Die leere MDCC-Arena, Heimspielstätte des Fußballvereins 1.FC Magdeburg (Archivbild) | Bildquelle: dpa

Votum des DFB-Bundestags Neustart für 3. Liga und Frauen-Bundesliga

Stand: 25.05.2020 19:05 Uhr

Die Saison der 3. Liga wird wie geplant am kommenden Samstag, 30. Mai, fortgesetzt. Auf dem Außerordentlichen Bundestag stimmten 222 der 250 Delegierten am Montag für eine Fortsetzung der Spielzeit. Das entsprach einer Zustimmung von 94,9 Prozent. 16 Delegierte enthielten sich.

Der Antrag auf Abbruch der Verbände aus Sachsen und Sachsen-Anhalt kam dadurch nicht zur Abstimmung. Der Antrag hatte vorgesehen, dass es in dieser Saison keine Absteiger in die Regionalliga gibt. Die Tabelle sollte nach 27 Spieltagen gewertet werden.

Keller: "Die Lautesten bekommen nicht immer Recht"

"Das klare Votum hat gezeigt, dass die Lautesten nicht immer Recht bekommen. Wir haben gelebte Demokratie erlebt", sagte DFB-Präsident Fritz Keller: "Ich hoffe und freue mich, wenn wir alle irgendwann wieder bei einer Wurst und einem Bier am Platz stehen und unseren geliebten Sport genießen können." Keller leitete den Verbandstag gemeinsam mit dem Präsidialausschuss  aus einer Halle in Meckenheim bei Bonn.

Zuvor hatte DFB-Vizepräsident Rainer Koch die Drittliga-Vereine scharf kritisiert. Man habe seit Wochen den Eindruck, dass es "in Zeiten der Corona-Pandemie nur um die Sorgen und Nöte von 20 Vereinen der 3. Liga" gehe, sagte Koch.

Dieses für den Fußball in Deutschland "unwürdige Schauspiel" sei "unerträglich und nicht länger hinzunehmen". Der DFB sei "nicht der Spielball einiger weniger, die noch dazu untereinander zerstritten sind".

Bombardement an Anwaltsschreiben

Der Chef des Bayerischen Fußballverbandes beklagte zudem, dass der DFB seit Tagen mit Anwaltsschreiben von Vereinen "geradezu bombardiert" werde. Dieser Zustand könne so nicht weitergehen, forderte Koch.

Er befürchte allerdings, dass sich "die Anwälte der Vereine, die in der Abstimmung unterliegen, auf den Weg zu den Gerichten machen", sagte Koch. Der 61-Jährige appellierte: "Finden wir zu Gemeinsamkeit und Geschlossenheit zurück."

Magdeburg fordert zwei Wochen Vorbereitung

Klagen stehen weiterhin im Raum. Die Kritiker reagierten zunächst jedoch verhalten. Der 1. FC Magdeburg erklärte, er "respektiere" das Votum von Montag, zugleich aber unterstrich der Klub aus Sachsen-Anhalt, wo Mannschaftstraining und Wettkämpfe noch bis Mittwoch untersagt sind, seine Forderung, "vor dem ersten offiziellen Spieltermin jeder Mannschaft eine Vorbereitungszeit in Form von 14-tägigem Mannschaftstraining" einzuräumen. Dies ist bis Samstag nicht mehr möglich.

Schlusslicht Carl Zeiss Jena etwa muss wegen des Sportverbots in Thüringen bis zum 5. Juni nach einem Ausweichstadion für sein erstes Heimspiel suchen. "Ich fordere noch einmal alle auf, jetzt an einem Strang zu ziehen - um den Fußball in diesem Land zu retten", sagte DFB-Boss-Keller: "Ich appelliere an alle, keine Tricks mehr anzuwenden und die Verweigerungshaltung aufzugeben." 

Keine zweigleisige Liga

Eine Spaltung in zwei Ligen wird es auf jeden Fall nicht geben. Einen Antrag des Saarländischen Fußball-Verbandes, die 3. Liga in zwei Staffeln zu teilen, wurde abgelehnt. Mit 18 von 253 Stimmen dafür verfehlten die Antragsteller die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit deutlich.

Der Vorstoß für eine zweigleisige 3. Liga war von mehr als 20 Regionalligisten unterstützt worden. Ziel war es, die Reisekosten der Vereine zu senken. Außerdem wäre die Zahl der regionalen Duelle erhöht worden, wodurch man sich mehr Zuschauereinnahmen erhofft hatte.

Finanzchef spricht von "potenziell existenzbedrohender" Krise

Auf dem Bundestag wurde auch über die DFB-Finanzen gesprochen. Die Coronakrise könnte den DFB in eine "potenziell existenzbedrohende Situation" bringen, sagte DFB-Schatzmeister Stephan Osnabrügge. "Der DFB befindet sich in der tiefsten wirtschaftlichen Krise der jüngeren Vergangenheit", sagte Osnabrügge. Diese erfordere "tiefgreifende Einschnitte".

Osnabrügge versicherte auf der Grundlage eines wöchentlich aktualisierten Liquiditäts-Checks, dass die Liquidität des DFB "ohne Einschränkungen bis zum Dezember 2020 gegeben" sei. Im schlimmsten Fall würde der DFB bis zum Jahresende 96,5 Millionen Euro weniger als geplant einnehmen. Bei diesem Szenario stünde ein Minus von 77 Millionen Euro zu Buche. 13,8 Millionen Euro davon wären nicht durch Rücklagen gedeckt.

Aufgrund des vorhandenen Eigenkapitals wäre der Verband allerdings nicht pleite. Entlassungen will der DFB vermeiden, auch wenn es ab dem 1. Mai in Teilbereichen zu Kurzarbeit gekommen ist. Die geplanten Lohnerhöhungen wurden ausgesetzt, die hauptamtliche Spitze hat sich zu einem Gehaltsverzicht zwischen 10 und 30 Prozent bereit erklärt.

Weitere Beschlüsse des DFB-Bundestags

Neben der Fortsetzung der 3. Liga und der Frauenbundesliga hat der DFB-Bundestag am Montag weitere Beschlüsse gefasst.

  • Task Force: Es wurde die Bildung einer Task Force "Wirtschaftliche Stabilität 3. Liga" beschlossen. Neben dem Aspekt des nachhaltigen Wirtschaftens in der 3. Liga soll sich das Gremium mit der Weiterentwicklung der 3. Liga als Profispielklasse sowie der gesamten Struktur des Profifußballs unterhalb der 2. Bundesliga beschäftigen. Zusätzlich zu Vertretern des DFB, der DFL, der Regional- und Landesverbände sowie der Vereine soll sich die Task Force aus Experten und Experinnen anderer Sportarten und Bereiche zusammensetzen.

  • Regionalliga-Aufstieg: Bei einer vorzeitigen Beendigung der Saison in der Regionalliga muss der zuständige Regionalverband beziehungsweise Rechtsträger der jeweiligen Staffel über die sportliche Qualifikation zum Aufstieg in die 3. Liga beziehungsweise zur Teilnahme an den Aufstiegsspielen entscheiden. Wird bis zum Ablauf einer vom DFB-Spielausschuss festgelegten Frist kein Klub gemeldet, würde das Aufstiegsrecht beziehungsweise Teilnahmerecht an den Aufstiegsspielen für die jeweilige Staffel ersatzlos verfallen.

  • Teilnahmeberechtigung DFB-Pokal: Zur Teilnahme am DFB-Pokal sind die 36 Vereine der Bundesliga und 2. Bundesliga sowie der Meister, der Zweit-, Dritt- und Viertplatzierte der 3. Liga der abgelaufenen Spielzeit berechtigt. Teilnehmer sind zudem die 21 Landesverbandspokalsieger sowie drei Vereine der Landesverbände, die die meisten Männer-Mannschaften im Spielbetrieb haben. Sollte der Pokalwettbewerb eines Landesverbandes der Spielzeit 2019/2020 bei den Männern bis zum Ablauf der Meldefrist nicht beendet sein, wurde nun beschlossen, dass der jeweilige Landesverband innerhalb einer Meldefrist statt des Verbandspokalsiegers in eigener Verantwortlichkeit einen anderen Teilnehmer für den DFB-Pokal der Männer für die Spielzeit 2020/2021 benennen kann.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. Mai 2020 um 17:00 Uhr.

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