Ein Greenpeace-Aktivist landet auf dem Spielfeld  | dpa/Christian Charisius

Bruchlandung mit Gleitschirm Verletzte bei Greenpeace-Protestaktion

Stand: 15.06.2021 22:15 Uhr

Ein Greenpeace-Aktivist hat beim Spiel der deutschen Mannschaft gegen Frankreich bei einer Protestaktion die Kontrolle über seinen Gleitschirm verloren und laut Polizei zwei Menschen verletzt. Greenpeace teilte mit, dass die Aktion ganz anders geplant war.

Von Chaled Nahar

Der Gleitschirmflieger kollidierte am Dienstag beim Flug über das Münchener Stadion mit einem zur Dachkonstruktion gehörenden Seil. Anschließend flog er nur knapp über die Tribüne und landete mit Mühe noch auf den Rasen.

Polizei: zwei Männer verletzt

Die Polizei München teilte auf Anfrage der Sportschau mit, dass zwei Männer bei der Aktion Kopfverletzungen davongetragen hätten. "Beide Personen werden aktuell in Münchner Krankenhäusern behandelt", sagte ein Polizeisprecher. Zur Schwere der Verletzungen sagte er: "Es war keine akute notärztliche Versorgung erforderlich." Sportschau-Reporter im Stadion berichteten, dass die Aktion durchaus schlimmer hätte ausgehen können, wenn der Gleitschirmflieger im Tribünenbereich oder an den Ersatzbänken gelandet wäre.

Der Pilot selbst "macht keine Verletzungen geltend", so die Polizei. Der Gleitschirmflieger wurde von Sicherheitskräften aus dem Innenraum geführt. Nach Polizeiangaben von Dienstag befand er sich während des Spiels im Stadion in der Gefangenensammelstelle und wurde dort befragt. Wie das Polizeipräsidium München am Mittwoch mitteilte, werde nun gegen den Mann wegen verschiedener Delikte nach dem Strafgesetzbuch und dem Luftverkehrsgesetz ermittelt.

Greenpeace: "Der Gleitschirm-Pilot wollte gar nicht ins Stadion"

Ein Ordner entfernt einen "Kick Out Oil - Greenpeace"-Ball vom Spielfeld | Lukas Barth-Tuttas/Getty Images

Ein Ordner entfernt einen "Kick Out Oil - Greenpeace"-Ball vom Spielfeld Bild: Lukas Barth-Tuttas/Getty Images

"Der Pilot wollte gar nicht ins Stadion. Er wusste, dass es zu gefährlich ist", sagte ein Greenpeace-Sprecher auf Anfrage der Sportschau. Möglicherweise sei er vom Wind überrascht worden. Geplant sei eigentlich gewesen, dass der Pilot lediglich einen großen Latexball ins Stadion fallen lässt, auf dem die Botschaft stand, die Greenpeace verbreiten wollte, so der Sprecher.

"Kick Out Oil" war deshalb auf besagtem Latexball zu lesen. Greenpeace wollte für "mehr Tempo beim Ausstieg aus klimaschädlichen Verbrennungsmotoren beim EM-Sponsor Volkswagen demonstrieren", teilte die Umweltschutzorganisation mit. "Kick Out Oil" stand auch auf dem Gleitschirm, daneben befand sich ein Logo von Volkswagen.

"Es war natürlich nie unsere Absicht, jemanden zu verletzen. Das tut uns unfassbar leid", so der Greenpeace-Sprecher. Auf Twitter schrieb die Organisation: "Dieser Protest hatte nie die Absicht, das Spiel zu stören oder Menschen zu verletzen."

DFB und UEFA kritisieren Greenpeace

Jens Grittner, Sprecher des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), sagte nach dem Spiel: "Wir verurteilen die Aktion, derjenige hat nicht nur sich und andere gefährdet und verletzt. Das hätte weitaus schlimmer ausgehen können." Die UEFA bezeichnete das Vorhaben als "rücksichtslos" und "gefährlich".

"Greenpeace"-Demonstrant nach der Landung mit Antonio Rüdiger | Lukas Barth-Tuttas/Getty Images

"Greenpeace"-Demonstrant nach der Landung mit Antonio Rüdiger Bild: Lukas Barth-Tuttas/Getty Images

Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin am 16. Juni 2021 um 00:42 Uhr.