Jubel bei Max Verstappen | Bildquelle: Pool via REUTERS

Formel 1 in Silverstone Verstappen siegt im Reifenpoker

Stand: 09.08.2020 17:39 Uhr

Der Große Preis zum 70. Jubiläum der Formel 1 in Silverstone war ein Reifenpoker der Extraklasse. Nach Reifenplatzern vor einer Woche lieferten sich Mercedes und Red Bull ein Taktikscharmützel. Am Ende war Max Verstappen der Glücklichere.

Von Jo Herold

Nachdem zuerst Verstappen mit nur einem Reifenwechsel durchs Rennen zu fahren schien, wechselte das Team dann doch auf die Taktik von zwei Stopps. Nach den Erfahrungen des vergangenen Rennens im englischen Silverstone schienen zwei Wechsel unbedingt notwendig. Mercedes setzte von Beginn an auf die weichste der Reifenmischungen und plante von vornherein eine Zwei-Stopp-Strategie. Zünglein an der Waage war die Reifenwahl von Red Bull, von Beginn an auf die härteste der Mischungen zu setzen. "Das habe ich so nicht erwartet", sagte Verstappen nach dem Rennen glücklich, "wir hatten nicht so viele Probleme mit den Reifen. Es lief wie geschmiert."

Der WM-Führende Lewis Hamilton schob sich gegen Ende des Rennens noch an Teamkollege Valtteri Bottas vorbei, Verstappen aber war nicht mehr einzuholen. Nico Hülkenberg rangierte lange auf Rang vier vor seinem Teamkollegen Lance Stroll, musste den Platz aber wegen eines dritten Sicherheits-Reifenwechsels abgeben und wurde trotzdem respektabler Siebter. Noch ist unklar, ob Teilzeit-Formel-1-Pilot Hülkenberg bei Racing Point auch den Spanien-Grand-Prix fahren wird. Noch bestehen Hoffnungen, dass "Hulk" spätestens 2021 wieder einen festen Cockpitplatz in der Königsklasse haben wird.

Vettel nach Dreher nur Zwölfter

Der von vielen teaminternen Problemen geplagte Sebastian Vettel verlor beim Start viele Plätze, drehte sich ohne Berührung eines Gegners bereits in der ersten Kurve und musste als Letzter dem Feld hinterherjagen. Am Ende verpasste der viermalige Weltmeister als Zwölfter klar die Punkte. Für teaminternen Ärger dürfte ein Funkspruch des gebürtigen Heppenheimers sorgen. Nachdem er seiner Ansicht nach zu früh zum Reifenwechsel in die Box geholt worden war und im Verkehr steckenblieb, ätzte Vettel: "Wir haben heute Morgen darüber gesprochen, dass genau das nicht passieren sollte. Ich zieh' das jetzt durch. Aber Ihr habt es verbockt." Derartige öffentliche Kritik am eigenen Team ist in der Formel 1 ungewöhnlich und dürfte das Verhältnis zwischen Vettel und seinem Team weiter belasten. Ferrari hatte im Mai bekannt gegeben, die Zusammenarbeit nach der aktuellen Saison mit ihm nicht weiter fortzusetzen.

Teamkollege Charles Leclerc zeigte erneut eine gute Performance und kam als Vierter ins Ziel: "Das fühlt sich an wie ein Sieg", sagte der Monegasse nach dem Rennen bei "sky". Auch in der Fahrerwertung ist Leclerc Vierter, Vettel ist 13.

In der WM hat Hamilton nun 30 Punkte Vorsprung auf den neuen Zweiten Verstappen. Der Brite egalisierte auf seiner Heimstrecke, auf der er siebenmal gewann, mit seinem 155. Podestplatz einen weiteren Formel-1-Rekord von Michael Schumacher. Weiterhin trennen den 35-Jährigen nur vier Rennsiege und ein WM-Titel vom Kerpener.

Guter Start von Hülkenberg

Hülkenberg startete in seinem 178. Grand Prix gut, verlor aber einen Rang gegen Superstarter Verstappen. Dann griff Ricciardo Hülkenberg an. Der wehrte sich erfolgreich. In der Folge konnte sich auch Hülkenbergs Teamkollege Lance Stroll am Australier vorbeischieben.

Vorne setzten sich die beiden Mercedes schnell ab, Verstappen folgte mit vier Sekunden Rükstand, Hülkenberg lag weitere vier Sekunden zurück.

Bereits im sechsten Umlauf erfolgten aus der Mercedes-Box die ersten Warnhinweise an Spitzenreiter Bottas und Hamilton: "Die Reifen vorne und hinten links sind in einem kritischen Zustand!" Zu frisch waren die Erinnerungen an das fast schon dramatische Finale beim GP von England in der Woche zuvor, als sowohl Bottas als auch Hamilton Reifenschäden vorne links erlitten hatten, und Hamilton den Sieg auf nur drei funktionierenden Reifen über die Ziellinie rettete.

Verstappen, der beim Start die härteste der drei Reifenmischungen auf seinem Rennwagen hatte, schob sich langsam, aber sicher an Lewis Hamilton heran, in der zwölften Runde dann die Meldung von Hamilton: "Die Hinterreifen sind durch!" Verstappen übernahm in der 14. Runde die Führung, nachdem beide Mercedes-Piloten zu ihren ersten Boxenstopps abgebogen waren. Auch Hülkenberg kam schnell zum Service an die Box und sortierte sich danach auf Rang sieben wieder im Feld ein.

Vorne schien sich der Reifenpoker von Verstappen auszuzahlen: Der Red-Bull-Pilot baute seinen Vorsprung auf Bottas auf über 17 Sekunden aus und stabilisierte den Abstand dort.

Mercedes mit größeren Reifenproblemen

In der 25. Runde schienen die Reifenprobleme bei Mercedes noch größer zu werden: "Ich sehe Blasen rechts vorne", funkte Hamilton aus dem Cockpit. Ein weiterer Boxenstopp deutete sich an. Doch vorerst blieb Hamilton auf der Strecke, die Reifen erholten sich durch die vorsichtige Fahrweise der Piloten Hamilton und Bottas wieder.

Verstappen war es indes, der kurz nach der Hälfte des Rennens überraschend zum Stopp abbog - und bekam wenig später die freudige Nachricht: "Vergiss das Reifenmanagement! Hol' alles raus, was geht!" In dieser Phase fuhr der Red-Bull-Pilot genau den Vorsprung heraus, der ihm später zum Sieg verhalf. Die schnellste Rennrunde sicherte sich Hamilton.

Das sechste Rennen der Saison findet bereits am kommenden Wochenende (16.08.2020) statt, Schauplatz ist dann der Circuit de Catalunya in Barcelona.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. August 2020 um 20:00 Uhr.

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