Ermittler betreten das Clubhaus des Fußball-Vereins FC Brügge | Bildquelle: dpa

"Footgate"-Skandal in Belgien Geldwäsche, Schiebereien, Korruption

Stand: 12.10.2018 10:11 Uhr

Der Fußballskandal in Belgien zieht immer größere Kreise: Neben Spielern, Managern, Trainern und Beratern sind auch Geschäftsleute, Schiedsrichter und Journalisten darin verwickelt.

Von Stefan Ueberbach, ARD-Studio Brüssel

Der große Skandal hat jetzt auch einen Namen - nicht besonders originell, aber immerhin: Die Affäre heißt "Footgate" - und sie hält nach wie vor ganz Belgien in Atem.

Immer neue Einzelheiten werden bekannt. Denn bei der Großrazzia gestern wurden nicht nur die Geschäftsräume von neun der 16 Erstligavereine durchsucht, darunter so klangvolle Namen wie FC Brügge, Standard Lüttich oder RSC Anderlecht, sondern auch eine Reihe von Häusern und Privatwohnungen.

Ermittler in der Footgate-Affäre | Bildquelle: dpa
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Wenke Roggen und Eric Van Duyse von der belgischen Bundesstaatsanwaltschaft informierten über die Ermittlungsergebnisse.

"Es geht um sechs Vereinsmanager, vier Spielervermittler, zwei Juweliere, einen Ex-Anwalt, zwei Schiedsrichter, einen Trainer, zwei Journalisten und um weitere mögliche Komplizen", sagt Wenke Roggen von der zuständigen Bundesstaatsanwaltschaft.

Breites Spektrum an Straftaten

Die Vorwürfe haben es in sich: Geldwäsche, organisierte Kriminalität, Korruption. Es geht um teure Uhren, Juwelen und um sehr viel Geld - Geld, das beim Transfer von Fußballprofis unter der Hand geflossen sein soll. Laut Staatsanwaltschaft haben zwei Spielerberater ausgeklügelte Systeme entwickelt, um möglichst hohe Provisionen für sich herausschlagen zu können und sie dann am belgischen Fiskus vorbei zu schmuggeln.

"Diese beiden Vermittler sollen unabhängig voneinander Finanzsysteme aufgebaut haben, um Geld vor den Steuerbehörden zu verstecken, ihre eigenen Honorare, aber auch die Gehälter von Spielern und Trainern", erklärt Eric van Duyse, Sprecher der Anklagebehörde.

Dabei soll sich der eine, Mogi Bayat, auch auf Kosten seiner Kunden bereichert haben, also auf Kosten der Spieler und der Clubs. Der andere dagegen, Dejan Veljkovic, hat laut Staatsanwaltschaft seine Gewinne mit den Profis geteilt, in Absprache mit Vereinen wie Sporting Lokeren, Standard Lütttich oder dem amtierenden belgischen Meister Club Brügge - dessen Coach Ivan Leko zu den Verdächtigen zählt.

Razzien in sieben Ländern

Bei ihren Hausdurchsuchungen in Belgien und sechs anderen europäischen Ländern haben die Ermittler zahlreiche Luxusuhren beschlagnahmt, dazu Schmuck und große Mengen Bargeld. Insgesamt wurden 33 Verdächtige festgenommen, 22 von ihnen werden dem Untersuchungsrichter vorgeführt.

Ein Auto mit einem Mann, der sein Gesicht verbirgt, verlässt den Justizpalast in Tongeren. | Bildquelle: dpa
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Im ganzen Land gab es Festnahmen.

Verdacht der Spielmanipulationen

Die Ermittlungen drehen sich aber auch um den Verdacht auf Spielmanipulationen. Mindestens zwei Partien in der vergangenen Saison sollen mithilfe korrupter Schiedsrichter verschoben worden sein, um den Abstieg des Traditionsvereins KV Mechelen zu verhindern.

Man konzentriere sich auf die Spiele Antwerpen gegen Eupen und Beveren gegen Mechelen an den letzten beiden Spieltagen, sagt Wenke Roggen von der Bundesstaatsanwaltschaft. Dabei soll der verdächtige Spielervermittler zusammen mit vier Clubverantwortlichen aus Mechelen versucht haben, den Ausgang der Spiele zu beeinflussen. Dazu habe es offenbar Absprachen mit einem Schiedsrichter und mit Vorstandsmitgliedern des Vereins aus Beveren gegeben.

Versuch offenbar vergeblich

Von Reisen ist die Rede, von Rabatten beim Autokauf - als Gegenleistung zum Beispiel für dubiose Elfmeterpfiffe. Auch zwei Sportreporter sollen bestochen worden sein, damit sie den Schiedsrichtern in ihren Zeitungen trotz fragwürdiger Entscheidungen gute Noten geben. Ironie der Geschichte: Sämtliche Manipulationsversuche haben nichts gebracht. Der KV Mechelen ist am Ende der Saison trotzdem abgestiegen.

Neues aus Belgiens Fußballsumpf
Stephan Ueberbach, ARD Brüssel
11.10.2018 21:14 Uhr

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Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Oktober 2018 um 20:00 Uhr.

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