Frankfurt jubelt über den 5:1-Sieg gegen die Bayern. | Bildquelle: dpa

Bundesliga Frankfurt deklassiert die Bayern

Stand: 02.11.2019 17:25 Uhr

Nach 80-minütiger Überzahl schickte Eintracht Frankfurt einen chancenlosen FC Bayern mit einer Torpackung nach Hause.

Eine folgenschwere Notbremse von Jerome Boateng hat die Herbstkrise von Bayern München und Trainer Niko Kovac dramatisch verschärft. Die Schlüsselszene spielte sich bereits in der neunten Minute ab. Innenverteidiger Boateng wusste sich gegen Goncalo Paciencia nur mit einer Notbremse zu helfen, nach Ansicht der Videobilder zückte Schiedsrichter Markus Schmidt die Rote Karte.

"Wenn Du nach neun Minuten eine Rote Karte bekommst, dann ist es schwierig, gerade hier in Frankfurt. Aber auch mit einem Mann weniger darfst Du hier nicht 1:5 verlieren", sagte Kovac in der Sportschau. Angesprochen auf seine persönliche Situation entgegnete er: "Ich gebe nie auf, einfach kann jeder. Deswegen müssen wir zusehen, die schweren Sachen zu regeln."

Kovac: "Ich bin nicht naiv oder blauäugig"
Kovac: "Ich bin nicht naiv oder blauäugig"

"Wir mussten uns bei unseren Fans entschuldigen", sagte Kapitän Manuel Neuer. "Das ist keine Riesenüberraschung, was hier passiert ist, das hat sich angebahnt. Es läuft nicht. Wir sind nicht konsequent in der Verteidigung", schimpfte der Nationaltorhüter über die Leistung seiner Mannschaft in der Sportschau. "Jeder muss sich hinterfragen. Aber wir sind nicht gespalten in der Mannschaft", entgegnete der Bayern-Torwart selbst etwas ratlos über die zuletzt gezeigten Leistungen.

Überzahl eiskalt ausgenutzt

Die Überzahl im Spiel nutzten die Gastgeber eiskalt aus. Flügelspieler Filip Kostic (25.) erzielte die Führung, Djibril Sow (33.) erhöhte kurz danach. Dank des 14. Saisontreffers von "Lebensversicherung" Robert Lewandowski schöpften die Münchner kurzzeitig wieder Mut. Nach der Pause beseitigte Kapitän David Abraham (49.) die letzten Zweifel am ersten Frankfurter Ligasieg gegen die Bayern seit neun Jahren. Martin Hinteregger (61.) und Paciencia (85.) erhöhten.

"Wir sind mit Mut, Euphorie und Überzeugung ins Spiel gegangen. Die Jungs sind gelaufen, haben gekämpft, die Zuschauer haben uns unterstützt, sonst kann man gegen Bayern München nicht 5:1 gewinnen", sagte Frankfurts Trainer Adi Hütter in der ARD.

Nach dürftigen Vorstellungen in den vergangenen Wochen, insbesondere bei der Beinahe-Blamage im Pokal beim Zweitligisten VfL Bochum (2:1), hatte Kovac seine Mannschaft in die Pflicht genommen. "Mehr Leidenschaft" erwartete der Kroate vor allem in den Zweikämpfen - eine Vorgabe, die in Unterzahl noch wichtiger erschien.

Frankfurt spielt sich in einen Rausch

Dabei wollten die Münchner endlich auch wieder spielerisch glänzen. Die erste Chance nach 87 Sekunden besaß Serge Gnabry, einer der wenigen zuverlässigen Stützen im Team der Bayern. Nach dem zweitschnellsten Platzverweis für einen Bayern-Spieler in der Bundesliga mussten die Gäste vornehmlich Defensivarbeit leisten, die Frankfurter trauten sich in Überzahl noch mehr zu.

Erst die geniale Körpertäuschung von Lewandowski und der anschließende Treffer weckte die Bayern scheinbar aus ihrer Schockstarre. Die Münchner kamen auch mit Elan aus der Pause, erhielten aber direkt die kalte Dusche durch Abraham. Kovac reagierte und nahm den unauffälligen Coutinho vom Platz, Kingsley Coman sollte das Offensivspiel beleben. Stattdessen spielten sich die Frankfurter in einen Rausch.

Für Kovac wird die Luft nach der höchsten Bayern-Niederlage in der Liga seit über zehn Jahren damit immer dünner. Am Mittwoch (6.11.) haben die Bayern in der Champions League gegen Olympiakos Piräus schon die Chance auf Wiedergutmachung. Die nächste Aufgabe in der Liga wird da deutlich schwieriger: Am Samstag (9.11. um 18:30 Uhr) kommt Borussia Dortmund zum Top-Spiel nach München.

Die Eintracht spielt am Donnerstag (7.11.) in der Europa League bei Standard Lüttich und muss am Sonntag in der Bundesliga beim SC Freiburg antreten.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 02. November 2019 um 18:00 Uhr.

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