Teilnehmer der DreamHack Atlanta 2018 im November vergangenen Jahres | Bildquelle: AFP

Studie zu eSportlern Sechs Tasten pro Sekunde

Stand: 12.02.2019 00:42 Uhr

Auf eSports-Turnieren wie der DreamHack begeistern die Spieler viele Fans mit ihrer unglaublichen Schnelligkeit. Die Sporthochschule Köln untersucht ihre Fähigkeiten und Trainingsmethoden - mit überraschenden Ergebnissen.

Von Philipp Wundersee, WDR

Einige Athleten kommen auf Rekordwerte von 300 bis 400 Tastenaktionen pro Minute. Fast unbemerkt fliegen sie mit ihren Fingern über die Tastatur und fokussieren den Bildschirm vor sich. In der sogenannten Testbatterie der Deutschen Sporthochschule in Köln analysieren Wissenschaftler die Fähigkeiten dieser Spieler. Getestet wird mit dem Sport-Simulationen "FIFA", dem Ego-Shooter "Counter-Strike" oder dem Strategie-Klassiker "League of Legends".

Chuck Tholl, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt, beobachtet die Probanden. "Wir überprüfen hier die Augenreaktionen, die Koordination, die Feinmotorik und die Aufmerksamkeit der Spieler", sagt er. In einer Ecke steht ein Computer, der mit einer Kamera die Augenbewegung der Spieler aufzeichnet. Ein Fahrradergometer bringt die Probanden an ihre Leistungsfähigkeit.

Die Tests dauern rund zweieinhalb Stunden. Und die Ergebnisse sind erstaunlich. "ESport ist natürlich in erster Linie ein mentaler Sport, da die Spieler im Schnitt 25 Stunden in der Woche sitzen und am Rechner trainieren", sagt Tholl. Die Tests der Forscher zeigen, dass die Feinkoordination der eSportler deutlich besser ist als bei der Allgemeinheit. Auch die Reaktionsfähigkeit ist außergewöhnlich gut. Sie ist besser als bei Volleyballern, aber schlechter als bei Fechtern, geht aus den Studien hervor.

Zuschauer auf der DreamHack Atlanta 2018 im November vergangenen Jahres | Bildquelle: AFP
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Zuschauer auf der DreamHack Atlanta 2018 im November vergangenen Jahres. Die Bekanntheit von eSports wächst.

Mit eSport-Studie zu besseren Trainingsplänen

In einer aktuellen Studie haben die Kölner Wissenschaftler 1200 eSportler aus dem Profi- und Amateurbereich befragt. "Viel hilft nicht immer viel - das trifft auch beim eSport zu", sagt Tholl. "Die meisten Spieler üben leider einfach nur viele Stunden das reine Spielen. Nur jeder dritte Teilnehmer trainiert explizit Spielmechanik. Ganzheitliche Ansätze, die auch ein Training abseits des Computers beinhalten, finden wir nur vereinzelt wieder." Schritt für Schritt wollen die Wissenschaftler nun Gesundheits- und Trainingsverhalten von eSportlern verbessern.

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Über 34 Millionen Menschen spielen laut Branchenverband "Game" Computer- und Videospiele. Gleichzeitig wachse die Bekanntheit von eSports, also dem professionellen Spielen. "Es geht beim digitalen Sport um das soziale Moment, darum, miteinander zu spielen, sich als Team abzustimmen und zusammenzuarbeiten. Die eSports-Teams bestehen längst aus Spielern aus allen Teilen der Erde und Turniere werden international ausgetragen", sagt der Geschäftsführer des Verbands Felix Falk.

Knapp jeder vierte Spieler in Deutschland könne sich vorstellen, in einem eSport-Verein aktiv zu werden und sich dort zu engagieren. "ESports sind auch in Deutschland längst ein Massenphänomen, das weit über die Kernzielgruppe hinaus bekannt ist", sagt Falk. "Damit kann eSports auch in dem gesellschaftspolitisch wichtigen Feld der Vereinsarbeit einen Platz finden."

DreamHack

Auf dem Messegelände in Leipzig findet vom 15. bis 17. Februar das Gaming-Festival DreamHack Leipzig statt. Es ist Deutschlands größte LAN-Party.

Bei dem Computerspiele-Marathon können die Spieler 56 Stunden am Stück spielen. Außerdem finden auf der DreamHack verschiedene eSports-Turniere statt. Mehrere Tausend Zuschauer werden erwartet.

DreamHack ist ein Organisator für ein gutes Dutzend digitaler Veranstaltungen mit demselben Namen. In Leipzig ist der Auftakt für eine Tour durch Europa, Nord- und Südamerika, die Ende November in Jönköping in Schweden ihren Abschluss findet.

Ein gigantischer Markt im Wachstum

Der Umsatz im eSport wächst rasant. Allein in den letzten zwei Jahren hat er sich fast verdoppelt. Branchenkenner rechnen in diesem Jahr mit 110 bis 130 Millionen Euro Umsatz in Deutschland. Große Unternehmen investieren vermehrt in eSport. Spieleentwickler und Veranstalter wissen, wie viel Geld sich mit dem digitalen Sport machen lässt und wie viel Bewegung in der Branche herrscht.

Der Verein Hertha BSC hat als erster Fußball-Bundesligist eine eigene Akademie für eSport gegründet. "Deutschland ist zwar ein großer Absatzmarkt, hat mitunter internationale Turniere und ist zudem noch Gastgeber der weltgrößten Branchenmesse gamescom", sagt Christopher Flato vom Veranstalter ESL. Die Entwicklungsarbeit finde aber nahezu komplett woanders statt. Lediglich sechs Prozent des Spieleumsatzes in Deutschland werde mit Titeln gemacht, die auch hierzulande entwickelt wurden. Das müsse sich ändern.

Teilnehmer der DreamHack Leipzig im Jahr 2016 | Bildquelle: dpa
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Teilnehmer der DreamHack Leipzig im Jahr 2016. In diesem Jahr gibt es Preisgelder in Höhe von 100.000 Euro.

Nachwuchsförderung und Breitensport

Vergangene Woche saß Flato im Landtag in Nordrhein-Westfalen und warb für eSport. "Zwar hat sich der eSport in den vergangenen Jahren in wirklich allen Belangen exponentiell entwickelt und wird es auch beständig weiter tun. Allerdings würde eine offizielle Anerkennung als Sportart vieles bewirken", sagt Christopher Flato. "Von Nachwuchsförderung bis hin zu steuerrechtlichen Vorteilen für ehrenamtliche Vereine kann man hier besonders dem Breitensport sehr gut unter die Arme greifen."

Der eSport-Bund Deutschland zählt derzeit 100 Vereine, die bereits in Deutschland in dem Bereich tätig sind oder ihre eSport-Abteilung gerade ausbauen. In dieser Woche startet in Leipzig das Gaming-Festival DreamHack. Gleich mehrere Turniere werden ausgetragen, der Veranstalter spricht von 1700 Gamern bei dem deutschen Ableger des weltweit größten Games-Festival. Auf die Fans warten spannende Spiele in "Mario Kart", "Rocket League" oder "Counter-Strike". Auf die teilnehmenden Teams warten Preisgelder in Höhe von 100.000 US-Dollar.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk NOVA am 17. Januar 2019 um 18:00 Uhr.

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