Essen jubelt über das Tor gegen Leverkusen  | Martin Meissner/AP

DFB-Pokal Rot-Weiss Essen wirft Leverkusen raus

Stand: 02.02.2021 21:07 Uhr

Viertligist Rot-Weiss Essen hat seine unglaubliche DFB-Pokalsaison fortgesetzt und in einem denkwürdigen Pokalabend Bayer Leverkusen aus dem Wettbewerb geworfen.

Von Robin Tillenburg

Nach Arminia Bielefeld und Fortuna Düsseldorf wurde Bayer am Dienstagabend (02.02.2021) das dritte höherklassige Team, das gegen RWE die Segel streichen musste. Die Partie endete 2:1, nach 90 Minuten hatte es 0:0 gestanden.

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Leon Bailey erzielte in der 105. Minute die Führung für Leverkusen, Oguzhan Kefkir traf drei Minuten später zum Ausgleich, Simon Engelmann erzielte in der 117. Minute das Siegtor, das die Essener ins Viertelfinale beförderte. "Ich brauche eine gewisse Zeit, bis ich das alles realisieren kann. Wir haben bis zur letzten Sekunde dran geglaubt. Das hat man uns auch in der zweiten Halbzeit der Verlängerung angesehen", erklärte ein überglücklicher Kefkir und ergänzte: "Das war anstrengend." Leverkusens Trainer Peter Bosz wirkte extrem genervt und schmallippig: "Wir dürfen hier nicht verlieren."

Chancenwucher bei Bayer

Es dauerte etwa bis in die achte Minute, da hatte Bayer die erste Großchance der Partie. Lucas Alario, diesmal als Teil einer Doppelspitze mit Patrik Schick aufgeboten, scheiterte aber aus kurzer Distanz an Daniel Davari, der geschickt den Winkel verkürzte. Bayer kontrollierte das Spiel, ohne so richtig zwingend zu sein. Viele Flanken - wenig Ertrag. In der 25. Minute fand dann eine Hereingabe von Karim Bellarabi butterweich den Kopf von Schick - der setzte den Ball aber an den linken Pfosten. Die Werkself war in dieser Phase etwas zielstrebiger, hatte aber in der Chancenauswertung Verbesserungspotenzial. Ein Flachschuss von Aranguiz aus guter Position geriet zu zentral und war somit kein Problem für Davari (29.).

Von den Essenern kam offensiv lange Zeit fast gar nichts. Nach einer guten halben Stunde hatte Leverkusen allerdings etwas Glück, dass Schiedsrichter Daniel Schlager einen Zupfer von Timothy Fosu-Mensah an Simon Engelmann auf dem Weg zum Strafraum übersah. Die Szene war offenbar so eine Art Weckruf für RWE, das nun etwas mutiger wurde. In der 40. Minute hatte Marco Kehl-Gomez die bis dato beste Gelegenheit seiner Mannschaft, als er mit einem Flachschuss vom Strafraumrand nur knapp links unten am Tor vorbei zielte. Auf der anderen Seite hatte der für den mittlerweise verletzt ausgewechselten Bellarabi gekommene Moussa Diaby quasi mit dem Halbzeitpfiff noch eine gute Chance, verfehlte das Gehäuse aber ebenfalls knapp. Ohne Treffer wurden die Seiten gewechselt.

Der Pfosten und Davari verhindern das Tor

Zur zweiten Halbzeit kehrte Bayer-Trainer Peter Bosz aus dem 3-5-2-System zum gewohnten 4-5-1 zurück. Das verschaffte auch direkt Schwung. Nach einem schnellen Ballgewinn scheiterte Diaby links im Strafraum mit seinem Linksschuss am kurzen Pfosten (49.). Direkt im Anschluss köpfte Edmond Tapsoba aus kurzer Distanz etwas zu unplatziert und ermöglichte Davari die nächste gute Parade (51.). Es war nun reines Leverkusener Powerplay, und der Keeper des Regionalligisten fischte Ball um Ball aus den Ecken.

Doch irgendwie schaffte die Elf von Essens Coach Christian Neidhart es, diese Phase zu überstehen. Eigene Angriffe initiierte sie aber nicht. Bayer lief die Zeit davon, und unter dem Druck der Uhr wurden die Angriffsversuche nicht unbedingt kreativer. Größtenteils hielt der Essener Riegel gegen immer wieder auf dem tiefen Rasen wegrutschende Leverkusener dicht. In der 89. Minute wurde es dann nochmal richtig kurios: Davari lenkte erst den Fernschuss von Diaby an den rechten - und dann den Nachschuss von Charles Aranguiz an den linken Pfosten. Kefkir hätte in der 91. Minute dann sogar noch beinahe per Seitfallzieher getroffen, Wendell verhinderte aber vorerst die Sensation. Es ging in die Verlängerung.

Unglaubliche Verlängerung

Auch nach der 90. Minute war das Spielgeschehen zunächst nicht anders als zuvor. Leverkusen drückte, ging aber fahrlässig mit seinen Gelegenheiten um, Essen verteidigte tapfer und lief die Räume zu. In der 105. Minute bekam die Neidhart-Elf aber den Ball nicht rechtzeitig geklärt, Aleksandar Dragovic fand vom Strafraumrand den rechts vor dem Tor völlig freien Bailey. Gegen den überlegten Flachschuss des Jamaikaners war auch der überragende Davari dann machtlos.

Doch die Essener dachten nicht daran, das Spiel aufzugeben. Leverkusens Torhüter Lukas Hradecky ließ einen flatternden Schuss des eingewechselten Marcel Platzek etwas unsauber abprallen, und Kefkir staubte zum umjubelten Ausgleich ab. Noch lauter gejubelt wurde dann in der 117. Minute. Engelmann nagelte einen Ball aus kurzer Distanz rechts im Strafraum hoch mit voller Wucht ins kurze Eck. Der Treffer wurde noch überprüft, weil der bei Leverkusen eingewechselte Jeremie Frimpong zuvor im Strafraum der Essener von Felix Herzenbruch am Trikot gezupft worden war. Schiedsrichter Daniel Schlager schaute sich die Bilder selbst an und entschied dann auf Tor. Eine schwierige, aber vertretbare Entscheidung, die der Sensation schließlich endgültig ihren Weg ebnete.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. Februar 2021 um 22:00 Uhr.