Eishockey-Mannschaft Belarus (Archiv 2015) | picture alliance / dpa

Nach internationalem Druck Keine Eishockey-WM in Belarus

Stand: 18.01.2021 17:02 Uhr

Der Eishockey-Weltverband IIHF hat Co-Gastgeber Belarus angesichts des großen politischen und wirtschaftlichen Drucks die Weltmeisterschaft in diesem Jahr entzogen.

Sportschau

Die Entscheidung des Exekutiv-Komitees der IIHF am Montag (18.01.2021) bei einer Videokonferenz sei aufgrund "von Sicherheitsbedenken" getroffen worden, teilte der Verband mit.

Die Kritik war angesichts der Machenschaften von Machthaber Alexander Lukaschenko zuletzt immer größer geworden. IIHF-Präsident René Fasel bezeichnete den WM-Entzug als "bedauerlich", aber "unvermeidlich".

Binnen einer Woche soll entschieden werden, wo die WM, die vom 21. Mai bis 6. Juni im lettischen Riga und im belarusischen Minsk geplant war, nun stattfinden soll. Im Gespräch waren zuletzt nur Riga oder die Ausweichnationen Dänemark oder die Slowakei. Am 25. und 26. Januar tagt das Exekutiv-Komitee erneut. Spätestens dann soll Klarheit geschaffen werden, wo die WM nun stattfindet.

Sponsoren drohten mit Rückzug

Eigentlich sollte über die WM erst in der kommenden Woche beraten werden. Angesichts des heftigen Drucks, der zuletzt entstanden war, entschied das Exekutiv-Komitee, dem auch der Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes Franz Reindl angehört, bereits am Montag bei einer turnusmäßigen Videokonferenz. Fasel hatte zuvor stets vor den finanziellen Folgen eines Entzugs wegen bestehender Verträge gewarnt.

Am Wochenende hatten Sponsoren dann mögliche Konsequenzen angekündigt. Mehrere langjährige Partner der IIHF drohten mit Rückzug, sollte die IIHF Belarus als Co-Ausrichter bestätigen.

"Letztlich ist dieser Schritt in einer sehr sensiblen Lage ohne Alternative gewesen", sagte DEB-Präsident Franz Reindl in einer vom Verband verbreiteten Stellungnahme am Montag. "Ausrichter Belarus kann die Voraussetzungen nicht garantieren, die notwendig sind, um in diesem Jahr ein würdiger Gastgeber einer Eishockey-WM zu sein."

"Das ist ein Sieg", kommentierte die belarusische Bürgerrechtlerin Swetlana Tichanowskaja die IIHF-Entscheidung auf ihrem Telegram-Kanal. "Das ist ein Sieg, weil es Lukaschenko nicht gelungen ist, den Eindruck zu erwecken, als habe er alles unter Kontrolle."

Zahlreiche Tote bei Protesten gegen Lukaschenko

Die EU erkennt Lukaschenko seit der als gefälscht eingestuften Präsidentenwahl vom 9. August nicht mehr als Präsidenten an. Dutzende Staaten haben Sanktionen gegen Funktionäre des Machtapparats erlassen. Bei Protesten gegen Lukaschenko gab es seit August mehr als 30.000 Festnahmen, hunderte Verletzte und zahlreiche Tote. Zudem steht Belarus wegen mangelnder Corona-Schutzmaßnahmen in der Kritik.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 18. Januar 2021 um 17:44 Uhr.