Jogi Löw und Oliver Bierhoff | dpa

DFB zu Löws Rücktritt Keine Zeitnot bei Nachfolger-Suche

Stand: 11.03.2021 17:22 Uhr

Joachim Löw hat bei einer Pressekonferenz des DFB über seinen Rücktritt als Bundestrainer nach der EM gesprochen. DFB-Direktor Oliver Bierhoff sagte am Donnerstag (11.03.2021), bei der Suche nach einem Nachfolger "keine Zeitnot" zu haben. Einen ausländischen Trainer schloss Bierhoff nahezu aus.

Von Marcus Bark

Schon im vergangenen Jahr sei er ins Grübeln gekommen, so Löw, die Entscheidung sei dann "vor ein paar Wochen" gefallen. Warum? Warum jetzt? Was nun? Auf diese Fragen antwortete der Bundestrainer geduldig. Aber es blieb vieles im Ungefähren. "Ich kann grundsätzlich nichts ausschließen", sagte der 61 Jahre alte Löw etwa auf die Frage, ob er nochmal eine Vereinsmannschaft übernehmen wolle.

Am Dienstag (09.03.2021) hatte der Deutsche Fußball-Bund überraschend bekannt gegeben, dass Löw nach der Europameisterschaft im Sommer seine Arbeit als Bundestrainer nach 17 Jahren, davon 15 als Chef, beenden wird.

"Das ist ja im Fußball fast schon eine Ewigkeit", sagte Löw, der "stolz" und "dankbar" auf die Jahre zurückblickte mit dem Höhepunkt der gewonnenen Weltmeisterschaft 2014.

"EM im eigenen Land muss zu einer Explosion führen"

Schon 2020, auch bedingt durch die Corona-Pandemie, habe er für sich überlegt, "im Februar oder März" zu analysieren, wie seine Zukunft aussehe. Die Entscheidung, nach der EM aufzuhören, sei dann "vor ein paar Wochen" gefallen.

Dem Nachfolger bleibe dann genügend Zeit, um die Nationalmannschaft auf die WM 2022 und vor allem die EM in Deutschland zwei Jahre später vorzubereiten. "Das Turnier im eigenen Land muss zu einer Explosion führen", so Löw, der an die WM 2006 erinnerte. Damals seien "neue Wege" beschritten worden: "Es gab neue Reize, ein Umdenken."

Löws Vertrag war ursprünglich bis nach dem Ende der WM in Katar 2022 gültig. Es sei aber "jetzt schon der richtige Zeitpunkt gekommen, um den Stab weiterzugeben." Bei der EM 2024 habe er sich "nicht mehr gesehen".

"Gar keine Zeitnot"

Über die Suche nach einem Nachfolger sagte DFB-Direktor Oliver Bierhoff: "Wir haben absolut gar keine Zeitnot." Es stehe eine "wichtige, aber keine dringende Entscheidung" an. Er wolle jetzt mit seinem Team "Gespräche führen" und "Eindrücke gewinnen".

Er werde in den kommenden Wochen keine Kandidaten kommentieren, sagte Bierhoff und leistete sich einen Seitenhieb: "Dafür haben wir ja genug Experten, die das machen." Der neue Bundestrainer werde auch "nicht nach Umfragewerten" bewertet.

Eines stehe fest: Nur nach Absprache mit dem jeweiligen Verein würden Gespräche mit Trainern geführt, die aktuell noch in einem Vertragsverhältnis stünden. Ohne einen gültigen Arbeitsvertrag ist derzeit Ralf Rangnick, der sich am Mittwoch (10.03.2021) beim Fernsehsender "Sky" durch die Blume für ein Gespräch bewarb: "Derzeit bin ich noch frei."

Bierhoff sagte, dass er zu Namen nichts sagen werde.

Gut eine Stunde dauerte die Pressekonferenz, in der es häufig vorkam, dass nichts ausgeschlossen wurde. So schloss Bierhoff nicht aus, dass eine Frau Bundestrainerin werde. Sie müsste dann allerdings einen deutschen Pass haben, denn der Direktor schloss nahezu aus, dass ein Ausländer Löw nachfolge: "Wir sollten als deutsche Nationalmannschaft schon einen deutschen Trainer haben."

Thema Hummels/Müller umgangen

Ganz und gar nicht ausschließen wollte der Bundestrainer, dass Thomas Müller und Mats Hummels in die Nationalmannschaft zurückkehren. Da das Fachmagazin "Kicker" gemeldet hatte, die beiden hätten ihren Platz im Turnierkader sicher, wurde auch nur nach diesen beiden - und nicht nach dem derzeit ohnehin verletzten Jérôme Boateng gefragt.

Eine Entscheidung falle erst im Mai, sagte Löw, der leicht angesäuert darauf hinwies, dass er die Tür ohnehin nie zugemacht habe.

Nominierung für WM-Qualifikationsspiele am 19. März

Wer im vorletzten Kader stehen wird, den Löw beruft, soll am 19. März bekannt gegeben werden. Ein paar Tage später ist dann Treffpunkt der deutschen Nationalmannschaft, für die drei Spiele der Qualifikation zur WM 2022 anstehen. Jeweils in Duisburg trifft die Auswahl des DFB am 25. März auf Island und am 31. auf Nordmazedonien. Zwischendurch spielt Deutschland am 28. März in Bukarest gegen Rumänien.

Es werden die ersten Partien nach dem fürchterlichen 0:6 in Spanien sein. Das Debakel scheint vergessen zu sein, zumindest bei Fritz Keller. Der DFB-Präsident sagte, und dabei blickte er Joachim Löw an: "Die Spieler werden dir ein großartiges Abschiedsgeschenk machen."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. März 2021 um 15:00 Uhr.