Polizei in Frankreich

EM-Spiele von Russland und England Bange Stunden in Lens und Lille

Stand: 15.06.2016 14:13 Uhr

Die EM in Frankreich soll ein Fest sein - in manche Spielorte bringt sie aber auch die Angst vor gewalttätigen Hooligans. In Lille und Lens wurde das Polizeiaufgebot massiv aufgestockt. Die russische Regierung aber schließt neue Randale nicht aus.

Die Bilder aus Marseille sollen sich nicht wiederholen: Rund um die EM-Spiele in Lille und Lens hat die französische Polizei ihre Präsenz deutlich ausgeweitet. 4000 Polizisten sind im Einsatz, der Verkauf harter Alkoholika wurde vorübergehend untersagt, die Sperrstunde um eine Stunde auf Mitternacht vorgezogen.

Bis zum Mittag schien diese Strategie aufzugehen. Die Polizei notierte keine gravierenden Zwischenfälle, nur am Vorabend hatte es in Lille eine kurze Prügelei zwischen russischen und englischen Fans gegeben, die von den Sicherheitskräften aber rasch unterbunden wurde.

Sportminister verteidigt Fans

Die politische Debatte um die richtige Reaktion auf die Gewalt und die notwendigen Gegenmaßnahmen ist aber weiter im Gange. Der russische Sportminister Witalij Mutko schloss neue Ausschreitungen nicht aus. "Unsere Fans werden ständig provoziert", sagte er der Agentur TASS - eine Einschätzung, die in Russland verbreitet ist, sich aber nicht mit den Beobachtungen der französischen Behörden deckt.

Mutko argumentierte weiter, russische Fans wurden häufig zu Unrecht bezichtigt. Die meisten der 12.000 Anhänger der "Sbornaja" seien aber friedlich.

Während Mutko Verständnis für die Festnahme einer Gruppe russischer Fans in Marseille zeigte - so lange sie im Fall der Unschuld wieder freigelassen würden -, kritisierte Außenminister Sergej Lawrow die Aktion. Die Festnahme der Fans sei "absolut inakzeptabel", sagte er in einer Rede im Parlament. Als ebenso inakzeptabel bezeichnete er aber auch das Verhalten einiger Fans, die mit Feuerwerkskörpern ins Stadion gekommen seien. Auch in der russischen Meisterschaft werde es "abgelehnt, wenn diese Fans den Leuten das Fest verderben".

De Maizière versteht Schnellverfahren

Bundesinnenminister Thomas de Maizière stärkte dagegen den französischen Sicherheitsbehörden den Rücken. Er habe volles Vertrauen in sie und auch Verständnis für die Schnellverfahren gegen gewalttätige Fans, sagte er in Paris. Der Minister hatte dort an einer Sitzung des französischen Kabinetts teilgenommen.

Die Bundesregierung habe der französischen Polizei die Namen von Gefährdern mitgeteilt, betonte de Maizière - in Lille waren am Wochenende auch deutsche Hooligans an Krawallen beteiligt gewesen.

In den Stadien selbst will die französische Polizei ein Aufeinandertreffen unterschiedlicher Fan-Gruppen verhindern - auch Polizisten in Zivil sollen für mehr Sicherheit sorgen.

Am Samstag hatten sich Engländer und Russen in der südfranzösischen Stadt heftige Straßenschlachten geliefert. Dabei wurden 35 Menschen verletzt, ausnahmslos Briten. Die Gewalt soll vor allem von den Russen ausgegangen sein. Dennoch wurden am Samstag zunächst keine russischen Hooligans festgenommen.

Quelle: sportschau.de

Darstellung: