Novak Djokovic (Archivbild) | REUTERS

Tennisstar Djokovic zu Vorwürfen Etwas zugeben, viel abstreiten

Stand: 12.01.2022 10:54 Uhr

Noch ist Tennisstar Djokovic in Australien, eine Entscheidung des Einwanderungsministers steht aber weiterhin aus. Der Serbe äußerte sich nun erstmals selbst zu den Vorwürfen gegen ihn - nicht alle bestritt er.

Mit einer langen Stellungnahme via Instagram hat sich Novak Djokovic erstmals selbst seit seinen Einreiseproblemen nach Australien öffentlich geäußert, dabei aber für weitere Widersprüche gesorgt.

Zwei Vorwürfe bestritt der serbische Tennisprofi vehement: Weder habe er absichtlich eine falsche Angabe gemacht zu seinem Reiseverhalten in den 14 Tagen vor dem Flug nach Australien, noch habe er im Wissen seines positiven Coronatests im Dezember eine Veranstaltung mit Kindern in seinem Heimatland Serbien besucht und sich dort ohne Maske bewegt.

Djokovic bezeichnete die "Fehlinformationen", die korrigiert werden müssten, als "verletzend und beunruhigend" für seine Familie. Er wolle darauf hinweisen, dass er sich sehr um die Sicherheit anderer und das Einhalten von Testvorgaben bemüht habe. Es sei ihm wichtig gewesen, all dies klarzustellen, aber er werde sich aus Respekt vor der australischen Regierung nicht weiter zu den Vorkommnissen äußern.

Djokovic bestreitet Gefährdung von Kindern

Bei der Veranstaltung mit Kindern in Belgrad, bei der er am 17. Dezember und damit laut vorheriger Angaben in den Gerichtsdokumenten einen Tag nach "Test und Diagnose" ohne Maske aufgetreten war, habe er von dem positiven Resultat noch nichts gewusst. Er habe am 16. Dezember einen negativen Antigentest gemacht und aus reiner Vorsicht auch noch einen PCR-Test. "Ich hatte keine Symptome und fühlte mich gut und ich erhielt die Nachricht des positiven PCR-Tests erst nach der Veranstaltung", schrieb Djokovic.

Am gleichen Tag hatte der Tennisprofi jedoch auch an einer Zeremonie zur Vorstellung von Briefmarken der serbischen Post mit seinem Bild teilgenommen. Diese Veranstaltung in seinem Heimatland erwähnte er in seinem Statement allerdings nicht.

Für die falsche Angabe in seinem Einreiseformular, auf dem vermerkt war, dass er in den 14 Tagen vor seinem Flug nach Australien nicht gereist sei, machte Djokovic seinen Agenten verantwortlich. Dessen "menschlicher Fehler" sei "sicher nicht absichtlich" geschehen. Australische Medien hatten zuvor berichtet, dass Djokovic sich in den 14 Tagen vor seinem Abflug aus Spanien, wo er trainierte, auch in Serbien aufgehalten hatte, dies jedoch nicht in dem Formular angegeben wurde. Sein Aufenthalt lässt sich mithilfe von Fotos aus sozialen Netzwerken belegen.

Interview trotz positivem Test

Einen der gegen ihn gerichteten Vorwürfe gab Djokovic in seinem Instagram-Statement zu: Bei einem Interview mit der französischen Sportzeitung "L'Equipe" am 18. Dezember wusste er bereits von seinem positiven Testergebnis und sagte den Termin dennoch nicht ab. Er habe lediglich Abstand gehalten und seine Maske nur für den Fotografen abgesetzt, so Djokovic.

"Obwohl ich nach dem Interview nach Hause bin und mich für die vorgeschriebene Dauer in Isolation begeben habe, war das nach genauerem Nachdenken eine Fehleinschätzung und ich sehe ein, dass ich diese Verpflichtung hätte verschieben sollen", schrieb er.

Serbische Regierungschefin äußert sich erneut

Angesichts der möglicherweise in Serbien begangenen Verstöße gegen die dortigen Corona-Regeln äußerte sich auch die serbische Ministerpräsidentin Ana Brnabic erneut zum Fall Djokovic. Sein Verhalten werfe Fragen mit Blick auf mögliche Gesetzesverstöße auf. "Da besteht eine gewisse Grauzone, und Antworten in dieser Hinsicht kann nur Novak geben", sagte die Politikerin am Dienstagabend dem britischen Fernsehsender BBC.

Sie selbst könne weder wissen noch beurteilen, ob Djokovic von seinem positiven Ergebnis wusste, als er sich am Tag nach dem Test ohne Abstand und Maske bei einer Veranstaltung mit Kindern präsentierte. In der vergangenen Woche hatte Brnabic davon gesprochen, dass sie politische Gründe hinter der Einreisesperre vermute.

Ministerentscheidung wohl erst am Donnerstag

Djokovic war in der vergangenen Woche am Flughafen in Melbourne die Einreise nach Australien verweigert worden, weil er nicht gegen das Coronavirus geimpft ist und den Behörden die Dokumentation seiner medizinischen Ausnahmegenehmigung nicht ausreichte. Weil die Grenzbeamten ihm allerdings nicht die vereinbarte Zeit zur Klärung zugestanden hatten, wurde die Entscheidung im Laufe einer Gerichtsverhandlung am Montag gekippt.

Der australische Einwanderungsminister Alex Hawke hat sich seither vorbehalten, von seinem persönlichen Recht Gebrauch zu machen und Djokovics Visum dennoch ungültig zu machen. Diese Entscheidung steht noch aus und soll wohl nicht vor Donnerstag fallen. Das berichtete die australische Nachrichtenagentur AAP.

Neue Informationen der Anwälte des 34 Jahre alten Serben hätten den Zeitrahmen verschoben, teilte das Büro des australischen Einwanderungsministers mit. Es seien weitere Dokumente vorgelegt worden, die sich als relevant für eine mögliche Annullierung des Visums von Djokovic erweisen könnten. "Das wird natürlich den Zeitrahmen für eine Entscheidung beeinflussen", hieß es.

Dem Experten für Einwanderungsrecht Christopher Levingston zufolge könnte die Regierung Djokovics Visum aus strafrechtlichen Gründen annullieren, zum Beispiel weil die Reiseerklärung nicht korrekt ausgefüllt wurde. Der Einwanderungsminister könnte das Visum aber auch aus charakterlichen Gründen annullieren: Wenn Djokovic wissentlich die serbische Isolationsvorschriften für positive Fälle umgangen hat, könnte er als Risiko eingestuft werden, weil er möglicherweise Anordnungen der öffentlichen Gesundheit während seines Aufenthalts in Australien nicht befolgt, erklärte Levingston.

Djokovic will an den Australian Open teilnehmen, die am kommenden Montag beginnen. Er würde dort als Titelverteidiger an den Start gehen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 12. Januar 2022 um 11:00 Uhr.