Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri jubeln über ihre Tore gegen Serbien

Schweizer Jubel Xhakas und Shaqiris umstrittene Geste

Stand: 23.06.2018 11:14 Uhr

Die Schweiz gewinnt 2:1 gegen Serbien - und Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri feiern ihre Tore mit dem "Doppeladler". Die Jubelgeste der schweizerischen Nationalspieler mit kosovarischen Wurzeln sorgt für kontroverse Diskussionen. Dabei sollte es diese Geste in der Schweizer Nationalmannschaft gar nicht geben.

Die ehemaligen Bundesliga-Profis Xhaka und Shaqiri haben die Schweiz mit ihren Treffern gegen Serbien Richtung Achtelfinale geschossen. Am Tag danach wird aber vor allem über den Torjubel der beiden diskutiert. Beide haben kosovo-albanische Wurzeln, beide feierten ihre Tore mit der "Doppeladler"-Geste, die an Albaniens Wappentier erinnert. Für Serbien eine provozierende Aktion. Denn Serbien erkennt den Kosovo mit seiner rund 90-prozentigen albanischen Bevölkerungsmehrheit nicht als Staat an und fordert die frühere Provinz zurück.

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Der Torjubel von Xhaka und Shaqiri hatte selbst bei ihrem Trainer Vladimir Petkovic für Unmut gesorgt. "Man soll den Sport und die Politik nicht vermischen. Der ganze Verband, das ganze Land vertritt schon seit Jahren die Meinung, dass wir das nicht brauchen", kommentierte er nach dem 2:1-Sieg gegen Serbien die Aktion seiner Spieler.

Schweizer Presse mit deutlicher Kritik

Die Schweizer Presse zeigte sich ebenfalls wenig verständnisvoll. "Der Doppeladler-Jubel von Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka ist unnötig und dumm. Dass sie mit heißem Herzen gespielt haben, beim Jubel aber den kühlen Kopf vermissen ließen, ist der ganz große Makel nach diesem wunderbar aufwühlenden Abend", schrieb "Blick".

Der "Tagesanzeiger" nannte die Geste "unnötig" und schob es bei Xhaka auf "die überfließenden Hormone", die "Neue Zürcher Zeitung" resümierte: "Sie (Xhaka und Shaqiri, Anm .d. Red.) befeuern damit eine Diskussion, die man für beendet oder zumindest für abgemildert hielt. Sie haben so feine Füße wie kaum jemand sonst in dieser Auswahl. Aber ihre politische Sensibilität und ihr gesellschaftliches Bewusstsein sind unterentwickelt."

Und die "Aargauer Zeitung" befürchtete, dass die Doppeladler-Geste erst der Anfang einer neuen Debatte werden könnte: "Großer Sieg der Schweiz, aber die Diskussionen drehen sich um den Doppeladler. Wie auch immer das Urteil ausfällt, eines müsste Xhaka und Shaqiri eigentlich bewusst gewesen sein: Dass sie damit die Diskussionen um Identität, um Herkunft und Heimat wieder neu entflammen."

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Xhaka, Shaqiri und die Emotionen

Die Spieler selbst verteidigten nach dem Spiel ihre Geste."Ich glaube, über das müssen wir nicht diskutieren. Viele Leute wissen, um was es geht. Wir sind nicht hier in der Politik, wir sind im Fußball. Ich bin froh, dass ich das Tor geschossen habe und alles andere müssen wir nicht diskutieren," erklärte Shaqiri im ARD-Interview: "Emotionen sind im Spiel dabei. Und da war auch eine Emotion dabei. Und von daher bin ich froh, dass ich das Tor geschossen habe. In einem wichtigen Spiel ein Tor zu schießen - da gibt es Emotionen und das war aus der Emotion heraus."

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Schreitet die FIFA ein?

Auch Xhaka wollte das Thema nicht überbewerten: "Für mich war es ein ganz spezielles Spiel", sagte der ehemalige Profi von Borussia Mönchengladbach: "Tausende Leute, Familie aus der Schweiz, aus Albanien, aus dem Kosovo haben zugesehen. Dieser Sieg war für meine Familie, die mich immer unterstützt. Der Jubel war keine Message an den Gegner. Das waren Emotionen pur." Offen ist derzeit noch, ob der Weltfußballverband FIFA diese Erklärungen gelten lässt oder eine Untersuchung einleitet. Denn die FIFA verbietet in ihrem Regelwerk politische Botschaften auf dem Platz.

Spielerrat distanzierte sich schon 2014 vom "Doppeladler"

Pikant: Bereits 2014 hatte es nach einer "Doppeladler"-Geste von Xhaka in der Fußball-Bundesliga im Spiel Mönchengladbach gegen Hannover eine Unterredung zwischen hochrangigen Vertreter des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV) und dem Spielerrat der Nationalmannschaft gegeben. Konsens damals: Eine solche Geste werde es in der Nationalmannschaft nicht geben. Unter anderem beim 2014er-Treffen dabei: Xherdan Shaqiri.

Quelle: sportschau.de

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