Polizisten versprühen Pfefferspray

Nach Russland - Slowakei Englische Fans randalieren in Lille

Stand: 15.06.2016 22:38 Uhr

In Lille hat es wieder Randale gegeben - dieses Mal von englischen Fans. Insgesamt nahm die Polizei 16 Menschen fest. Zudem wurden drei Fußball-Anhänger ausgewiesen. Zuvor hatte sich Moskau verärgert gezeigt über die Festnahmen russischer Fans - und den französischen Botschafter einbestellt.

Nach dem EM-Spiel Russland gegen die Slowakei ist es in Lille zu neuen Auseinandersetzungen gekommen. Die Polizei ging mit Tränengas gegen mehrere Hundert englische Fans vor. Es gab mindestens einen Verletzten. Die Unruhen begannen nach einem lauten Knall, verursacht vermutlich durch einen Feuerwerkskörper. Rund 200 englische Fans rannten daraufhin durch die umliegenden Straßen - viele von ihnen waren offensichtlich stark betrunken. Die folgenden Auseinandersetzungen mit der Polizei dauerten nur wenige Minuten. England spielt am Donnerstag im 30 Kilometer entfernten Lens gegen Wales.

Mehrere Festnahmen und Ausweisungen

Vor und während des Spiels war es in Lille weitgehend ruhig geblieben. Die zuständige Präfektur meldete insgesamt 16 Festnahmen - darunter sechs Russen, die an den Ausschreitungen in Marseille am vergangenen Samstag beteiligt waren. Zudem wurde ein Zug aus London auf dem Weg nach Calais gestoppt und fünf Passagiere wegen Trunkenheit festgenommen. Wegen Störung der öffentlichen Ordnung wurden zudem drei Russen und ein Ukrainer ausgewiesen. Die Behörden sprachen von einer extrem beruhigenden Bilanz.

Trotzdem kündigten die Sicherheitsbehörden an, am Abend und am Donnerstag weiter Präsenz zeigen. Für das Spiel in Lille und die Partie England gegen Wales am Donnerstag in Lens waren verschärfte Sicherheitsvorkehrungen angeordneten worden - vor allem als Konsequenz aus den Hooligan-Ausschreitungen vor und nach dem Spiel zwischen England und Russland am Samtag. Die UEFA hatte nach den Krawallen im Stadion eine Geldstrafe von 150.000 Euro gegen die Russen verhängt und mit einem sofortigen Ausschluss aus dem Turnier gedroht.

Im EM-Spielort Lille stehen Dutzende Polizisten bereit, um Krawalle von Fußball-Fans zu verhindern.

Die französischen Sicherheitskräfte sind am Limit. Allein in Lille sind rund 4000 Sicherheitskräfte im Einsatz.

Russland bestellt französischen Botschafter ein

Die Krawalle von Samstag und ihre Folgen belasten zunehmend auch das politische Klima. Nach der Festnahme von mehr als 40 russischen Fans am Dienstag bestellte das Außenministerium in Moskau den französischen Botschafter ein. Bei dem Gespräch mit Jean-Maurice Ripert sei deutlich gemacht worden, dass ein "weiteres Schüren von anti-russischer Stimmung" die "Atmosphäre der russisch-französischen Beziehungen deutlich belasten" könne.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow kritisierte in Moskau die Festnahmen als Verstoß gegen internationale Regeln. Zugleich warf er auch den russischen Fans Fehlverhalten vor. "Es ist inakzeptabel, wie sich einige unserer Bürger benommen haben, die mit Feuerwerkskörpern gekommen sind."

Russlands Sportminister Witali Mutko hatte zuvor neue Randale durch mitgereiste Fans nicht ausgeschlossen. "Unsere Fans werden ständig provoziert", sagte er am Mittwoch in Moskau der Agentur TASS - eine Einschätzung, die in Russland verbreitet ist, sich aber nicht mit den Beobachtungen der französischen Behörden deckt. Mutko argumentierte weiter, russische Fans würden häufig zu Unrecht bezichtigt. Die meisten der 12.000 Anhänger der "Sbornaja" seien aber friedlich.

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KOMMENTARE

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tagtest 16.06.2016 • 02:10 Uhr

@Australitis 23:45, Eben! Wie war das nochmal!?

"Wie war das damals nochmal... als deutsche Hooligans einen franzoesichen Polizisten zum Kruepel gepruegelt und getreten haben?..." Eben! Wie war das nochmal!? Da informieren Sie sich doch mal am Besten darüber! Ganz Deutschland inklusive aller Funktionäre, Fans und Politiker ist damals vor Scham in den Erdboden versunken und hat den französischen Polizisten um Vergebung gebeten. Und heute? Der französische Polizist ist schwer behindert. Und er HAT Deutschland vergeben. Und zwar gerade wegen Deutschlands empathischer Reaktion ohne jegliches Wenn und Aber damals. Dagegen kontrastiert das widerliche, pseudo-argumentative kalte Sich-Herum-Winden russischer Funktionäre und Politiker (von den dortigen Claqueuren ganz zu schweigen!) angesichts des Verhaltens russischer Hooligans doch scharf.