Die olympische Flagge und die russische Flagge  | dpa

Internationaler Sportgerichtshof Zwei Jahre Olympia-Sperre für Russland

Stand: 17.12.2020 17:02 Uhr

Russland wird von den Sommerspielen 2021 in Tokio und von den Winterspielen 2022 in Peking ausgeschlossen. Der Sportgerichtshof halbierte damit im Berufungsverfahren die Strafe, die die Welt-Anti-Doping-Agentur verhängt hatte, auf zwei Jahre.

Russland wird von den Olympischen Spielen 2021 in Tokio und den Winterspielen 2022 in Peking ausgeschlossen. Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) halbierte in seinem Urteil zum Berufungsverfahren zwar die von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) verhängte Vier-Jahres-Sperre. Da die Strafe aber erst mit der Urteilsverkündung in Kraft tritt, darf keine russische Mannschaft bei den nächsten beiden Olympischen Spielen und wohl auch nicht bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar teilnehmen.

Unbelastete Sportler des Landes können in diesem Zeitraum bei Großereignissen aber als neutrale Athleten antreten. Dafür müssen sie gewisse Anti-Doping-Bedingungen erfüllen. Die russische Hymne darf nicht gespielt oder gesungen werden, die russische Fahne nicht auf Teamkleidung getragen oder gehisst werden.

Die WADA sieht sich durch das Urteil bestätigt. Es sei ein wichtiger Moment für den sauberen Sport und Athleten in aller Welt, sagte Präsident Witold Banka. Allerdings zeigte er sich enttäuscht, das die CAS-Richter die ursprünglich von der WADA empfohlene Vier-Jahres-Sperre halbierten. "Wir glauben, dies war angemessen und vernünftig, aber letztlich ist die WADA nicht der Richter, sondern der Ankläger, und wir müssen die Entscheidung des Gremiums respektieren" sagte Banka.

Bewerbungen werden untersagt

Auslöser für den Bann war, dass Russland eingeforderte Dopingdaten aus dem Moskauer Labor aus den Jahren 2012 bis 2015 vor der Übergabe an die WADA manipuliert und gefälscht haben soll. Sie enthalten Beweise für den Sportbetrug zahlreicher russischer Athleten, der mit Hilfe des Staates systematisch gelenkt, gedeckt und vertuscht wurde. Formal wurde vom WADA-Exekutivkomitee am 19. Dezember 2019 die russische Anti-Doping-Agentur Rusada für vier Jahre für nicht konform mit dem Welt-Anti-Doping-Code erklärt.

Die Rusada hätte im September 2018 wieder eingesetzt werden können, wenn sie die angeforderten Daten ausgehändigt hätte. Die Weltagentur hatte die Rusada im November 2015 nach Aufdeckung des Doping-Skandals erstmals suspendiert. Im Zuge des CAS-Urteils darf Russland sich in den nächsten zwei Jahren nicht für Sportgroßereignisse wie Weltmeisterschaften bewerben. Bereits für diesen Zeitraum nach Russland vergebene Sport-Großereignisse müssen an einen anderen Gastgeber gehen.

Geringe Erfolgsaussichten

In einer Anhörung hatten die WADA und Russland Anfang November ihre Positionen zum Rechtsstreit dargelegt. Gegen das CAS-Urteil kann beim Schweizer Bundesgericht Berufung eingelegt werden. Die Erfolgsaussichten beim höchsten Gericht des Landes sind gering, da es nur bei Verfahrensfehlern und Verstößen gegen die Menschenrechte eingreift und nicht über die Rechtsauslegung des CAS urteilt.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 17. Dezember 2020 um 16:00 Uhr.