Die iranische Fußball-Nationalmannschaft steht während der Nationalhymne Schulter an Schulter und singt nicht. | EPA

WM in Katar Irans Team schweigt bei der Nationalhymne

Stand: 21.11.2022 15:09 Uhr

Irans Nationalelf hat sich geweigert, die Nationalhymne vor ihrem Auftaktspiel gegen England zu singen. Viele werten das als Zeichen gegen die Staatsführung. Der Staatssender unterbrach die Übertragung - den Spielern drohen Konsequenzen.

Die Spieler der iranischen Nationalmannschaft haben beim WM-Auftaktspiel gegen England die Nationalhymne nicht mitgesungen. Iranische Aktivisten sehen darin eine Geste der Unterstützung für die landesweiten Proteste im Land. Sie hatten vor der Partie gegen England auf eine Solidaritätsbekundung der Spieler gehofft.

Kapitän bekundete Beileid für Familien

Der iranische Staatssender unterbrach die Live-Übertragung bei der Hymne. Den Spielern könnten nun Konsequenzen drohen. Im Iran war spekuliert worden, dass sie möglicherweise gesperrt werden, sollten sie bei der Hymne schweigen.

Der iranische Kapitän Ehsan Hajsafi hatte sein Beileid für die trauernden Familien der Opfer im Iran ausgedrückt. Die Mannschaft habe zu akzeptieren, dass die Bedingungen im Land nicht gut und die Menschen nicht glücklich seien. Darüber seien sich die Spieler bewusst.

Vor dem Turnier hatte der iranische Stürmer Mehdi Taremi noch erklärt, die Mannschaft wolle sich in Katar nicht von den Protesten in der Heimat beeinflussen lassen. "Wir haben auch andere Aufgaben gegenüber der iranischen Gesellschaft, hier aber ist unsere Konzentration auf dem Fußball", sagte er. 

Proteste seit Mitte September

Seit Mitte September wird der Iran von einer regelrechten Protestwelle erfasst. Anlass war die Verhaftung einer jungen Kurdin, die wenig später in einem Krankenhaus verstarb. Seitdem gehen landesweit Tausende gegen die Regierung auf die Straße.

Die Staatsführung schlägt die Proteste mit Gewalt nieder, mindestens 360 Menschen sollen mittlerweile gestorben sein. Besonders in den Kurdengebieten im Westen des Landes scheint die Lage zu eskalieren. Dort rückten Polizei- und Sicherheitskräfte in mehrere Städte vor und sollen laut Augenzeugen auf Zivilisten geschossen haben.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. November 2022 um 20:00 Uhr.