Jubelnde Dortmunder nach dem Sieg gegen RB Leipzig | AP

DFB-Pokal Dortmund besiegt Leipzig im Finale mit 4:1

Stand: 14.05.2021 00:04 Uhr

Was für ein DFB-Pokalfinale! Nach zwei völlig unterschiedlichen Halbzeiten hat Borussia Dortmund das Endspiel gegen RB Leipzig gewonnen. In der ersten Hälfte wurden die Sachsen förmlich vom Platz gefegt, in der zweiten versuchten sie alles, konnten das Spiel aber nicht mehr drehen.

Von Frank Menke

Borussia Dortmund ist DFB-Pokalsieger der Saison 2020/21. Der BVB siegte am Donnerstagabend (13.05.2021) im Finale in Berlin gegen RB Leipzig 4:1 (3:0). Für die Borussia ist es der fünfte Pokaltitel im zehnten Endspiel. Jadon Sancho brachte das Team von Trainer Edin Terzic schon in der fünften Minute in Führung. Top-Torjäger Erling Haaland (28.), der sich von seiner Oberschenkelverletzung rechtzeitig erholt hatte und von Beginn an spielte, erhöhte auf 2:0. Sancho (45.+1) traf erneut kurz vor dem Halbzeitpfiff. Den Treffer für Leipzig erzielte Dani Olmo (71.), ehe wiederum Haaland (87.) den Endstand herstellte.

Sportschau

Leipzig blieb auch bei seiner zweiten Pokal-Finalteilnahme erfolglos, wartet weiter auf den ersten nationalen Titel und vermasselte Trainer Julian Nagelsmann das perfekte Abschiedsgeschenk. Er wechselt bekanntlich nach der Saison zu Bayern München.

Mintzlaff: "Das tut natürlich weh"

RB-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff ärgerte sich vor der Sportschau-Kamera nach zwei völlig unterschiedlichen Rundgängen: "Wir haben in der ersten Halbzeit durch drei individuelle Fehler drei Tore kassiert. In der zweiten Halbzeit hatten wir nicht das Spielglück. Die Mannschaft hat sich geschüttelt, hat ordentlich gekämpft, aber die Dinger gingen nicht rein. Wir wollten den ersten Titel holen, das tut natürlich weh."

Leipzigs Yussuf Poulsen sagte: "Wenn man in der ersten Halbzeit 3:0 hinten liegt, hat man es auch nicht verdient, zu gewinnen. Am Ende fehlten die entscheidenden Kleinigkeiten." RB-Trainer Nagelsmann sagte zum misslungenen Sturmlauf der zweiten Halbzeit: "Die Gefühlslage ist nicht gut. Da waren schon recht viele Situationen, sehr große Torchancen - die waren definitiv groß genug, um Tore zu erzielen."

Reus: "Ich bin unheimlich stolz"

Dortmunds Kapitän Reus sagte der Sportschau: "Was wir heute für ein Spiel gezeigt haben, wie die letzten Wochen gelaufen sind - wir haben uns so stark zurückgekämpft in die Saison. Ich bin unheimlich stolz. Wir haben den Pott, und das ist für die Fans." Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke gab zu: "Das Spiel war nicht so klar wie das Ergebnis."

BVB-Trainer Terzic resümierte: "In einem Finale geht es darum, dass man gewinnt, nicht dass man schön spielt. Das ist uns heute gelungen. Jetzt wollen wir als Pokalsieger noch sechs Punkte in der Bundesliga holen, damit wir uns auch für die Champions League qualifizieren."

Rasanter Auftakt

Unter den Augen von Bundestrainer Joachim Löw ging es vom Anpfiff weg zur Sache. Dortmunds "Aggressive Leader" Emre Can stieg schon nach 15 Sekunden mit gestrecktem Bein gegen Nordi Mukiele ein, Schiedsrichter Felix Brych ermahnte ihn eindringlich. Mit dem ersten schnellen Angriff gingen die Dortmunder in Führung. Reus schickte Haaland zentral steil, über Mahmoud Dahoud kam die Kugel zu Sancho, der den Ball von der Strafraumgrenze ins rechte Eck schlenzte.

Dortmund brutal effektiv

In der Folge ließ Dortmund die Leipziger kommen, um dann schnell umzuschalten. RB tat sich jedoch schwer, Lücken im Defensivverbund des BVB zu finden, agierte viel zu ideenlos. Torchancen blieben so Mangelware, bis auf der anderen Seite Stürmer-Phänomen Haaland mit einer starken Einzelleistung zuschlug.

Nach Ballverlust von Hee-chan Hwang leitete Reus den Ball zum Norweger weiter. Auf dem Weg zum Tor ließ er Dayot Upamecano abprallen und versenkte den Ball aus dem Stand mit links im linken Eck. Zwei Chancen, zwei Tore - Dortmund agierte brutal effektiv.

Leipzig wirkte nun geschockt. Lediglich ein harmloser Schuss von Marcel Sabitzer in der Anfangsphase stand bis zu diesem Zeitpunkt auf der Habenseite der Sachsen. Die erste halbwegs gute Möglichkeit vergab nach feinem Olmo-Zuspiel Stürmer Alexander Sörloth (39.), der aus spitzem Winkel im Strafraum nur das Außennetz traf.

Dritter Treffer erst nach Videobeweis gewertet

Besser machten es die Dortmunder, die mit einem Konter auch ihre dritte Chance ins Ziel brachten. Reus machte Tempo und legte den Ball perfekt quer auf Sancho am Fünfer. Abgeklärt ließ der Engländer Marcel Halstenberg ins Leere laufen und schob den Ball aus kurzer Distanz ins Tor. Der Treffer wurde allerdings erst nach Videobeweis gegeben, Reus hatte beim Abspiel von Dahoud nicht abseits gestanden.

Nkunku scheitert an der Latte

Sollte es das schon gewesen sein? Beim 2:3 eine Woche zuvor in der Liga gegen Dortmund hatte RB zwischenzeitlich immerhin einen 0:2-Rückstand aufgeholt. Und tatsächlich: Nach nur 24 Sekunden im zweiten Durchgang traf der gerade eingewechselte Christopher Nkunku mit seinem ersten Ballkontakt nach Zuspiel von Amadou Haidara frei vor BVB-Schlussmann Roman Bürki nur die Latte.

Nagelsmann-Team versucht das Unmögliche

Und Leipzig legte nach. Sabitzer (48.) scheiterte mit einem zu zentral angelegten Schuss aus 16 Metern an Bürki. Eine Minute später zog Olmo aus der Distanz ab, Bürki hatte den Ball im Nachfassen. Der ebenfalls eingewechselte Poulsen (56.) setzte einen von Manuel Akanji leicht abgefälschten Drehschuss aus 20 Metern knapp neben den linken Pfosten. RB wirkte jetzt buchstäblich wie ausgewechselt und versuchte mit aller Macht, das Unmögliche doch noch möglich zu machen.

Hazard lässt das 4:0 liegen

Nach gut einer Stunde hatte Nagelsmann mit Nkunku, Poulsen, Emil Forsberg und Konrad Laimer vier frische Kräfte auf den Platz gebracht. Und das neuformierte RB-Team machte Dortmund das Leben weiter schwer, hatte aber Riesenglück, dass Thorgan Hazard (65.) nach Zuspiel von Reus völlig frei vorm Tor aus kurzer Distanz knapp links vorbeischoss.

RB mit viel Moral

RB gab nicht auf. Forsberg (71.) traf den Pfosten, kurz darauf setzte Olmo einen strammen Distanzschuss ins linke Eck. Der Leipziger Sturmlauf ging weiter. Olmo (75.) und Nkunku (82.) vergaben weitere Chancen. Auf der Gegenseite verpasste Sancho (85.) die Entscheidung, nachdem er schon RB-Schlussmann Peter Gulacsi umkurvt hatte, aber zu lange mit dem Torschuss wartete. Haaland machte schließlich mit einem vom eigenen Fuß abgefälschten Ball von der Strafraumgrenze alles klar.

Zum ersten Mal seit 1984 hatte ein DFB-Pokalfinale an einem Donnerstag stattgefunden. Noch ein Novum: Der vor dem Abgang stehende DFB-Präsident Fritz Keller hielt sich auf der Tribüne im Hintergrund - laut DFB auf eigenen Vorschlag hin. Die Pokalübergabe nahmen zwei Jugendspieler vor.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Mai 2021 um 00:15 Uhr.