Interview

UEFA-Präsident Michel Platini

Interview zum Skandal bei der FIFA "Platinis Karriere scheint am Ende"

Stand: 20.10.2015 15:18 Uhr

Die FIFA hält am Wahltermin für die Blatter-Nachfolge fest. Dem suspendierten UEFA-Chef Michel Platini öffnete sie zwar eine Hintertür für die Kandidatur. Doch dessen Funktionärskarriere "scheint am Ende", sagt ARD-FIFA-Experte Jochen Leufgens im Interview.

tagesschau.de: Der Termin für die Wahl des neuen FIFA-Chefs wird nicht verschoben. Was bedeutet das jetzt für UEFA-Chef Michel Platini?

Jochen Leufgens: Das FIFA-Exekutivkomitee hat bekannt gegeben, dass es Michel Platini eine Hintertür geöffnet hat: Die FIFA hat den Integritätscheck, der eigentlich für alle Präsidentschaftskandidaten nach den großen Korruptionsvorwürfen und -skandalen der Vergangenheit verbindlich sein sollte, für die gesperrten, vorläufig suspendierten Kandidaten - damit also eindeutig für Michel Platini - ausgesetzt. Das ist die Hintertür, die ihm gerade geöffnet wurde. Auf der anderen Seite hat Michel Platini gestern selber gesagt, dass dieser dubiosen Zahlung, wegen der er unter Verdacht ist, kein Vertragswerk zugrunde liegt. So ist es sehr, sehr unwahrscheinlich, dass er von der Ethikkommission über die 90 Tage hinaus nicht noch weiter gesperrt werden wird. Die Fußball-Funktionärskarriere von Platini scheint am Ende.

tagesschau.de: Wer hat denn dann die größten Chancen, Sepp Blatter als FIFA-Präsident zu beerben?

Leufgens: Der einzige offizielle Kandidat derzeit im Rennen ist Prinz Ali aus dem jordanischen Königshaus. Ihm könnte ein anderer Monarch ein bisschen das Rennen streitig machen, nämlich Scheich Salman aus Bahrain. Der hat angekündigt zu kandidieren, hat seine Unterlagen aber noch nicht eingereicht. Aber auch für Scheich Salman könnte möglicherweise noch die Ethikkommission zum Fallstrick werden. Denn dort steht eine Untersuchung wohl jetzt an gegen ihn – nicht wegen einer dubiosen Zahlung wie bei vielen anderen, sondern wegen Menschenrechtsverletzungsvorwürfen im Zusammenhang mit den Unruhen 2011 in Bahrain. Dort soll er mitverantwortlich sein für Folterungen und für die blutige Niederschlagung der Demokratiebewegung.

Zur Person

Jochen Leufgens ist FIFA-Experte beim WDR. Zusammen mit seinem Kollegen Robert Kempe hat er die ARD-Dokumentation "Der verkaufte Fußball - Blatter und die Macht der FIFA" gedreht und dafür monatelang im Umfeld des FIFA-Präsidenten recherchiert.

tagesschau.de: Im FIFA-Exekutivkomitee sitzt auch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. Jetzt während der Diskussion um mögliche schwarze Kassen zur WM 2006 wird das kein einfacher Gang für ihn gewesen sein heute, oder?

Leufgens: Ich glaube, der Gang war etwas einfacher heute in Zürich als er beispielsweise gestern in Dortmund war. Da wurde das DFB-Fußballmuseum vorgestellt. Wolfgang Niersbach war dort. Es war sein erster öffentlicher Termin seit den Anschuldigungen des Freitags. Und dort hat er noch einmal klar gemacht, dass er keine Fragen beantworten wird. Er konnte gestern auch noch nicht darüber Auskunft geben, was denn mit diesen ominösen 6,7 Millionen Euro tatsächlich passiert ist – ob es eine schwarze Kasse war. Er dementiert das. Er hat aber keine schlüssige Erklärung, was mit diesem Geld passiert ist. Diese Fragen sind weiter offen. Dennoch denke ich, dass in Zürich heute für ihn die Stimmung deutlich höflicher war.

Die Fragen stellte Jan Malte Andresen, Tagesschau24.

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