Sahverdi Cetin (r.) und Sebastian Rode von Eintracht Frankfurt am 3. April 2020 im Training | Bildquelle: imago images/Jan Huebner

Bundesliga Training trotz Corona-Krise

Stand: 06.04.2020 16:22 Uhr

Mehrere Vereine der Bundesliga und der 2. Bundesliga nehmen das Training wieder auf. Ein Überblick über die Maßnahmen der Klubs, der Fragen nach fairem Wettbewerb und gesellschaftlicher Akzeptanz aufwirft.

Als Geschäftsführer Christian Seifert im Anschluss an die per Videokonferenz abgehaltene Generalversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) die weitere Aussetzung des Spielbetriebs in der Bundesliga und der 2. Bundesliga bis zum 30. April verkündete, fügte er ein weiteres Datum an: "Bis 5. April sollte auch das Mannschaftstraining unterbleiben." Die 36 Klubs hätten dies einstimmig beschlossen.

Am Montag, den 6. April, geht es also mit dem Training offiziell für viele Klubs wieder los, sofern es die Behörden vor Ort zulassen. So einstimmig, wie der Beschluss gefasst worden war, wurde er allerdings nicht umgesetzt.

Verpflichtung zur kontaktlosen Übung

Denn sechs Klubs haben nach langen Tagen des Cybertrainings und der individuellen Pläne das Training schon seit ein paar Tagen wieder aufgenommen. Unmut gab es rund um den FC Augsburg, der seit dem 23. März wieder am Ball war. "Jeder Fußballer möchte doch den Ball am Fuß haben und den Rasen spüren", entgegnete Trainer Heiko Herrlich. Borussia Dortmund folgte am 30. März, vier weitere Klubs begannen im Verlauf der Woche wieder mit dem Training. Unter "Training" ist allerdings bei weitem nicht der reguläre Betrieb zu verstehen, den man aus der Zeit vor der Coronavirus-Pandemie gewohnt war.

Augsburg und alle Klubs, die wieder trainieren, betonten ihre Verpflichtung zur kontaktlosen Übung. Lange Pässe, Einzelübungen oder Schüsse kommen in Frage - Zweikämpfe nicht. Auch die Gruppengrößen sind unterschiedlich. Bei vielen Teams durften zunächst nur zwei Spieler miteinander arbeiten. Bei Schalke sollen es ab Montag sieben in einer Gruppe sein. Geduscht und gegessen wird meist zu Hause. Hygienevorschriften, Distanz zwischen den Spielern, Maßgaben der Behörden - alles wird penibel eingehalten, versichern die Vereine.

Bundesliga im Training
KlubTraining ab/seit
FC Augsburg23.03.
Borussia Dortmund30.03.
B. Leverkusen01.04.
Schalke 0401.04.
RB Leipzig02.04.
Eintracht Frankfurt03.04.
Bayern München06.04.
Bor. M'gladbach06.04.
VfL Wolfsburg06.04.
TSG Hoffenheim06.04.
1. FC Köln06.04.
Union Berlin06.04.
F. Düsseldorf06.04.
Hertha BSC06.04.
SC Paderborn06.04.
1. FSV Mainz 0507.04.
SC Freiburgunklar
Werder Bremen07.04.

Seifert: "Wettbewerbsverzerrung? Das geht mir zu weit"

Man versuche als DFL, eine Koordinierung der Aktivitäten hinzubekommen, hatte Seifert bei der Videopressekonferenz gesagt. "Ich habe auch gelesen, dass das Thema Wettbewerbsverzerrung möglicherweise eines sein könnte, weil einer 'ne Woche früher trainiert als ein anderer", erzählte Seifert und widersprach: "Das geht mir persönlich ein bisschen zu weit."

Werder ab Dienstag wieder im Training

Das hätte man in Bremen anders sehen können. Werder hätte den Trainingsbetrieb gerne wieder aufgenommen, doch über den Antrag des Klubs entschied der Senat erst am Montag (06.04.2020). Der Traditionsklub darf nun ab Dienstag in Vierer-Kleingruppen und unter strengen Auflagen wieder trainieren - und nicht wie von Werder beantragt in Gruppen mit zehn Spielern.

Man versuche mit der Entscheidung "dem Recht auf Berufsausübung und der größtmöglichen Reduzierung von Risiken gleichermaßen gerecht zu werden", sagte Bremens Innensenator Ulrich Mäurer.

Gemeinsame Rahmenbedingungen seien für die Branche Profifußball der Idealfall, hatte Seifert hzuvor gesagt. "Aber wir wissen, wer diese Entscheidungen zu treffen hat - und das sind nicht wir."

Gesellschaftliche Akzeptanz fragwürdig

Der Trainingsbetrieb soll auch einen Schritt zurück in die Normalität darstellen, das ist der klare Wunsch des Profifußballs. Und er ist die Vorstufe zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs. Wann und in welcher Form der erfolgen kann, ist weiter unklar. Sollte der Fußball seinen Betrieb parallel zu den bestehenden Einschränkungen für die restliche Bevölkerung hochfahren, bliebe die gesellschaftliche Akzeptanz dieser Maßnahmen fraglich.

Der Virologe Alexander Kekulé sagte in einem Interview im ZDF, dass es "rein virologisch" möglich sei, wieder zu spielen. "Aber nur, wenn man eine Art spezielle Blase für die Fußballspieler schafft." Die Spieler müssten privat unter besonderen Sicherheitsbedingungen leben. "Die ganze Mannschaft müsste in eine Art Spezialquarantäne. Außerdem müsste man sie vor jedem Spiel neu testen", sagte der Professor.

Insgesamt bräuchte man bis Saisonende ungefähr 20.000 Tests. Laut Kekulé würden täglich bisher 100.000 Tests in Deutschland durchgeführt, Tendenz steigend. Sollte dieses Szenario tatsächlich eintreten, ist jedoch auch klar, dass die Politik diese Sonderbehandlung des Fußballs gegenüber der Gesellschaft dann auch rechtfertigen müsste.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 06. April 2020 um 11:00 Uhr im Sportressort.

Darstellung: