Abwehrchefs: Werder-Kapitän Niklas Moisander (Werder Bremen, li.) und Andre Hoffmann (Fortuna Düsseldorf)

Bundesliga-Abstiegskampf Der Kampf um die Relegation

Stand: 25.06.2020 10:30 Uhr

Die Sachlage ist klar: Fortuna Düsseldorf hat das Erreichen von Relegationsplatz 16 selbst in der Hand, Werder Bremen muss im Fernduell auf einen Ausrutscher der Fortunen bei Union Berlin hoffen. Die aktuellen Fakten vor dem Abstiegsdrama.

Von Jens Mickler

Ausgangslage

Ein Sieg von Fortuna Düsseldorf in Berlin, und alles wäre geregelt, denn die Fortunen gehen mit zwei Zählern Vorsprung in dieses Ringen um Platz 16. Gewinnt die Fortuna nicht, könnte es knifflig werden. Bei einem Unentschieden bei Union müsste Bremen mit mindestens vier Toren Unterschied gegen den 1. FC Köln gewinnen, um die Relegation zu erreichen. Bei einer Düsseldorfer Niederlage würde Werder auch ein knapper Sieg genügen. 

Personal

Werder Bremen bangt vor dem Abstiegsduell gegen den 1. FC Köln vor allem um den Einsatz von Milot Rashica. Der Stürmer hatte sich am Mittwoch (24.06.2020) im Training eine Knöchelverletzung zugezogen. "Wir müssen abwarten", sagte Werder-Coach Florian Kohfeldt. Eine Alternative dürfte auf jeden Fall der lange Zeit verletzte Stürmer Niclas Füllkrug sein, der gegen Mainz nach seinem Kreuzbandriss und zwei Kurzeinsätzen zuvor erstmals wieder eine komplette Halbzeit durchspielte.

Wieder zur Verfügung steht Bremen gegen Köln dagegen Kevin Vogt. Der Defensivspieler hat seine Hüftverletzung auskuriert. Auch Theodor Gebre Selassie ist rechtzeitig wieder fit. Für Sebastian Langkamp (Zerrung) rückt Ömer Toprak in den Kader.

Bei Fortuna Düsseldorf sind alle Stammspieler fit. Möglich, dass Vize-Kapitän Adam Bodzek nicht in der Startelf steht. Alternativen wären Marcel Sobottka oder Alfredo Morales. Steven Skrzybski wird wohl zunächst auf der Bank sitzen.

Trainerstimmen

Abstiegskampf: Werder-Coach Florian Kohfeldt (li.) und Fortuna-Trainer Uwe Rösler
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Florian Kohfeldt (l.) und Uwe Rösler

Düsseldorfs Trainer Uwe Rösler schwörte Mannschaft und Umfeld mit markigen Worten auf den Spieltag der Entscheidung ein. "Wir haben unser Schicksal selbst in der Hand. Für uns geht es um sehr, sehr viel - und das muss man spüren", sagte Rösler. Natürlich habe die Partie bei Union Berlin "Finalcharakter": "Danach kann man es nicht wiedergutmachen. Wir müssen abliefern." Geistige und körperliche Frische seien am Samstag wichtig.

Kohfeldt: "Messer zwischen die Zähne und raus da"
Kohfeldt: "Messer zwischen die Zähne und raus da"

Mit noch kernigeren Sätzen äußerte sich Werder-Coach Kohfeldt mit Blick auf das letzte Spiel der Saison. "Es gilt nur: 'Messer zwischen die Zähne und raus da'", sagte Kohfeldt am Freitag. An der erforderlichen Motivation seiner Schützlinge zweifele er nicht: "Ich bin mir sicher, dass jeder die notwendige Einstellung und auch den notwendigen Charakter hat." Zuvor hatte Kohfeldt die Chancen seines Teams als nicht sehr hoch bezeichnet. "Sehr schwer, den Klassenerhalt noch über die Relegation zu realisieren", so der Bremer.

Form

Werder verspielte die Relegation möglicherweise mit den jüngsten beiden Niederlagen gegen den FC Bayern und vor allem am vergangenen Spieltag bei Mainz 05. Die Bilanz der vergangenen zehn Spiele ist bei Werder (11 Punkte) etwas besser als bei der Fortuna (9 Punkte).

Die Düsseldorfer gehen immerhin mit zwei Remis (gegen Leipzig und Augsburg) in dieses Endspiel bei Union. Vor allem der späte Ausgleich in Leipzig stärkte den Glauben an das eigene Können.

Stimmungslage

In Bremen wird schon über Konsequenzen eines möglichen Abstiegs diskutiert. Ex-Torwart Frank Rost hält personelle Konsequenzen im Falle eines Abstiegs für unumgänglich. "Ich glaube, dann musst du den Weg freimachen", sagte Rost bei NDR2. "Nicht nur auf der Trainerposition. Ich glaube, dann muss auch der ein oder andere im Vorstand vielleicht mal sagen: 'Es sollte nicht sein und Bumm - und dann treten wir mal zurück.'"

Der ehemalige Werder-Manager Klaus Allofs übte an der Personalplanung der Bremer in dieser Woche Kritik. Eine "frühzeitige und unumstößliche" Festlegung auf einen Verbleib von Trainer Florian Kohfeldt bis Saisonende hätte er nicht vorgenommen, sagte Allofs, der eine Prognose für Samstag fast "für unmöglich" hält. Sicher ist er sich aber, dass ein Abstieg Werder härter treffen würde als die Rheinländer. Die Fortuna würde das Schicksal nicht gänzlich unerwartet treffen, sagte Allofs, dennoch wäre ein Abstieg ein ebenso "herber" wie "unnötiger" Rückschlag.

Abstiegshistorie

Fünfmal stieg Fortuna Düsseldorf bereits aus der Bundesliga ab - 1967, 1987, 1992, 1997 und 2013. Der bislang letzte Abstieg ist dabei in ganz bitterer Erinnerung. Da hatte 1899 Hoffenheim am letzten Spieltag zwei Punkte und elf Tore Rückstand auf die Fortuna, die auf Platz 15 in den Endspurt ging. Doch dann siegte Hoffenheim bei Vizemeister Dortmund, Düsseldorf verlor parallel mit 0:3 in Hannover – und stürzte noch auf Rang 17 ab. Es war das erste und einzige Mal in der kompletten Saison, dass die Düsseldorfer auf einem direkten Abstiegsplatz standen.

Der einzige Werder-Abstieg aus der Bundesliga ist genau 40 Jahre her. Am 24. Mai 1980 besiegelte eine deprimierende 0:5-Heimniederlage ausgerechnet gegen den 1. FC Köln, Gegner auch von Samstag, den ersten Knock-out der Klubhistorie. Nur noch 17.000 Zuschauer waren damals im Weserstadion dabei.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 27. Juni 2020 um 09:00 Uhr.

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