DFL-Chef Christian Seifert | Bildquelle: AFP

Mitgliederversammlung der DFL "Schwierigste Spielzeit" für deutschen Fußball

Stand: 03.09.2020 19:56 Uhr

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wollen sich in der Coronaforschung engagieren. DFL-Chef Christian Seifert sieht die "schwierigste Spielzeit" für den deutschen Fußball.

"Die Organisation und Durchführung dieser Spielzeit wird um ein Vielfaches komplizierter als die Beendigung der letzten Spielzeit", sagte der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga am Donnerstag (03.09.2020) nach einer außerordentlichen Mitgliederversammlung in Frankfurt am Main. "Man muss kein Philosoph und kein Prophet sein, um die Aussage zu treffen, dass dies die anspruchsvollste und schwierigste Spielzeit des professionellen Fußballs in Deutschland wird", fügte Seifert hinzu.

Die 1. und 2. Bundesliga wollen am 18. September in die neue Saison starten. Dabei müssen die Klubs weiterhin vor weitgehend leeren Rängen spielen. Die DFL und ihre Klubs würden ein "Höchstmaß an Energie" benötigen, um die kommende Saison zu bewältigen, sagte Seifert. Es bedürfe bei der Planung "Besonnenheit und Mut".

Angstfreier Umgang mit der Corona-Pandemie

Trotz des noch mindestens bis Ende Oktober geltenden Verbots für Sport-Großveranstaltungen hat Seifert erneut für eine Zulassung von Zuschauern geworben. Die Frage, ob dies bei steigenden Corona-Infektionszahlen das richtige Zeichen wäre, sei zwar "absolut berechtigt und die muss auch gestellt werden", sagte er. Die Rückkehr von Fans könne aber auch "ein ganz wichtiges und sehr positives Zeichen sein. Ein Zeichen, dass sich tausende Menschen sehr wohl an Hygieneregeln halten wollen und halten können", so Seifert.

Die Angst vor möglichen Folgen einer Zuschauer-Rückkehr dürfe die Entscheider nicht lähmen, mahnte Seifert. Mit den vielen Unsicherheiten müsse man "offensiv und bedacht umgehen". Er wünsche sich einen angstfreien Umgang mit der Corona-Pandemie.

Wettbewerbsverzerrung wegen Fans im Stadion kein Thema

Die unterschiedlichen Verfügungslagen zur Zulassung von Zuschauern sind für die 36 Vereine keine Wettbewerbsverzerrung. "Ich würde das scharfe Schwert der Wettbewerbsverzerrung mal stecken lassen, aber das hat heute auch keiner gezogen", sagte Seifert: "Das trifft für mich auch nicht den Kern." Selbst mit einigen Zuschauern werde wegen der Corona-Pandemie unter sehr besonderen Voraussetzungen gespielt. "Ich finde es viel zu hoch geschossen, von Wettbewerbsverzerrung zu sprechen", sagte Seifert.

In Leipzig hatten die zuständigen Behörden grünes Licht für die Zulassung von bis zu 8.500 Zuschauern bei Heimspielen von Bundesligist RB gegeben. In Berlin sieht die Corona-Verordnung bis zu 5.000 Fans vor. In anderen Bundesländern werden dagegen keine oder nur wenige Hundert Zuschauer zugelassen. "Grundsätzlich" sei die DFL dafür, dass es zu einer "bundeseinheitlichen Regelung" kommt, sagte Seifert. Das sei bei der Mitgliederversammlung kein Streitthema gewesen.

Weiter fünf Auswechslungen - Hygienekonzept bestätigt

Den Mannschaften der Fußball-Bundesliga und der 2. Liga werden auch in der kommenden Saison fünf Auswechslungen zur Verfügung stehen. Damit wird die Regelung verlängert, die seit dem Neustart der vergangenen Spielzeit gilt. Bereits Anfang der Woche hatte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) entschieden, im DFB-Pokal der Männer und Frauen, der Frauen-Bundesliga sowie der 2. Frauen-Bundesliga weiterhin fünf Wechsel zu erlauben. Nicht zur Anwendung kommt die Regelung dagegen in der 3. Liga. Die Klubs und der Ausschuss hatten sich mehrheitlich dafür ausgesprochen, zur vorherigen Beschränkung auf drei Auswechslungen zurückzukehren.

Grünes Licht haben die Profiklubs für das überarbeitete Hygienekonzept gegeben. Rund um den Spielbetrieb wird künftig beim Corona-Testungsschema eine Gliederung in drei Stufen der Pandemie-Aktivität vorgenommen. Die Einteilung folgt der Anzahl an Neuinfektionen pro Woche pro 100.000 Bürger im jeweiligen Landkreis eines Klubs und den angrenzenden Landkreisen. Das Pandemie-Level gilt ab 35 Neuinfektionen als "hoch", zwischen fünf und 35 als "mittel" und unterhalb von fünf als "niedrig".

DFL und DFB begleiten mehrere Corona-Studien

DFL und DFB werden sich im "finanziell signifikanten" Umfang an mehreren Studien zur Coronavirus-Pandemie beteiligen und diese wissenschaftlich begleiten. Das kündigte Seifert an. Konkret geplant sind Studien, die Aufschlüsse zur Wiederzulassung von Zuschauern in die Stadien liefern könnten, beispielsweise zu "konkreten Ansteckungsgefahren bei verschiedenen Zuschauerszenarien", sagte Seifert: "Die Studien beginnen so schnell wie möglich. Wir gehen davon aus, dass wir nach dem Start des Spielbetriebs so schnell als möglich die ersten Ergebnisse vorlegen können."

Weiterhin sollen Zuschauerbewegungen innerhalb und außerhalb der Stadien erforscht werden. Eine weitere Studie soll sich auf Aerosole in geschlossenen Räumlichkeiten fokussieren, eine andere auf die Erarbeitung von alternativen Testverfahren. Die gewonnen Erkenntnisse sollen "so früh wie möglich" mit allen interessierten Partien geteilt werden, sagte Seifert. Das gelte insbesondere auch für den gesamten Kultur- und Veranstaltungsbereich.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. September 2020 um 20:00 Uhr.

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