Emanuel Buchmann (mitte), während der Tour de France. | Bildquelle: picture alliance/dpa

Deutscher Hoffnungsträger Buchmanns Chancen bei der Tour

Stand: 23.07.2019 09:17 Uhr

Die Tour de France ist vor der letzten Woche so spannend wie lange nicht. Frankreich träumt vom Gelben Trikot in Paris. Ineos gibt sich noch lange nicht auf. Und auch ein Deutscher mischt vorne mit. Die Favoriten im Check.

Von Marco Schyns

Die Tour de France ist vor Beginn der letzten Woche im Kampf um das Gesamtklassement so spannend wie lange nicht. Gleich sechs Fahrer liegen innerhalb von 2:14 Minuten beisammen und haben allesamt Chancen auf den Gesamtsieg.

Neben den beiden Top-Favoriten vom Team Ineos, Vorjahressieger Geraint Thomas und Teamkollege Egan Bernal, sind es vor allem die beiden Franzosen Julian Alaphilippe und Thibaut Pinot, die sich Hoffnungen machen. Etwas überraschend ganz vorne mit dabei: Steven Kruijswijk und die deutsche Tour-Hoffnung Emanuel Buchmann.

Sechs Etappen stehen noch aus, drei davon sind schwere Bergetappen in den Alpen. Die Entscheidung um das Gelbe Trikot wird wohl erst am Samstag (24.07.2019) fallen. Wer gewinnt die Tour de France 2019? Die Favoriten im Formcheck von sportschau.de.

Julian Alaphilippe | Bildquelle: AFP
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Julian Alaphilippe

Julian Alaphilippe (Frankreich, Deceunink-Quick-Step), 61:00:22 Stunden

Julian Alaphilippe verblüfft die Radsport-Szene in diesen Tagen. Der Mann im Gelben Trikot lässt sogar Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron von einem "historischen" Tag träumen. Seit Bernard Hinault 1985 gab es keinen französischen Tour-Sieger mehr. Jene Radsport-Legende traut Alaphilippe den Sieg durchaus zu: "Er ist in der Lage, den Weg zu Ende zu gehen." Der Weg in der letzten Woche führt durch die Alpen. In den Pyrenäen war der 27-Jährige zuletzt zwar stärker als erwartet, musste bei der Bergankunft in Foix aber etwas abreißen lassen. Der Kämpfer Alaphilippe wirkte am Ende seiner Kräfte. Aber das Gelbe Trikot kann auch neue Kräfte freisetzen. Für ihn spricht vor allem eines: der Vorsprung von über eineinhalb Minuten, den er sich hart erarbeitet hat. In den Alpen wird er wohl kaum angreifen, vielmehr seinen Vorsprung "verwalten." Ob das reicht, zeigen die kommenden Tage.

Geraint Thomas | Bildquelle: AFP
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Geraint Thomas

Geraint Thomas (Großbritannien, Team Ineos), +1:35 Minuten

Der Vorjahressieger hatte nach seinem Überraschungserfolg bei der Tour de France, als er 2018 Kapitän Christopher Froome überflügelte, keine großen Erfolge mehr feiern können. Schon aufgrund seiner Form im Frühjahr war nicht er, sondern Teamkollege Egan Bernal der Topfavorit vor dem Tour-Start. Sein Team Ineos hat an Dominanz verloren, ist aber trotzdem mit zwei Fahrern in den Top sechs vertreten. Das ermöglicht taktische Spielchen. "Wir sind ziemlich gut unterwegs", sagte Thomas am Ruhetag vor der 16. Etappe: "Wir sind in einer superstarken Position." Ob er Recht behält, werden die Alpen-Etappen zeigen. Thomas selbst wirkte in den Pyrenäen schwächer als Teamkollege Bernal. Der Waliser kämpft also nicht nur um die Spitzenposition bei der Tour, sondern auch im Team.

Steven Kruijswijk
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Steven Kruijswijk

Steven Kruijswijk (Niederlande, Team Jumbo-Visma), + 1:47 Minuten

Beim Giro d'Italia war es Primoz Roglic, der Jumbo-Visma als Kapitän anführte, bei der Tour ist es Steven Kruijswijk. Angetrieben und unterstützt von einem starken Team, in dem u.a. Tony Martin fährt, fuhr Kruijswijk still und leise in die Spitzengruppe und setzte sich dort auch in den Pyrenäen fest. Der 32-Jährige ist ein Routinier, er hat viel Erfahrung und dürfte sich seine Kräfte eingeteilt haben. Der Niederländer hat starke Beine und wurde schon bei den bisherigen Bergankünften von seinen Helfern unterstützt. Setzt Jumbo-Visma seine herausragende Arbeit in den Alpen fort, spielt Kruijswijk bis zum Schluss eine entscheidende Rolle.

Thibaut Pinot | Bildquelle: dpa
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Thibaut Pinot

Thibaut Pinot (Frankreich, Groupama-FDJ), +1:50 Minuten

Die Begeisterung in Frankreich ist groß. Nicht nur, weil Alaphilippe seit gut eineinhalb Wochen im Gelben Trikot fährt, auch weil mit Thibaut Pinot ein Weltklasse-Kletterer vorne mitmischt. 2014 siegte Pinot in der Nachwuchswertung bei der Tour, gewann im Vorjahr die Lombardei-Rundfahrt und scheint aktuell in der Form seines Lebens zu sein. "Pinot macht den stärksten Eindruck", sagt auch Konkurrent Emanuel Buchmann. Der Sieg auf dem Tourmalet war ein Ausrufezeichen, einen Tag später wurde er in Foix nur vom starken Ausreißer Simon Yates geschlagen. Ohne seinen Zeitverlust bei der vom Winde verwehten 11. Etappe wäre Pinot schon jetzt bis auf wenige Sekunden an Alaphilippe dran. Eine Unachtsamkeit hatte ihn weit zurückgeworfen, in den Pyrenäen kämpfte er sich wieder heran. Bleiben solche Fehler in der letzten Tour-Woche aus, ist Pinot der Favorit auf Gelb.

Egan Arley Bernal Gomez
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Egan Arley Bernal Gomez

Egan Arley Bernal Gomez (Kolumbien, Team Ineos), + 2:02 Minuten

Egan Bernal ist gerade einmal 22 Jahre jung und wäre bei einem Tour-Erfolg genauso alt wie Felice Gimondi 1965 und Laurent Fignon 1983. Das Weiße Trikot ist dem Kolumbianer quasi nicht mehr zu nehmen, sein Ziel aber ist Gelb. Schon im vergangenen Jahr machte er an den schwersten Berganstiegen auf sich aufmerksam, als er als Edelhelfer von Froome und Thomas an deren Seite fuhr. Seine Erfolge bei Paris-Nizza und bei der Tour de Suisse hoben ihn vor dem Tour-Start in die Position des Topfavoriten - auch weil Teamkollege Thomas die Form fehlt(e). Als dieser in den Pyrenäen schwächelte, zog Bernal alleine davon. Die jetzt anstehenden Alpen-Etappen dürften dem Kolumbianer vom Streckenprofil her liegen. In den Pyrenäen wirkte aber vor allem Pinot noch explosiver. Schafft es Bernal, die Leader-Rolle innerhalb des Teams Ineos zu erobern, kann er auch in Paris ganz oben stehen.

Emanuel Buchmann
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Emanuel Buchmann

Emanuel Buchmann (Deutschland, Bora-hansgrohe), +2:14 Minuten

Er ist der deutsche Hoffnungsträger und fährt bei der Tour de France 2019 noch stärker, als man es im Vorhinein von ihm erwarten konnte. Ein Top-10-Platz gab sein Team Bora-hansgrohe als Ziel aus, am Ende könnte es für Emanuel Buchmann sogar das Podium werden. Im Schatten der großen Stars ist der stille Kletterspezialist in die Weltspitze vorgestoßen. Seine beeindruckende Performance am Tourmalet bestätigte Buchmann einen Tag später in Foix.

In der Vergangenheit fehlte ihm die Konstanz, er hat sich mit Höhentrainingslagern diesmal aber besonders auf die Schlusswoche vorbereitet. Ein Einbruch ist daher nicht zu erwarten. Und fährt er so stark und souverän wie bisher, ist ein Podiumsplatz nicht unrealistisch. Es wäre die erste Podestplatzierung eines deutschen Fahrers seit 13 Jahren. Und ganz leise schwärmt sogar Buchmann vom Toursieg.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 23. Juli 2019 um 11:00 Uhr.

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