Leere Ränge im Stadion von Borussia Dortmund | Bildquelle: dpa

Corona-Krise Sportfans müssen weiter draußen bleiben

Stand: 27.08.2020 17:07 Uhr

Die Fußball-Bundesliga und auch andere Sportligen in Deutschland werden bis mindestens Ende Oktober vor leeren Zuschauerrängen spielen müssen. Bei einigen Sportveranstaltungen wird es sogar mindestens bis Ende des Jahres dauern.

Darauf verständigten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten und -präsidentinnen der Bundesländer am Donnerstag (27.08.20). Eine Arbeitsgruppe auf Ebene der Chefs der Staatskanzleien soll in den kommenden beiden Monaten einen Vorschlag für den Umgang mit Fans bei bundesweiten Sportveranstaltungen erarbeiten.

"Beim Fußball ist es nicht sinnvoll, jetzt im September mit Zuschauern zu starten", sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder als aktueller Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz. Dies sei bei steigenden Infektionszahlen ein falsches Signal. "Wir müssen erst schauen, dass Schulen, Kitas und der Wirtschaftsbetrieb laufen, das hat Priorität", sagte Söder.

Konzepte für Einlass von Fans vorerst zurückgestellt

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hatte einen Leitfaden erarbeitet, der den 36 Klubs der Bundesliga und der 2. Bundesliga die Erstellung von Konzepten erleichtern soll, die sich nach den jeweiligen Bedingungen vor Ort richten sollen. Diese Konzepte sollen angesichts der Beschlüsse nun frühestens im November zur Anwendung kommen. Die Bundesliga startet laut aktueller Planungen am 18. September in die neue Saison.

Die neue Saison
Ligageplanter Start
Fußball-Bundesliga18.09.2020
Deutsche Eishockey Liga13.11.2020
Basketball-Bundesliga06.11.2020
Handball-Bundesliga01.10.2020

Auch andere Sportligen wie die Handball-Bundesliga (HBL), die Basketball-Bundesliga (BBL) oder die Deutsche Eishockey Liga (DEL) hatten auf eine Rückkehr von Zuschauern in die Hallen gehofft. Gerade diese Ligen sind stark von Zuschauereinnahmen abhängig. Der Start der DEL-Saison 2020/21 ist aber ohnehin erst für den 13. November vorgesehen, der für die BBL am 6. November. Alleine die Handball-Bundesliga ist betroffen, der Start ist für den 1. Oktober geplant.

Großveranstaltungen, bei denen eine Kontaktverfolgung und die Einhaltung von Hygieneregelungen nicht möglich ist, sollen mindestens bis Ende Dezember 2020 nicht stattfinden. Dazu gehören beispielsweise Zuschauer bei Marathonläufen oder Radrennen, bei denen an der Strecke kein geregelter Zugang erfolgen kann.

DOSB-Chef Hörmann gibt sich besorgt

DOSB-Präsident Alfons Hörmann gibt sich besorgt. Zwar trage man die Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung mit. "Fakt ist aber auch, dass jede Verlängerung der Einschränkungen im Sport eine wachsende Gefahr für Vereine, Verbände, Ligen sowie Veranstalter und damit für die Vielfalt von ganz Sportdeutschland darstellt", warnte Hörmann. Er forderte Hilfe aus der Politik.

DFL-Klubs wollen einheitlich vorgehen

Die Beschränkungen für Teilnehmer an Sportveranstaltungen unterscheiden sich derzeit in den Bundesländern stark. Die 36 Vereine der DFL hatten sich Anfang August auf ein einheitliches Vorgehen zur möglichen Rückkehr zumindest einiger Zuschauer in die Stadion geeinigt.

Die Deutsche Fußball Liga hatte am Mittwoch im Zusammenspiel mit dem Deutschen Fußball-Bund ein überarbeitetes Hygienekonzept vorgestellt und den Vereinen der Bundesliga und 2. Bundesliga zugesendet. Die 36 Klubs der DFL sollen dieses Konzept auf ihrer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 3. September in den Statuten verankern.

Heikler Punkt: Personalisierte Eintrittskarten

Ein umstrittener Punkt ist die Personalisierung von Eintrittskarten. Die DFL hatte ihre Klubs aufgefordert, die Notwendigkeit einer solchen Maßnahme zu überprüfen. In einer Mitgliederversammlung verpflichteten sich die Klubs dann, "bei ihren Spielen sicherzustellen, dass im Fall von Infektionen die Identität und Kontaktdaten möglicher und eventuell betroffener Stadionbesucher ermittelt werden können". Das mögliche Vorgehen ähnelt den Gästelisten in Gaststätten.

In organisierten Fanszenen wird das abgelehnt. Der Einwand: Die Maßnahme wird später möglicherweise nicht zurückgenommen und könnte von Sicherheitsbehörden missbräuchlich genutzt werden. Auch Datenschützer in Bayern hatten zuletzt kritisiert, dass die Polizei dort mehrmals auf Adresslisten von Menschen zugriff, die Gaststätten besucht hatten.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 27. August 2020 um 17:40 Uhr.

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