ehrgeiz zur Entspannung von seinem beruflichen Alltag. Selbst wenn es in der Fußball-Bundesliga keinen erfahreneren Trainer als ihn gibt, so verlangt ihm der Job noch immer eine Menge ab.

"Die Nervosität vor Spielen hat sich nicht geändert", sagt Funkel im Interview mit der Sportschau. Das ist deshalb erstaunlich, weil der gebürtige Rheinländer am Samstag sein 500. Spiel an der Seitenlinie coachen wird. Damit zählt er zu den Urgesteinen einer Liga, die seit jeher wenig Wert darauf legte, es mit der Beständigkeit allzu ernst zu nehmen. Trainer sind dort eher durchlaufende Posten. Funkel aber hatte Glück. Auf seinen meisten Stationen fühlte er den nötigen Rückhalt.

Friedhelm Funkel 1991 als Trainer von Bayer Uerdingen | Bildquelle: imago/WEREK
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Friedhelm Funkel 1991 als Trainer von Bayer Uerdingen

Stetiger Kampf ums Überleben

Ob in Uerdingen, ob bei Hertha BSC, in Duisburg oder bei Eintracht Frankfurt. Dort hat es ihn jeweils über mehrere Jahre gehalten. "Wenn in schweren Zeiten der Trainer kein Vertrauen bekommt, hat er keine Chance mehr weiterzuarbeiten", so Funkel. Der ehemalige Profi war nie für die Bundesliga-Kür da, sondern für die Pflichtaufgaben. So wie er selbst auf dem Spielfeld musste er mit seinen Teams vor allem eines: kämpfen.

Es ging fast immer gegen den Abstieg. Meistens gelang es, manchmal auch nicht. Ein schlechtes Wort haben sie nie in den jeweiligen Klubs über Funkel verloren, wenn er seinen Arbeitsplatz verloren hatte.

Funkel war nie eine Lichtgestalt der Bundesliga - aber er war gefühlt immer schon da. Er selbst und der Stil seiner Mannschaften hatten lange Zeit den Ruf, besonders bieder zu sein. Funkel war ein Krisenmanager. Viel Arbeit, wenig Vergnügen - bloß nicht auffallen und doch irgendwie überleben.

Funkel machte einfach weiter

Funkel hat aber auch nie Mannschaften angeleitet, mit denen er glänzen konnte. Wenn seine Teams kurz davor waren, sich von der alleinigen Kampfkraft zu emanzipieren, übernahmen häufig andere. Funkel musste danach dann an anderer Stelle zurück in den hitzigen, staubigen Stollen, während seine Nachfolger am Tageslicht reüssieren konnten. Gewohnheit ist alles.

Trainer mit den meisten Bundesligaspielen
NameBundesliga-PartienVereine
Otto Rehhagel832u.a. Werder Bremen, Borussia Dortmund, FC Bayern
Jupp Heynckes668u.a. Bor. Mönchengladbach, FC Bayern, Schalke 04
Erich Ribbeck569u.a. Bayer Leverkusen, FC Bayern, 1. FC Kaiserslautern
Thomas Schaaf524Werder Bremen, Hannover 96, Eintracht Frankfurt
Udo Lattek522u.a. FC Bayern, Bor. Mönchengladbach, 1. FC Köln
Friedhelm Funkel499 (Stand: 03.10.2019)u.a. KFC Uerdingen, Fortuna Düsseldorf, MSV Duisburg

Das Besondere an Funkel ist, dass ihn das - zumindest öffentlich - nie mitzunehmen schien. Funkel ist und war Pragmatiker, machte einfach immer weiter. Er haderte nicht mit sich und anderen. Was passiert wäre, hätte der Fußballlehrer tatsächlich mal eine talentierte Mannschaft in die Finger bekommen, wird wohl für immer ein unlösbares Rätsel bleiben.

Fortuna Düsseldorfs Trainer Friedhelm Funkel | Bildquelle: dpa
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Fortuna Düsseldorfs Trainer Friedhelm Funkel

Angesagt wie nie

Momentan ist der Fußballlehrer von Fortuna Düsseldorf angesagt wie wohl nie zuvor in seiner langen Karriere. In der NRW-Landeshauptstadt hat er sich fast schon zu einer Kultfigur erhoben. Natürlich sind der Aufstieg und der danach geglückte Klassenverbleib gute Gründe für die Beliebtheit des Trainers. Doch das ist es wohl nicht alleine.

Die Fußballinteressierten nicht nur in Düsseldorf haben in einem nicht zu unterschätzendem Maße daran Gefallen gefunden, dass sich ein Bundesligatrainer traut, seine Meinung offen zu artikulieren und Fehler einzugestehen. Funkel ist schon lange finanziell unabhängig. Er nimmt sich diese Freiheit.

Die große Beliebtheit des Trainers hatte zuletzt Ex-Fortuna-Chef Robert Schäfer zu spüren bekommen, der Funkel trotz der sportlichen Erfolge eigentlich loswerden wollte und am Ende - nach massiven Fanprotesten pro Funkel - selber den Hut nehmen musste.

Funkels Authentizität

Die "erhaltene Authentizität", wie Funkel es selbst nennt, macht ihn autonom. Und gepaart mit seiner Routine lässt ihn diese Ungezwungenheit ganz nebenbei auch noch äußerst souverän wirken. Funkel wurde wegen seiner langjährigen intensiven Arbeit, aber auch wegen seiner in diesem Millionengeschäft selten anzutreffenden Normalität zu einer Bundesliga-Ikone.

"Meine Aufgabe ist es immer gewesen, auf dem Platz zu stehen", sagt Funkel, weshalb er bisher keinen Abschluss seiner Karriere finden konnte. Einst, bei seinem ersten Bundesligaspiel mit Bayer 05 Uerdingen im Jahr 1991, mussten er und sein Team gegen Hertha BSC (1:2) antreten. Am Samstag, bei Funkels Jubiläumsspiel, sind die Berliner erneut dessen Gegner. "Ja, ich bin stolz auf das, was ich erreicht habe", sagt Funkel.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 04. Oktober 2019 um 09:16 Uhr.

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