Kapitän Manuel Neuer trägt die Kapitänsbinde mit der Aufschrift "One Love". | dpa

Fußball-WM in Katar DFB-Kapitän Neuer ohne "One Love"-Binde

Stand: 21.11.2022 13:07 Uhr

Bei den WM-Spielen des deutschen Fußball-Nationalteams in Katar wollte Neuer mit mehrfarbiger "One Love"-Kapitänsbinde auflaufen. Da die FIFA Sanktionen androhte, verzichtet der DFB nun darauf - ebenso wie andere Verbände.

Manuel Neuer wird bei den WM-Spielen des deutschen Fußball-Nationalteams in Katar nun doch nicht mit der "One Love"-Kapitänsbinde auflaufen. Der DFB und die anderen an der Aktion für Gleichberechtigung und Meinungsfreiheit beteiligten Verbände würden wegen angedrohter FIFA-Sanktionen auf das Symbol verzichten, teilte der DFB mit.

Nach Beratungen der Arbeitsgruppe der Europäischen Fußball-Union UEFA mit dem Fußball-Weltverband entschieden die beteiligten Nationen, das Risiko einer möglichen Gelben Karte oder anderer sportlicher Sanktionen während der WM in Katar nicht einzugehen.

Neuendorf: "Beispielloser Vorgang in der WM-Geschichte"

In einer Stellungnahme sagte DFB-Präsident Bernd Neuendorf: "Wir erleben einen beispiellosen Vorgang in der WM-Geschichte. Die von der FIFA herbeigeführte Konfrontation werden wir nicht auf dem Rücken von Manuel Neuer austragen."

Die FIFA habe nach Informationen der sportschau in Hintergrundgesprächen massive Konsequenzen angedroht, berichtete ARD-Reporterin Lea Wagner. Es solle sich dabei nicht nur um Gelbe Karten oder Platzverweise handeln - der Weltverband drohe sogar mit Punktabzug. "Es sieht gerade so aus, als revanchiere sich FIFA-Präsident Gianni Infantino für die aufkeimende Kritik von DFB und anderen europäischen Verbänden", so Wagner. Der DFB hatte zuletzt angekündigt, Infantino bei seiner Wiederwahl zum FIFA-Präsidenten nicht zu unterstützen.

FIFA begründet Verbot mit WM-Regularien

Der FIFA begründete das Verbot mit den von allen Teilnehmern anerkannten WM-Regularien. Explizit hob der Verband in einer Mitteilung den Artikel 13.8.1 der Ausrüstungsregeln hervor: "Für FIFA-Finalwettbewerbe muss der Kapitän jeder Mannschaft eine von der FIFA gestellte Armbinde tragen." Die FIFA unterstütze Kampagnen wie "One Love", aber dies müsse im Rahmen der allen bekannten Regeln erfolgen.

Scharfe Kritik am Weltverband kam von der Fanorganisation "Football Supporters' Association" (FSA). "Heute empfinden wir Verachtung für eine Organisation, die ihre wahren Werte unter Beweis gestellt hat, indem sie den Spielern die Gelbe Karte und der Toleranz die Rote Karte gezeigt hat", twitterte die "FSA".

FIFA-Strafen gingen "gegen den Geist des Sports"

Auch der niederländische Verband KNVB äußerte sein Unverständnis. "Dass die FIFA uns auf dem Platz bestrafen will, ist einmalig und geht gegen den Geist des Sports, der Millionen verbindet", erklärte der WM-Teilnehmer. "Wir stehen zur 'One Love'-Botschaft und werden diese weiter verbreiten, aber unsere oberste Priorität ist es, Spiele zu gewinnen. Da möchte man nicht, dass der Kapitän das Spiel mit einer Gelben Karte beginnt."

Der erste Kapitän, der während der Endrunde offen gegen die FIFA-Regularien verstoßen hätte, wäre Englands Harry Kane im Spiel gegen Iran gewesen. "Wir waren bereit gewesen, Strafen zu zahlen, was normalerweise bei Verstößen gegen Kleider-Regularien der Fall wäre. Dennoch konnten wir unsere Spieler nicht in eine Situation bringen, in der sie eine Gelbe Karte bekommen könnten oder gar gezwungen werden, das Spielfeld zu verlassen", hieß es in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Gemeinsame Aktion verschiedener Länder

DFB-Präsident Neuendorf hatte bereits am Sonntag von Meinungsverschiedenheiten mit der FIFA gesprochen, aber noch geäußert: "Wir haben gesagt, wir bleiben dabei, dass wir mit der Binde auflaufen. (...) Wir haben mit langem Vorlauf die FIFA immer wieder darauf hingewiesen, dass wir mit dieser Binde auflaufen wollen, es gab keine Reaktion der FIFA dazu." Nach Beratungen änderten die Verbände ihre Meinung.

Die Kampagne war eine im September angekündigte gemeinsame Aktion der Teams aus Deutschland, England, den Niederlanden, Belgien, Schweiz, Wales, Frankreich, Dänemark sowie Norwegen und Schweden, die beide nicht für die WM qualifiziert sind.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. November 2022 um 12:00 Uhr.