Leeres Stadion in Dortmund | dpa

Bundesliga-Reaktionen auf Super League "Das müssen wir verhindern"

Stand: 20.04.2021 19:55 Uhr

Politiker, Sportler und Funktionäre in ganz Europa haben empfindlich auf die Gründung einer Super League reagiert. Auch die Bundesliga spricht mit einer Stimme - allen voran die Bayern und der BVB. Der Tenor: Unverständnis und Empörung.

Sportschau

Der Vorstoß von zwölf großen Klubs, ihre eigene Super League zu gründen, sorgt europaweit für Empörung. Abseits der sechs Vereine aus England und je drei Klubs aus Italien und Spanien gab es bislang keine positive Reaktion auf die geschlossene Top-Liga.

Gleiches gilt für die wichtigsten Akteure im deutschen Fußball. Ob Trainer, Funktionäre oder Liga-Boss: Keiner der Gefragten lässt ein gutes Haar an der Abkopplung vom europäischen Fußballverband UEFA.

München und Dortmund unisono: Keine Super-League-Teilnahme

Bayern München und auch Borussia Dortmund schließen eine Teilnahme an der neuen europäischen Superliga des Fußballs definitiv aus. "Ich darf im Namen des Vorstandes ausdrücklich feststellen, dass der FC Bayern nicht an der Super League teilnimmt", sagte Klubchef Karl-Heinz Rummenigge am Dienstag (20.04.21) und betonte: "Der FC Bayern steht solidarisch zur Bundesliga. Für den FC Bayern ist die Champions League der weltweit beste Klubwettbewerb."

Auch der BVB wird auf keinen Fall im neuen Konstrukt mitspielen. Intern ist sid-Informationen zufolge "in Stein gemeißelt", dass sich der Klub den Plänen von bisher zwölf europäischen Giganten keinesfalls anschließend wird. Ohnehin liegt dem Verein von der Liga bisher weder eine Anfrage noch ein konkretes Angebot noch eine Friststellung vor.

Besondere Situation wegen Börsennotierung

Eine glasklar ausschließende Kommunikation ist allerdings aufgrund der Börsennotierung im S-Dax als KGaA schwer möglich. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hatte am Montag betont, zur geplanten Reform der Champions League zu stehen. Eine potenziell Hunderte Millionen Euro schwere Super-League-Option vorab öffentlich auszuschließen, könnte aber rechtliche Folgen nach sich ziehen.

Bayerns Vereinspräsident Herbert Hainer betonte die negative Entscheidung des deutschen Rekordmeisters. "Unsere Mitglieder und Fans lehnen eine Super League ab. Es ist unser Wunsch als FC Bayern und unser Ziel, dass die europäischen Vereine diesen wunderbaren und emotionalen Wettbewerb Champions League leben und zusammen mit der UEFA entwickeln", sagte er und bekräftigte: "Der FC Bayern sagt Nein zur Super League."

Auch der DFB ist für Sanktionen

Analog zur Kritik und Drohung der UEFA, die betreffenden Vereine zu sperren und Spieler von Welt- und Europameisterschaften auszuschließen, sprach sich auch DFB-Präsident Fritz Keller für harte Sanktionen aus: "Die Vereine und ihre Nachwuchsmannschaften sollten von allen Wettbewerben ausgeschlossen werden, bis sie wieder an ihre vielen Anhänger denken, die sie erst zu den größten Klubs der Welt gemacht haben - und nicht nur an ihre Geldbeutel", so Keller.

Eberl: Wollen "ihren Arsch retten"

Nachdem Florentino Perez, der Präsident von Real Madrid, in einem seiner seltenen Interviews sagte, diese Liga sei alternativlos, und 2024 würde es viele Vereine coronabedingt nicht mehr geben, teilte Borussia Mönchengladbachs Sportdirektor aus.

Er wisse nicht, "ob das der Klub der Super-Reichen oder eher der Klub der Super-Verschuldeten ist." Er habe das Gefühl dass die Klubs diesen Schritt gehen würden, um "ihren Arsch zu retten", nachdem in den vergangenen Jahren schlecht gewirtschaftet worden sei.

Seifert zweifelt wirtschaftliche Kompetenz an

Einen ähnlichen Ton schlug auch DFL-Boss Christian Seifert an und sprach den Klubführungen der Super-League-Vereine zu einem großen Teil die wirtschaftliche Kompetenz ab. "Einiger dieser Klubs sind ganz schlecht gemanagte Geldverbrennungsmaschinen", sagte Seifert bei "Sky Sport News": "Ihnen ist es nicht im Ansatz gelungen, ein nachhaltiges Geschäftsmodell zu entwickeln, und sie haben mehrere Hundert Millionen Euro Schulden."

Lob hatte Seifert allerdings für die beiden deutschen Zugpferde Bayern München und Borussia Dortmund parat. "Dass sie sich zur Bundesliga bekannt haben und nicht bei der Super League an Bord gegangen sind, ist ein starkes Signal", äußerte der DFL-Boss. Die Klubs, die sich von der Realität abgehoben hätten, würden nicht in Deutschland sitzen.

Rummenigge erneuert Bayern-Absage

Nach einem Bericht des "Spiegel" haben die Gründer der Super League großes Interesse am deutschen Rekordmeister und dem BVB. Laut Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ist eine Teilnahme aber ausgeschlossen. "Wir sind nicht dabei, weil wir kein Teil davon sein wollen", sagte Rummenigge der italienischen Tageszeitung "Corriere della Sera": "Wir sind froh, in der Bundesliga zu spielen."

Er habe aber noch Hoffnung, eine Lösung zu finden. Es sei jetzt wichtig, den Dialog wiederaufzunehmen, fügte der 65-Jährige an, "Denn die Super League schadet dem ganzen europäischen Fußball. Das müssen wir verhindern."

Der Trainer des zweiten deutschen Kadidaten, Dortmunds Edin Terzic, hielt sich etwas bedeckter. Er betonte am Dienstagnachmittag, wie wichtig es sei, die Emotionen im Fußball nicht zu verlieren: "Wir müssen aufpassen, dass wir Fans nicht durch Zuschauer ersetzen."

Bremen kritisiert Champions-League-Reform und Super League

Werder Bremen ist zwar aktuell weit entfernt von den Champions-League-Rängen, international aber kein unbeschriebenes Blatt. Auf der Vereins-Homepage verurteilte der Klub die Einführung der Super League aufs Schärfste.

Bereits jetzt sei ein massiver Schaden durch das unsolidarische Verhalten entstanden, heißt es: "Hier wollen einzelne Klubs die Vorteile abschöpfen, die eine Fußballgemeinschaft über Jahrzehnte mit erarbeitet hat."

Die Teilnahme an internationalen Wettbewerben müsse über transparente sportliche Faktoren erfolgen, nicht über Wildcards oder Setzlisten. Man zeigte sich auch mit der beschlossenen Reform der Champions League unzufrieden.

"Trainer, Spieler und Fans waren nicht involviert"

Wolfsburgs Erfolgstrainer Oliver Glasner kritisierte neben dem geschlossenen Modell der Elite-Liga, das Leistungen nicht mehr belohnt, auch den Charakter der Hinterzimmer-Gespräche: "Meines Wissens sind dabei keine Trainer, Spieler und Fans involviert gewesen", so der Österreicher: "Ich bin kein großer Freund davon."

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 20. April 2021 um 18:25 Uhr.