Französische Polizisten stehen an einem Fan-Eingang des Stade de France | AFP

Champions League 105 Festnahmen bei Chaos vor dem Finale

Stand: 29.05.2022 13:59 Uhr

Vor dem Champions-League-Finale kam es beim Einlass von zahlreichen Fans zu Verzögerungen, die Polizei setzte Tränengas ein. Insgesamt wurden 105 Menschen festgenommen. UEFA und Polizei machen die Fans für das Chaos verantwortlich.

Bei den chaotischen Szenen vor dem Champions-League-Finale in Paris, bei denen die französische Polizei auch Pfefferspray gegen Fußballfans einsetzte, sind 105 Menschen festgenommen worden. Das teilte das Pariser Innenministerium mit. Die Feuerwehr berichtete ihrerseits, dass 238 Menschen am Rande des Finales von Rettungskräften behandelt werden mussten, die meisten Fälle seien "geringfügig" gewesen.

Zu den Gründen für die 238 Einsätze von Sanitätern und Rettungskräften zählten nach Angaben der Feuerwehr auch Fälle von Atemproblemen durch Tränengas. Meistens seien es aber eher Kleinigkeiten wie Trunkenheit oder leichte Verletzungen der Grund für einen Einsatz gewesen.

Vor dem Stade de France war es vor Beginn des Finales zwischen Real Madrid und dem FC Liverpool zu chaotischen Szenen gekommen; die Polizei setzte auch Tränengas ein. Der englische Klub beklagte, dass eigene Anhänger mit regulären Tickets wegen eines "Zusammenbruchs der Sicherheitszone" nicht ins Stadion kamen und forderte eine offizielle Untersuchung.

UEFA und Polizei machen Fans verantwortlich

Die Europäische Fußball-Union (UEFA) und die französische Polizei machten dagegen gefälschte Tickets und das Verhalten der Fans verantwortlich. Die Eingänge hinter der Liverpool-Fankurve seien "von Tausenden Fans blockiert" worden, "die gefälschte Tickets erworben hatten, die in den Drehkreuzen nicht funktionierten", teilte die UEFA mit. 

Viele Fans hingegen empfanden das Vorgehen als unangemessen. "Die Fans sind hier die Opfer eines Versagens der Organisation und sicherlich nicht die Schuldigen", sagte Ronan Evain vom Fanbündnis Football Supporters Europe (FSE) im Gespräch mit der Sportschau. "Sie tragen keine Verantwortung für das Fiasko." Tausende hätten auch nach dem verspäteten Anpfiff außerhalb des Stadions festgesessen und sich trotzdem ruhig verhalten.

Wegen der Geschehnisse wurde der Beginn des Spiels, das Real Madrid am Ende 1:0 gewann, eine gute halbe Stunde nach hinten verlegt. "Als die Menge vor dem Stadion auch nach dem Anpfiff noch anwuchs, löste die Polizei sie mit Tränengas auf", teilte die UEFA mit.

Frankreichs Innenminister Gerald Darmanin wies ebenfalls den Liverpool-Fans die Schuld für das Chaos zu: "Tausende britische 'Fans' - entweder ohne oder mit gefälschten Tickets - erzwangen sich den Weg und verhielten sich teilweise gewaltsam gegenüber den Sicherheitskräften", sagte der Minister. In Paris finden in zwei Jahren die Olympischen Spiele statt. Das Champions-League-Finale galt auch als Probelauf für die dabei geltenden Sicherheitskonzepte.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. Mai 2022 um 10:00 Uhr und 13:00 Uhr in den Nachrichten.