Ein Spieler steht enttäuscht auf dem Spielfeld | Getty Images

Champions-League-Viertelfinale ManCity zu stark für den Dortmunder Traum

Stand: 14.04.2021 23:55 Uhr

Starker Start, bitteres Ende - Borussia Dortmund hat den vierten Einzug in das Halbfinale der Champions League nach großem Kampf gegen Manchester City verpasst. BVB-Trainer Terzic haderte nach dem Elfmeter zum 1:1 mit den Schiedsrichterentscheidungen.

Sportschau

Im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League verlor das Team von Trainer Edin Terzic am Mittwoch (14.04.2021) gegen City erneut mit 1:2 (0:1). Wie schon im knappen Hinspiel (1:2) vor gut einer Woche gelang es dem BVB auch diesmal, den Titel-Mitfavoriten aus England ins Wanken zu bringen.

Diskussionen über Can-Handspiel

Edin Terzic verstand die Fußball-Welt nicht mehr. Der Handelfmeter-Schock steckte dem Trainer von Borussia Dortmund tief in den Knochen: "Auf den Schiedsrichterschulungen heißt es ganz eindeutig, dass ein Anköpfen des eigenen Armes nicht strafbar ist. Ich sag mal so: Großes Glück haben wir in den beiden Spielen mit den Entscheidungen nicht gehabt. Wir hatten einen großen Traum, der ist jetzt leider vorbei."

Gemeint ist die Szene um Emre Can beim Stand von 1:0, als der seinen Kopf in eine Flanke von Phil Foden hielt. Der Ball rutschte dem Nationalspieler von der Stirn an den Arm - Schiedsrichter Carlos del Cerro Grande gab Elfmeter. Riyad Mahrez verwandelte.

Terzic hadert mit Schiedsrichtern - zeigt sich aber fair

Im Hinspiel war einem Tor von Jude Bellingham die Anerkennung verwehrt geblieben. Terzic erzürnte diesmal besonders der Verzicht des Referees auf Selbstkontrolle am Bildschirm: "Die stehen hier überall herum - warum nutzt er die nicht?"

Dennoch zeigte er sich auch als anständiger Verlierer: "Man muss fairerweise gratulieren. Man City hat hervorragend gespielt und ist auch verdient eine Runde weiter. Nach drei von vier Halbzeiten aber waren wir weiter - dann ist es ärgerlich, dass wir das durch zwei solche Gegentore noch aus der Hand geben."

Guardiola: damit anfangen, Geschichte zu schreiben

Citys Teammanager Pep Guardiola schwärmte: "Ich freue mich unglaublich für diesen Klub, für die Fans, für jeden. Wir sind das zweite Mal im Halbfinale, von Geschichte kann also keine Rede sein. Aber wir beginnen damit, eine zu schreiben. Bis auf die ersten zehn Minuten waren wir brillant. Ich freue mich riesig, unter den vier besten Teams in Europa zu sein."

"Es ist trotzdem schmerzhaft"

"Wir können stolz auf uns sein, wir haben gegen die beste Mannschaft der Welt gespielt und waren in der Lage mitzuhalten", sagte Dortmunds Unglücksrabe Emre Can bei "Sky": "Aber es ist trotzdem schmerzhaft, weil wir die Chance aufs Weiterkommen hatten."

Das fand auch Kapitän Marco Reus, der aber zugab: "Bis zum Elfmeter haben wir es sehr gut gemacht, danach waren wir zu wild und hatten kein Konzept mehr. Da müssen wir nach vorne einfach mutiger sein und die Bälle besser festmachen."

Führungstor durch Bellingham

Nach dem 1:0 durch Jude Bellingham (15. Minute) schien die nächste Runde zum Greifen nahe. Doch der verwandelte Handelfmeter von Riyad Mahrez (55.) und das Tor von Phil Foden (75.) im leeren Dortmunder Stadion retteten die Gäste, die nun im Halbfinale auf Bayern-Bezwinger Paris Saint-Germain treffen. Für den BVB könnte es ein Abschied von der lukrativen Champions League für mindestens ein Jahr gewesen sein. Bei sieben Punkten Rückstand auf den Bundesliga-Vierten erscheint eine erneute Qualifikation für den Wettbewerb derzeit unwahrscheinlich.

Als letzte Titeloption in dieser Saison bleibt nur noch der DFB-Pokal, in dem die Dortmunder im Halbfinale Anfang Mai auf den Zweitligisten Holstein Kiel treffen. Das von BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke mit einer "Weltsensation" gleichgesetzte Weiterkommen lag für die Schwarz-Gelben aber lange Zeit in Reichweite. Denn der Bundesliga-Fünfte präsentierte wieder sein prächtiges Königsklassen-Gesicht.

Couragiert und konsequent in den Zweikämpfen stellte sich der BVB dem scheinbar übermächtigen Gegner von der Insel entgegen. Auch die oftmals in dieser Saison nicht so sichere Defensive um Abwehrchef Mats Hummels verteidigte gegen die Passmaschine City konzentriert und leidenschaftlich.

Starke Anfangsviertelstunde der Dortmunder

Entsprechend aufgeregt verfolgte Citys Starcoach Guardiola das Geschehen aus der Coaching-Zone. Vor allem die Anfangsviertelstunde dürfte dem Spanier überhaupt nicht gefallen haben. Mit hohem Pressing bewies der BVB, dass der überlegene Spitzenreiter aus der Premier League durchaus verwundbar ist. War ein Distanzschuss von Mahmoud Dahoud noch zu unplatziert (7.), machte es sein Teamkollege Bellingham kurz darauf besser.

Eingeleitet von Torjäger Erling Haaland, dessen Zukunft in Dortmund weiter für großen Diskussionsstoff sorgt, schlenzte Bellingham den Ball gekonnt ins Tor. Einen besseren Zeitpunkt für sein erstes Champions-League-Tor hätte sich der Engländer gegen seine Landsleute nicht aussuchen können. Zugleich stieg der Mittelfeldspieler im Alter von 17 Jahren, neun Monaten und 16 Tagen zum jüngsten Torschützen in der Königsklassen-Historie der Westfalen auf. Nach seinem goldenen Schuss war Bellingham aber in der Defensive gefragt, denn der Rückstand sorgte für eine deutliche Tempoverschärfung der "Citizens".

De Bruyne trifft die Latte

Die Ballzirkulation wurde angeschmissen und der BVB phasenweise in der eigenen Hälfte eingeschnürt. Und es bedurfte schon einer gewissen Portion Glück, dass die Guardiola-Stars nicht schon in der ersten Hälfte den Rückstand wettmachten. So traf Kevin De Bruyne nach einem Fehler von Mateu Morey die Latte (25.). Nur eine Minute später tauchte der Belgier wieder gefährlich auf, diesmal hatte Morey seinen Fuß dazwischen, und Keeper Marwin Hitz verhinderte gedankenschnell ein Eigentor. Der Schweizer war es auch, der gegen Mahrez überragend parierte (32.).

Nicht auszudenken, wie hoch der Lärmpegel in einer vollen Dortmunder Arena bei diesem packenden Spiel gewesen wäre. Denn der BVB kämpfte aufopferungsvoll. Immer wieder feuerten sich Hummels, Emre Can und Co. an. Auch Trainer Terzic wäre als zwölfter Mann am liebsten zur Hilfe gekommen, musste es aber bei lauten Anfeuerungen belassen.

Dauerdruck von City in der zweiten Halbzeit

"Eine Top-Leistung gegen einen Top-Gegner" hatte Terzic eingefordert - enttäuscht wurde er nicht. Der Dauerdruck von Man City ging aber auch in der zweiten Halbzeit unvermindert weiter. Das konnte nicht ewig gut gehen.

Dass aber ein von Can verschuldeter Handelfmeter zum Ausgleich führte, war ärgerlich. Der Nationalspieler köpfte nach einer Flanke seinen ausgestreckten Arm selbst an. Im Gegensatz zum Hinspiel wurde diesmal aber nicht der Strafstoß gegen Can durch den Video-Schiedsrichter zurückgenommen. Can sagte: "Ich weiß, dass ich den Ball zuerst mit dem Kopf und dann mit der Hand berührt habe, dann ist es eigentlich kein Elfmeter. Das Spiel hat sich nach dem 1:1 geändert."

Nach dem 1:1 kaum Strafraumaktionen

Mahrez verwandelte eiskalt. Nun bedurfte es wieder einer Reaktion des BVB, der sich nun aber schwer tat, gegen die Engländer zu Strafraumaktionen zu kommen. Eine besaß Hummels bei einem Kopfball knapp über das Tor (68.). Doch nach einem Distanzschuss von Foden ins kurze Toreck, bei dem Hitz nicht gut aussah, waren die Hoffnungen dahin. Der Youngster hatte schon im Hinspiel den 2:1-Siegtreffer erzielt.

Für den BVB geht es im Bundesligageschäft nun am Sonntag weiter. Dann empfangen die Dortmunder Werder Bremen (15.30 Uhr).

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 14. April 2021 um 22:15 Uhr.