Dopingmittel

Folgen der ARD-Recherche Athleten, Trainern und Ärzten droht Doping-Sperre

Stand: 16.08.2015 19:46 Uhr

Die ARD hat mit ihren Dokumentationen "Geheimsache Doping" die Leichtathletik-Szene erschüttert: Insider lieferten Belege für den Betrug im Spitzensport, dazu der Blick in eine brisante Blut-Datenbank des Weltleichtathletikverbandes IAAF. Jetzt wird klar: Die Enthüllungen haben Folgen.

Von Daniel Bouhs und Hajo Seppelt, WDR

In den ARD-Beiträgen waren sie zu sehen und zu hören: Acht russische Athleten, Trainer und Verbandsärzte, die Dopingmittel nahmen oder verteilten. Der Weltleichtathletikverband IAAF hat nun reagiert: Nach Informationen der Sportschau soll der nationale Verband seine Leute gemäß den IAAF-Richtlinien bestrafen. Heißt: Athleten wie Olympiasiegerin Maria Savinova droht eine weltweite Wettkampf-Sperre für vier Jahre - mindestens. Trainern und Ärzten könnte gar lebenslange Verbote aufgebrummt bekommen. Außerdem dürften etliche Titel und Medaillen aberkannt werden.

Den Informationen zufolge hat die russische Leichtathletik gleich noch ein Problem: Erst im vergangenen Monat sollen sechs russische Geher positiv auf das verbotene Wachstumsmittel Epo getestet worden sein. Aber auch über Russland hinaus gibt es Probleme. Wie jetzt bekannt wurde, hat es bereits 2013 bei Nachtests von Dopingproben der Teilnehmer der Leichtathletik-WM 2009 in Berlin drei positive Dopingtests gegeben - genommen wurden dafür gerade mal 20 Proben. Im Schnitt war also rund jeder siebte getestete Athlet allein hier positiv.

Ärger bei deutschen Sportlern

Deutsche Sportler gehen unterdessen mit ihrem Frust über die internationale Leichtathletik-Szene an die Öffentlichkeit. Der ehemalige Geher André Höhne, der inzwischen Trainer ist, sagte der Sportschau: "Ich komme mittlerweile ein bisschen in Erklärungsnot vor den Kindern und den Eltern, wenn ich ihnen unseren Sport, die Leichtathletik, irgendwie noch versuche schmackhaft zu machen."

Zusammen mit dem Diskuswerfer Robert Harting und dem 800-Meter-Läufer Robin Schembera startet Höhne eine Transparenz-Offensive: Der Sportschau gaben die drei ihre Werte zur Veröffentlichung frei, die sich in der geheimen IAAF-Datenbank finden, die ARD und die Zeitung "Sunday Times" gemeinsam ausgewertet haben. Alle sind im sauberen Bereich. Harting sagte: "Wenn eindeutig ist, wie wir arbeiten und das an unserem Innersten zu erkennen ist, dann ist es doch gar keine Frage, dass man das auch zeigen kann."

29 Prozent aller Sportler gedopt?

Die Sportler fordern eine radikale Reform von der IAAF. Die hält unterdessen seit zwei Jahren eine Studie zurück, an der die Athleten der WM 2011 anonym teilnahmen. Die Erhebung liegt der Sportschau vor. Danach gaben mindestens 29 Prozent an, gedopt zu haben. Die Trefferquote bei Doping-Kontrollen zu den selben Zeitpunkten: nur maximal zwei Prozent. Eine riesige Diskrepanz.

Die Verfasser der für den Weltleichtathletikverband unangenehmen Studie kommen unter anderem von der Uni Tübingen. Ein Sprecher der Hochschule teile mit, dass die IAAF seit zwei Jahren die Publikation der Studie verhindere und sprach von einem „schwerwiegenden Eingriff in die Publikationsfreiheit“. Die IAAF erklärte am Sonntag wiederum, von ihr habe es kein Veto gegeben. Allerdings habe man ernsthafte Zweifel an den erhobenen Daten. Man sei mit den Wissenschaftlern im Gespräch.

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