Spieler von Manchester City jubeln | AFP

Champions League Mahrez schießt Man City ins Finale

Stand: 04.05.2021 23:27 Uhr

Manchester City steht als erster Teilnehmer des Champions-League-Endspiels am 29. Mai in Istanbul fest. Das Team von Pep Guardiola gewann auch das Halbfinal-Rückspiel gegen Paris Saint-Germain und hatte in Riyad Mahrez den Matchwinner. PSG war insgesamt chancenlos und verlor am Ende die Nerven.

Von Christian Hornung

Beim 2:0 (1:0)-Triumph der "Citizens", die nun auf den Sieger im Duell zwischen dem FC Chelsea und Real Madrid am Mittwoch (05.05.2021, Live-Ticker bei sportschau.de) warten, gab es für Paris den ersten Rückschlag schon vor dem Anpfiff. Kylian Mbappé stand wegen einer Wadenverletzung, die er sich im Hinspiel zugezogen hatte, zwar im Kader, aber nicht auf dem Platz. Für ihn bot Trainer Mauricio Pochettino Mauro Icardi auf, der aber wie so oft in dieser Saison ein Fremdkörper blieb. Ansonsten erinnerte vieles an die erste Halbzeit bei Citys 2:1-Sieg vom vergangenen Mittwoch. PSG war mutig, investierte viel, manchmal wirkte es aber zu wild und ohne klare spielerische Linie.

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Elfmeter nach Videobeweis zurückgenommen

Und das Glück war auch wieder kein Franzose. In der 7. Minute deutete Schiedsrichter Björn Kuipers zunächst auf den Elfmeterpunkt, weil er ein Handspiel von Citys Linksverteidiger Oleksandr Zinchenko ahnden wollte. Der zeigte aber sofort gestenreich auf den oberen Teil seiner Schulter - und in der Tat nahm der niederländische Unparteiische den Strafstoß nach Videobeweis wieder zurück.

Es war bei weitem nicht die einzige Szene, in der PSG das Schicksal nicht wohlgesonnen war. Und dazu kam immer wieder auch taktisches Fehlverhalten. So ließen sich die weit aufgerückten Pariser nach zehn Minuten von einem überragenden 70-Meter-Pass des City-Torhüters Ederson düpieren. Über den durchgestarteten Zinchenko kam der Ball zu Kevin De Bruyne, dessen geblockten Schuss Riyad Mahrez aus spitzem Winkel ins Tor abstaubte. Wie schon im Hinspiel bei beiden Gegentreffern sah PSG-Keeper Keylor Navas dabei alles andere als brillant aus - die Kugel rutschte ihm durch die Beine.

Abschlusspech bei Marquinos und Di Maria

Paris steckte das 0:1 aber gut weg, legte sofort wieder den Vorwärtsgang ein und war dem Ausgleich sehr nahe. In der 18. Minute köpfte Hinspieltorschütze Marquinhos nach einer zu kurz abgewehrten Ecke an die Latte - Ederson hätte keine Chance gehabt. Kurz danach hatte der Brasilianer im Tor wieder Dusel, als John Stones sein Zuspiel nicht verarbeiten konnte und den Ball an Angel Di Maria verlor - doch der schoss knapp am leeren Gehäuse vorbei.

City zog sich in dieser Phase weit zurück, lauerte nur noch auf Umschaltmomente, doch Paris nutzte das zu wenig aus. Icardi sah die Bälle meist nur links und rechts an sich vorbeifliegen, er hatte mit Abstand die wenigsten Ballkontakte. Aber auch Neymar, der sich via Twitter zum "ersten Krieger" aufgeschwungen hatte, der "für die Mannschaft in den Kampf zieht", kam nicht in gefährliche Abschlusssituationen. So rettete die Mannschaft von Pep Guardiola den knappen Vorsprung ohne allzu große Probleme in die Pause.

Mbappé weiter im Wartestand

Zur zweiten Halbzeit dürften viele Fans mit der Einwechslung von Mbappé gerechnet haben, doch der lief sich weiterhin nicht einmal warm. Es verdichteten sich die Anzeichen, dass der Nationalstürmer nur zwecks Erhöhung des Bedrohungspotenzials im PSG-Kader stand. Warum Pochettino aber nicht zumindest den unsichtbaren Icardi durch den hochveranlagten Moise Kean ersetzte, blieb rätselhaft.

Den überfälligen Wechsel nahm der argentinische Coach dann in der 62. Minute vor, auch Julian Draxler durfte nun mitwirken. Doch ihre Hoffnung, die Sache für Paris doch noch zum zweiten Finaleinzug in Serie zu wenden, währte nicht mal 60 Sekunden.

Foden mit genialer Vorarbeit

Der neben Zinchenko überragende City-Verteidiger Ruben Dias hatte sich am eigenen Fünfmeterraum mal wieder in einen Schuss geworfen, der folgende Konter überrumpelte die Pariser Abwehr komplett. De Bruyne schickte den schnellen Phil Foden auf der linken Außenbahn steil, der wiederum den Ball perfekt quer an den zweiten Pfosten passte. Dort stürmte Mahrez heran und jagte die Kugel am diesmal chancenlosen Navas vorbei in die Maschen.

Es folgten Minuten, die eines Halbfinalspiels der Champions League unwürdig waren und in denen sich Paris als schlechter Verlierer erwies. Björn Kuipers, inzwischen 48 Jahre alt, behielt aber die Ruhe und die Partie weitgehend im Griff.

Di Maria fliegt, Kimpembe und Danilo haben Glück

So mussten die Gäste die Partie in den letzten 20 Minuten zu zehnt über die Bühne bringen, weil Di Maria bei einer harmlosen Einwurf-Situation die Nerven verlor, erst nach Fernandinho schlug und ihm dann noch mit den Stollen auf den Fuß trat - die Rote Karte hielt logischerweise auch der Videoüberprüfung stand. Es folgte ein Geschubse, Geschiebe und Gemeckere, bei dem der Pariser Marco Verratti und City-Spieler Zinchenko froh sein konnten, nicht ebenfalls vom Platz zu fliegen. Drei Minuten vor Schluss hätte es aber eigentlich zwingend den zweiten Platzverweis geben müssen, als Presnel Kimpembe mit einer Kung-Fu-Grätsche Gabriel Jesus niederstreckte - Kuipers beließ es aber bei Gelb. Ähnlich verhielt es sich auch bei Danilo, der mit den Stollen in Kniehöhe auf Gabriel Jesus losging.

Sportlich kam in der Schlussphase nichts mehr von PSG. City ließ nun den Ball nach bester City-Manier laufen und hatte durch den erneut herausragenden Foden gleich zweimal das 3:0 auf dem Fuß: Erst rettete der rechte Pfosten für Paris (77.), dann Keeper Navas (80.). Bei Paris hatte in der zweiten Halbzeit Neymar bezeichnenderweise nur einmal mit einem Sololauf eine Chance, doch als Zinchenko auch diesen Schuss blockte, war irgendwie klar, dass PSG an diesem Abend torlos bleiben sollte.

"Wir waren sehr effektiv"

Mahrez analysierte nach der Partie relativ nüchtern: "Ich finde nicht, dass wir sehr dominant waren, aber wir waren extrem effektiv. Wir haben in den richtigen Momente die Tore gemacht und immer an unsere Stärke geglaubt." Guardiola sagte: "Wir sind unheimlich stolz. Wir stehen kurz davor, Meister zu werden, aber natürlich hat die Champions League eine besondere Bedeutung. Wir haben viel gelitten heute und waren natürlich auch ein bisschen glücklich, dass Mbappé nicht spielen konnte. Insgesamt hatten wir in beiden Spielen auch Glück, im Hinspiel geht ein Freistoß von uns durch die Mauer der Pariser. Aber dafür gab es in den vier Jahren davor auch so viele Kleinigkeiten, in denen es für uns nicht gepasst hat - deshalb haben wir das jetzt verdient."

Guardiola steht in seinem fünften Jahr mit City erstmals im Königsklassen-Finale. Zuvor war Manchester immer wieder in der Favoritenrolle gegen Klubs wie Olympique Lyon, Tottenham Hotspur oder AS Monaco gescheitert. Die "Citizens" mussten 51 Jahre warten, um wieder ein europäisches Finale zu erreichen - 1970 gewannen sie zuletzt den inzwischen abgeschafften Pokalsieger-Wettbewerb. Pochettino zeigte sich hinterher immerhin als fairer Verlierer: "Glückwunsch an City, sie spielen eine fantastische Saison. Wir sind kalt erwischt worden, als wir hoch gepresst haben und dann hinten die Absicherung fehlte. Es war nicht unsere Nacht, so ist das leider. Wir hatten auch nicht alle Spieler an Bord, aber das soll keine Entschuldigung sein."

Quelle: sportschau.de