Joachim Löw steht auf dem Trainingsplatz und gibt eine Anweisung. | Bildquelle: IAN LANGSDON/EPA-EFE/REX/Shutter

Nations League gegen Frankreich Löws Zukunft steht auf dem Spiel

Stand: 15.10.2018 19:14 Uhr

Die deutsche Nationalmannschaft tritt in der Nations League bei Weltmeister Frankreich an. Vom Ergebnis und dem Auftritt seiner Spieler dürfte nicht zuletzt die Zukunft von Bundestrainer Joachim Löw abhängen.

Trotz aller Bekenntnisse zum großen Umbruch ist sich der Deutsche Fußball Bund (DFB) in einer Frage treu geblieben: Die Fragerunden der deutschen Nationalmannschaft beginnen immer noch mit großer Zuverlässigkeit deutlich später als angekündigt. In diesem Fall dürfte es den Verantwortlichen allerdings ganz recht gewesen sein, weil das Abschlusstraining in Paris vor der dritten Nations-League-Partie gegen Frankreich pünktlich beginnen musste. So rigoros sind bekanntlich die Vorschriften der UEFA.

Damit verkürzte sich die Zeit, in der Bundestrainer Joachim Löw und auch Kapitän Manuel Neuer unangenehme Fragen zur Situation der Nationalmannschaft beantworten mussten. Die Situation ist nach dem jüngsten 0:3 gegen die Niederlande schließlich nicht gerade komfortabler geworden. Eine weitere Pleite im Rückspiel beim Weltmeister, und der Abstieg aus diesem neu geschaffenen Wettbewerb wäre wohl nur noch theoretisch zu vermeiden. "Wir kennen unsere Situation. Wir sprechen sehr viel mit der Mannschaft und natürlich auch mit dem Trainerstab", sagte Neuer.

Neuer zeigt Nerven

Der sonst so abgeklärte Torhüter, für den Pressekonferenzen in seiner langen Karriere eigentlich zur Normalität geworden sein dürften, wirkte ungewöhnlich angespannt und nervös. Der Grund liegt auf der Hand: Selbst der eigentlich bislang unanastbare 32-Jährige ("Ich bin auf einem guten Level"), der jahrelang unwidersprochen als bester Torhüter der Welt geführt wurde, zeigte gegen die Niederländer beim ersten Gegentor Nerven.

Dass sich dann auch noch Rekordnationalspieler Lothar Matthäus zu Wort meldete und ganz offensiv eine Ablösung Neuers durch Marc-André ter Stegen forderte, schien Neuer nachhaltig zu irritieren, auch wenn dieser sich nicht konkret zu diesen Einlassungen äußerte. Neuers Nimbus scheint zu schwinden. Nur so viel: "Wir kennen den Ernst der Lage", sagte der Torhüter.

Löw: "Mit dem Druck kann ich leben"

Diese Einschätzung dürfte vor allem auch der Bundestrainer teilen. Joachim Löw präsentierte sich zwar deutlich gelassener als sein Kapitän. Allerdings war ihm anzusehen, dass er Fragen nach seiner Zukunft eher widerwillig beantwortete. Die Diskussionen um Löw sind nach dem Holland-Spiel aber nicht eben geringer geworden. Eine Neuanfang mit einem anderen Fußballlehrer ist derzeit ein unüberhörbarer Teil der öffentlichen Diskussionen.

"Mit dem Druck kann ich schon leben. Wenn das alles war, dann halte ich das aus", sagte der 58-Jährige und rang sich ein Lächeln ab. Von sich aus hinschmeißen werde er keinesfalls, sagte Löw ebenfalls am Montag (15.10.2018) an anderer Stelle dem ARD-Hörfunk. "Solche Gedanken mache ich mir jetzt wirklich nicht. Auch nicht nach so einem Spiel", sagte der Bundestrainer. "Ich bin jetzt schon lange in dem Geschäft dabei. Und ich habe auch schon einige Dinge überstanden. Ich kann das als Trainer einordnen", ergänzte er.

Er werde seine Konzentration nun ausschließlich auf das Spiel gegen die Franzosen legen und die Mannschaft mit Blick auf die bevorstehende Partie verändern. Alles andere könne er in solch einer Zeit der Länderspiele ausblenden - und damit will Löw die Personal-Diskussionen zumindest für ein paar Stunden beenden.

Veränderungen im Team

Neuer bleibt zwar im Tor, ansonsten wird Löw auf die Partie gegen die Niederländer reagieren, wie er ausführte. Ob er jetzt, nachdem die Kritik von vielen Seiten auf ihn einprasselt, seine Treue zu den Weltmeistern von 2014 wie Thomas Müller, Mats Hummels oder Toni Kroos aufbricht und den jungen Spielern wie Julian Brandt, Leroy Sané oder auch Niklas Süle eine Chance von Beginn an geben wird, wird neben dem Ergebnis gegen die Franzosen wohl ein weiteres Kriterium sein, wie die Zukunft Löws als Bundestrainer aussehen wird.

Mit DFB-Präsident Reinhard Grindel hatte sich Löw nach eigenen Angaben am Montagmorgen nochmal kurz ausgetauscht - und auch das Vertrauen ausgesprochen bekommen. Wie kurzlebig solche Bekenntnisse allerdings sein können, das weiß Löw als langjähriger Vereinstrainer aber nur zu gut.

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. März 2018 um 12:24 Uhr.

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