Der Bayern-Spieler Robert Lewandowski jubelt mit freiem Oberkörper über seinen Torrekord im Bundesligaspiel gegen den FC Augsburg. | AP

Torrekord von Lewandowski "Eine Maschine made in Poland"

Stand: 23.05.2021 13:57 Uhr

Robert Lewandowski hat sich mit 41 Toren in einer Saison zum Bundesligarekord geschossen. In seiner Heimat Polen wurde der historische Treffer bejubelt wie der Gewinn der Weltmeisterschaft.

Von Jan Pallokat, ARD-Studio Warschau

Als Robert Lewandowski in der 90. Spielminute einen Landsmann im Tor des FC Augsburg überwindet und damit den Tor-Rekord von Gerd Müller überboten hatte, klang es in der polnischen Fußball-Reportage ein bisschen so, als sei soeben die WM entschieden worden. Eine "Maschine Robert, Made in Poland", jubelte der Reporter, und fügte stolz hinzu: "Ein Junge aus Warschau, dessen Stern von nun an im Fußball-Firmament leuchtet."

Jan Pallokat ARD-Studio Warschau

Und der Sportjournalist Michał Pol kommentierte die Szene auf seinem Internet-Kanal so:

Er hat diesen Rekord gebrochen, es ist unglaublich! Ich dachte schon, dass die Träume der Deutschen wahr würden, dass er davon ablässt, dass er nicht schießt, dass er auf die Bank geschickt würde. Das wäre absurd! Aber wie es dann kam: Lewy in letzter Minute, ganz allein und ohne Hilfe hat er dieses Tor herausgerissen. Das könnte sich ein Hollywood-Drehbuchautor ausdenken, dass er das Tor in der letzten Minute schießt. Wir wussten alle: Lewy wird kämpfen und in die Geschichte eingehen. Und zwar in die Geschichte Deutschlands. Ein Pole! Lewandowski sei Dank!

"Wir haben Respekt vor Gerd Müller"

Frühere Appelle deutscher Sportler und Journalisten, Lewandowski möge sich aus Respekt vor Gerd Müller doch bitte zurückhalten, waren in Polen teils ernster genommen worden, als sie vielleicht gemeint waren. Auch der Moderator im Sender TVN zitierte sie im Gespräch mit Polens Fußballlegende Zbigniew Boniek. "Aber uns interessiert heute mehr die polnische Freude als die deutsche Traurigkeit", sagte er.

Viele Leute sagten viel in den Medien, sagte Boniek: "Wir haben Respekt vor Gerd Müller, wir haben Respekt vor allen. Aber wenn Lewandowski den Rekord überbietet, dann applaudieren wir."

Es übertrage sich auch auf die polnische Nationalmannschaft, wenn ihr Kapitän mit einem derartigen Erfolgserlebnis im Rücken zurückkommt, sagte Boniek. "Ich glaube, heute hat auch seine Mutter Geburtstag und das ist ja tolles Geschenk. Denn die Mutter hat Robert allein erzogen seit seinem 16. Geburtstag. Und heute macht Robert sie so stolz." Als Lewandowski nach seinem Erfolg dann das Trikot herunterreißt, sei diese Explosion der Freude fantastisch gewesen, sagte Boniek.

Die ganze Welt spricht über einen Polen

Lewandowski ist häufig in Polen, in Warschau hat er mindestens eine Wohnung. Und auch seine Frau, die bei den Kindern geblieben war und das Spiel aus der Ferne verfolgte, ist als Fitnesstrainerin und Ernährungsexpertin in der Heimat bekannt. Beide sind hier zudem präsente Werbegesichter.

Für den zuletzt nicht besonders erfolgsverwöhnten polnischen Fußball ist Lewandowskis Erfolg eine Gnade. Ein "Mercedes aus Polen", so nannte ein Zeitungskommentator den Fußballer - und legte dar, dass Müllers Rekord für den deutschen Fußball einen ähnlichen Stellenwert besitze wie der Mercedes-Stern für die Industrie im Nachbarland.

Trotzdem sei es sinnlos, Lewandowskis Erfolg zu einem polnischen zu machen. Schließlich sei der Pole seit elf Jahren in Deutschland; er habe deutsche Freunde und Trainer, werde von einem bayerischen Club bezahlt, dem er nun geliefert habe.

Es gelte sich aber zu freuen, so der Kommentator, dass die ganze Welt über einen polnischen Fußballer spricht. Das müsse genügen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk im Sport Aktuell am 25. März 2021 um 22:50 Uhr.