Bayern-Trainer Flick während einer Pressekonferenz vor dem Champions-League-Finale | Bildquelle: dpa

Champions-League-Finale Flick und Tuchel setzen Pokerface auf

Stand: 23.08.2020 06:00 Uhr

Vor dem Champions-League-Finale pokern Bayern-Trainer Hansi Flick und PSG-Coach Thomas Tuchel um Aufstellung und Taktik. Wer hat am Ende die besseren Karten?

Das Champions-League-Finale zwischen Bayern München und Paris Saint-Germain am Sonntag (23.08.2020) warf schon am Abend zuvor seine Schatten voraus. Die Trainer Hansi Flick und Thomas Tuchel standen den Medien in Lissabon Rede und Antwort. So weit, so üblich. Doch ließen sie sich wirklich in die Karten schauen, was Aufstellung und Taktik angeht? Wohl eher nicht.

Unergründlich freundlich

Insbesondere Flick gab sich hinter seinem wie immer freundlichen und diesmal auch betont gelassenen Auftreten ein Stück weit unergründlich. Wird er seine Mannschaft gegen den brandgefährlichen und extrem schnellen PSG-Angriff um Neymar und Kylian Mbappé personell verändern? Vor allem vor dem Hintergrund, dass die Bayern-Defensive schon gegen Olympique Lyon im Halbfinale nach Ballverlusten und schnellen Kontern des Gegners anfällig wirkte?

Täuschungsmanöver mit Pavard?

Eine Option für Flick wäre, Benjamin Pavard als rechten Außenverteidiger nach einer gerade erst überwundenen Fußverletzung gegen Neymar zu stellen. Aber der Bayern-Trainer wiegelte ab: "Ich bin nicht davon überzeugt, dass er zu hundert Prozent fit ist." Doch vielleicht war diese Aussage nur ein Täuschungsmanöver. Denn wenn Pavard spielt, könnte Joshua Kimmich wieder ins defensive Mittelfeld wechseln und dort für mehr Stabilität sorgen. Thiago wäre dann wohl derjenige, der weichen müsste.

Tuchel: Letzte Einheit nicht, "um uns zu verwirren"

Kontrahent Tuchel hatte das Thema bei seiner Pressekonferenz aber ebenfalls im Fokus. "Vorher habe ich geliebäugelt, dass vielleicht Pavard spielt", sagte er. Nach dem Abschlusstraining im "Stadion des Lichts", in dem die Bayern wie gewohnt mit Kimmich als Rechtsverteidiger trainierten, glaube er aber nicht mehr daran. Die letzte Einheit diene nicht dem Zweck, "uns zu verwirren", glaubt Tuchel nun.

Finale kein Spiel für große Veränderungen

Der Pariser Trainer ließ zudem offen, ob der gegen Leipzig verletzt pausierende Torwart Keylor Navas im Finale wieder auflaufen wird. Er sei fit, meldete allerdings die meist gut informierte französische Sportzeitung "L'Equipe". Der 33-Jährige aus Costa Rica hat dreimal nacheinander die Königsklasse mit Real Madrid gewonnen. Er ist erfahrener und besser als sein Vertreter Sergio Rico.

Auch bei Mittelfeldspieler Marco Verratti legte sich Tuchel nicht fest. Beide hätten allerdings mit dem Team trainiert. Immerhin verriet Tuchel, dass Verratti sicherlich nicht 90 oder 120 Minuten spielen könne. Da er keine Muskelverletzung gehabt habe, sei es aber kein Risiko, ihn einzusetzen. Grundsätzlich räumte Tuchel ein: "Ein Finale ist kein Spiel für große Veränderungen."

Coman für Perisic?

Das dürfte Flick im Prinzip genauso sehen. Doch auch vorne könnte sich etwas ändern bei den Münchnern. Klar, Robert Lewandowski, Thomas Müller und Serge Gnabry sind gesetzt. Flick könnte jedoch den robusten Ivan Perisic durch den dribbelstarken Kingsley Coman ersetzen, der bei PSG zum Profi ausgebildet wurde - oder auch dahinter Philippe Coutinho.

"Wir haben das dritte Spiel in einer Woche und müssen natürlich auch beachten, wie es mit der Kraft aussieht", sagte Flick vieldeutig. Unklar ist zudem, ob der gegen Lyon mit muskulären Problemen ausgewechselte Innenverteidiger Jérôme Boateng wieder einsatzbereit ist. Er sollte sich beim Abschlusstraining am Samstagabend noch einem Härtetest unterziehen. Das Ergebnis ist offen.

FC Bayern bleibt bei seiner Spielphilosophie

Nur in einer Hinsicht sprach Flick Klartext: "Wir haben unsere Philosophie in den letzten zehn Monaten durchgesetzt, das war unsere Erfolgsgarantie und da werden wir nicht groß was ändern." Es habe die Bayern in den vergangenen Monaten ausgezeichnet, so Flick, "dass wir so hoch stehen" und den "Gegner hoch gepresst" haben.

Bayerns Weg ins Champions-League-Finale - Marko Marin Niklas Süle im Hinspiel der Gruppenphase

Der Auftakt der Bayern war souverän, aber noch fehlte der Glanz. Beim 3:0 gegen Roter Stern Belgrad am 18. September 2019 stand es bis zur 80. Minute durch ein Tor von Kingsley Coman nur 1:0 für die Mannschaft von Niko Kovac - erst im Endspurt machten Robert Lewandowski und Thomas Müller den 3:0-Erfolg perfekt. | Bildquelle: imago images / eu-images

Auch deshalb sind die Münchner im Jahr 2020 noch ungeschlagen und blicken auf aktuell 20 Pflichtspielsiege nacheinander. Eine Serie, die auch Tuchel Respekt einflößt. Der FC Bayern hätte unter Flick einen "einzigartigen Lauf" und sei "das höchste Niveau in Europa". Ob PSG nicht noch einen draufsetzt, erfährt die Sportwelt am späten Sonntagabend.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete BR aktuell am 23. August 2020 um 12:01 Uhr.

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