Kommentar

DFB-Chef Grindel Unschönes Ende eines Ungeeigneten

Stand: 02.04.2019 22:42 Uhr

Der zurückgetretene DFB-Chef Grindel konnte nie verbinden - sondern nur polarisieren. Der DFB sollte nun einen Kandidaten finden, der im Sinne der Mitglieder agiert.

Ein Kommentar von Jörg Tegelhütter, NDR

Eine Luxusuhr, das 6000-Euro-Geschenk eines befreundeten Funktionärs, anzunehmen, war unklug. Aber es war natürlich nicht der Grund für Reinhard Grindels Rücktritt. Um diesen zu verstehen braucht es einen kurzen Blick zurück.

Im Herbst 2015 steckte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) tief in der Krise. Nach dem Skandal um schwarze Kassen im Zusammenhang mit der WM 2006 und dem Rücktritt des damaligen Präsidenten Wolfgang Niersbach war die Defensive beim größten Sportfachverband der Welt gefordert. Nur einer spielte auf Angriff: Grindel. Als Schatzmeister brachte sich der Niedersachse in Position und stand am Ende da, wo ein Stürmer stehen muss: quasi freistehend vor dem Tor als einziger Kandidat. Das war eine Chance, die sich der machtbewusste Grindel nicht entgehen ließ.

Aus der Not geboren

Der konservative Berufspolitiker Grindel verstand es nie, den vielen verschiedenen Strömungen im deutschen Fußball gerecht zu werden. Bei den Amateuren war der gelernte Journalist nie wirklich beliebt. Und Themen wie Diversität oder Integration blieben dem 57-Jährigen irgendwie fremd. So wie nach der verkorksten WM 2018, als ihm der zurückgetretene Mesut Özil im Zuge einer unsäglichen Diskussion am Ende sogar Rassismus vorwarf. Ein haltloser Vorwurf, der aber deutlich machte: Grindel konnte nie verbinden - nur polarisieren. 

Strittige Entscheidungen wie zuletzt das Nationalmannschafts-Aus der drei Bayern-Spieler kommentierte er gern, um sich später als "falsch verstanden" darzustellen. Seine Erfolge, wie der Zuschlag für die EM 2024 waren längst verblasst. Und im DFB-Präsidium wuchs die Erkenntnis, den falschen Mann an die Spitze gewählt zu haben. Am Ende stand Grindel alleine da. Gedemütigt, nachdem Interna über Zusatzeinkünfte an die Presse gelangten. Ein unschönes Ende eines ungeeigneten Präsidenten.

Der Deutsche Fußball-Bund sollte nun die richtigen Schlüsse ziehen und einen Kandidaten finden, der überparteilich und bescheiden und im Sinne der Mitglieder agiert.  Leicht wird das nicht, aber man hat ja auch ein halbes Jahr Zeit.

Kommentar zum Rücktritt von Grindel
Jörg Tegelhütter, NDR
02.04.2019 16:22 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 02. April 2019 um 17:05 Uhr.

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