Luuk De Jong jubelt | Bildquelle: Getty Images

Sieg gegen Inter Mailand Sevilla triumphiert in der Europa League

Stand: 22.08.2020 10:49 Uhr

Der FC Sevilla hat sich zum Rekordsieger der Europa League aufgeschwungen. In einem spektakulären Finale in Köln war Luuk de Jong der Held des Abends. Bei Finalverlierer Inter Mailand wurde Romelu Lukaku zur tragischen Figur.

Von Christian Hornung

Sevilla gewann die mitreißende Partie mit 3:2 (2:2) vor leeren Rängen im Kölner Stadion. Die Andalusier, die 2006 und 2007 den UEFA-Cup gewonnen hatten, haben damit die Europa League nach 2014, 2015 und 2016 bereits zum vierten Mal für sich entschieden. Besonders die erste Hälfte dieses Duells war grandiose Freitagabend-Unterhaltung.

Von der ersten Minute an entwickelte sich in Müngersdorf ein Schlagabtausch, der statt der rund 300 Offiziellen im Stadion 50.000 Fans verdient gehabt hätte. Es gab kein taktisches Geplänkel, kein Abtasten, keine Aufwärmphase - es ging sofort voll zur Sache. Die beiden Trainer Julen Lopetegui vom FC Sevilla und Antonio Conte von Inter Mailand gaben an den Seitenlinien ebenfalls Vollgas, ließen kaum eine Szene unkommentiert und bewegten sich mehrfach am Rande des Erlaubten.

Lukaku nicht zu stoppen

Wenig zu deuteln gab es für Lopetegui jedoch am Elfmeter zur frühen Inter-Führung. Sevilla-Verteidiger Diego Carlos ließ sich im Laufduell von der Wucht Romelu Lukakus einfach überrollen, konnte ihm im Strafraum dann nur noch in die Hacken steigen - Lukaku verwandelte den Strafstoß selbst nervenstark zum 1:0 (5.). Es war ein Rekordtreffer: Der Belgier traf in der Europa League im elften Spiel in Serie - so etwas hatte es zuvor nie gegeben.

Dass ihnen aber ein Rückstand kein nachhaltiges Nervenflattern verursacht, hatte Sevilla bereits beim 2:1 im Halbfinale gegen Manchester United bewiesen. Und eins hatte Coach Lopetegui aus dieser Partie gelernt: Siegtorschütze Luuk de Jong, gegen ManUnited noch Joker, stand diesmal in der Startelf. Und das zahlte er zurück. In der 12. Minute gab es genau die Kombination, die die Andalusier ins Finale gebracht hatte: Rechtsflanke von Jesús Navas, im Zentrum löste sich de Jong durch einen kurzen Antritt von Diego Godín - und köpfte den 1:1-Ausgleich.

De Jong im Doppelpack

Danach übernahm Sevilla die Kontrolle im Mittelfeld, machte enormen Druck über beide Außenbahnen und ließ Inter kaum noch Luft zum Atmen. Trainer Conte versuchte, von außen wieder mehr zu pushen - und sah in der 17. Minute vom sehr konsequenten Schiedsrichter Danny Makkelie für seine übertriebene Theatralik die Gelbe Karte. Contes Frust wuchs aber noch an. In der 33. Minute schlenzte Ever Banega einen Freistoß von halbrechts präzise über die Inter-Abwehr hinweg, wo sich wieder de Jong freilief - und mit einem perfekt platzierten Kopfball ins lange Eck das Spiel zum 2:1 drehte.

Was Lucien Favre in diesem Moment gedacht hat, wäre interessant zu wissen gewesen. Unter dem heutigen Dortmund-Trainer floppte der 12-Millionen-Königstransfer de Jong 2012/13 in Mönchengladbach komplett, weil Favre kein Freund von hohen Flanken war. Mit einem Verlust von satten sieben Millionen Euro gab Gladbach den Niederländer zwei Jahre später wieder ab. Hohe Bälle zu Kopfballtoren zu verwerten, war an diesem Abend aber nicht nur die Stärke von Sevilla und de Jong: In der 36. Minute glich Inter nach Freistoß von Marcelo Brozovic durch Godín aus, der sich am Fünfmeterraum unwiderstehlich hochgeschraubt hatte.

Bounou hält Sevilla im Spiel

Die zweite Halbzeit begann ein wenig moderater, mehr Action als zuvor war aber auch kaum möglich. 20 Minuten lang kam die Partie ohne große Torszenen aus, beide Teams schraubten ihre Risikobereitschaft merklich herunter. Dann kam wieder Lukaku. Nach einem Steilpass von Nicolo Barella war der Belgier erneut nicht zu stoppen, doch im Eins-gegen-Eins mit Yassine Bounou behielt der schon gegen Manchester überragende Sevilla-Keeper die Oberhand.

Für das Finale im Allgemeinen und Lukaku im Speziellen war das eine Schlüsselszene. Sieben Minuten später wollte der bullige Belgier im eigenen Strafraum einen Standard verteidigen - doch er lenkte den spektakulären Fallrückzieher von Diego Carlos nach einem zu kurz abgewehrten Kopfball unglücklich ins eigene Tor ab: 3:2 für die Andalusier. Die UEFA wertete Lukakus Abwehrversuch nachträglich als Eigentor. Danach versuchte Inter noch einmal alles, aber Sevilla ließ mit einer kompakten und hochkonzentrierten Defensivleistung auch in der sechsminütigen Nachspielzeit bis auf einen auf der Linie geklärten Flachschuss von Antonio Candreva keine Großchance mehr zu: ein Sieg des Außenseiters, der aber keineswegs unverdient war.

"Kaum in Worte zu fasen"

Sevilla-Kapitän Navas, der auch den ersten Sieg in der Europa League schon mitgemacht hatte, war nach der Partie bei RTL extrem stolz: "Es ist kaum in Worte zu fassen, was dieser Erfolg für unseren Klub bedeutet. Aber auch, was unsere wenigen Unterstützer auf der Tribüne für ein Ambiente inszeniert haben, war herausragend. Das ist eine große Familie, das hat uns viel gegeben."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 22. August 2020 um 04:49 Uhr.

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