Spielszene | Bildquelle: AFP

Bundesliga-Auftakt Auf Bewährung

Stand: 16.05.2020 10:40 Uhr

Um 15.30 Uhr ist Anpfiff: Dann startet die Bundesliga nach der Corona-Pause wieder. Schon vor dem Auftakt zeigt sich: Millionen werden auf Spieler und Verantwortliche der Fußballclubs schauen - und diesmal sind es nicht nur Fans.

Gut zwei Monate nach dem Corona-Stopp wagt die Fußball-Bundesliga ohne Zuschauer einen Neustart: Der unter strengen Auflagen genehmigte Spielbetrieb wird dabei für die ganze Liga zur Bewährungsprobe. Nicht nur die Spieler stehen unter Beobachtung: Tragen die Auswechselspieler den Mundschutz? Benutzt jeder seine eigene Trinkflasche? Wird auf der Bank und beim Torjubel Abstand gehalten? Halten sich die Spieler und Trainer an die auferlegte Quarantäne vor dem Spiel?

Bereits in den vergangenen Tagen gab es reichlich Anlass zu Kritik. Augsburgs neuer Coach Heiko Herrlich berichtete in einer Presserunde freimütig, wie er sich Hautcreme und Zahnpasta in einem Supermarkt besorgte. Erst als er auf den Verstoß gegen das DFL-Hygienekonzept hingewiesen wurde, räumte er reumütig einen Fehler ein - und nahm sich für Training und Partie gegen den VfL Wolfsburg selbst aus dem Spiel. Nicht dabei ist auch Herthas Salomon Kalou. Er hatte nicht nur gegen die Corona-Regelungen verstoßen - sondern auch noch Videos davon bei Facebook eingestellt.

"Die ganze Welt schaut auf Deutschland"

Verantwortliche und Politiker aus anderen Ländern dürften ganz genau beobachten, wie der Start läuft. "Die ganze Welt schaut auf Deutschland, wie wir das machen," sagt Bayerns Trainer Hansi Flick und glaubt an eine Signalwirkung für "alle Ligen". Und auch Nationalspieler Toni Kroos bestätigte zuletzt, mit welch großem Interesse die spanische Primera Division nach Deutschland blickt. "Man hat hier so den Eindruck: Wenn die Deutschen das nicht hinkriegen, dann kriegt das keiner hin, da weiterzumachen", sagte der Spieler von Spaniens Rekordmeister Real Madrid.

Hauptsache, zu Ende spielen

Ob die Saison bis 30. Juni beendet werden kann, ist angesichts vieler ungeklärter Fragen dennoch völlig offen. Bremens Innensenator Ulrich Mäurer, der den Neustart kritisch sieht, deutete in einem "Spiegel"-Interview bereits an, die komplette Bremer Mannschaft in Quarantäne zu schicken, wenn sich ein Profi mit dem Coronavirus infiziere.

Ein Werder-Spieler befindet sich bereits in einer zweiwöchigen häuslichen Quarantäne, weil eine Person aus seinem direkten Umfeld zuvor positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Das komplette Werder-Team darf allerdings weiter trainieren und am Montagabend in der Bundesliga auch gegen Bayer Leverkusen antreten, da der Spieler selbst nach Angaben des Vereins seitdem zwei Mal negativ getestet wurde.

TV-Blackout am Montag?

Bei dem Spiel droht zudem ein TV-Blackout. Der Streamingdienst DAZN, der die bisherigen Montagsspiele übertrug, will auch aus Bremen übertragen, darf aber nicht. Grund ist die Auseinandersetzung des Konzerns Eurosport/Discovery mit der DFL: Das Medienunternehmen beruft sich nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur auf ein Sonderkündigungsrecht des TV-Vertrages wegen der Corona-Krise.

Das große Ziel der Proficlubs ist: Fertigspielen der Saison. An den TV-Millionen hängt nicht nur die Existenz einiger Clubs, sondern laut DFL-Chef Seifert auch der Fortbestand der Bundesliga in ihrer derzeitigen Form. Mit dem Hygienekonzept hat die DFL zwar die Politik überzeugt, doch die breite Akzeptanz aus der Bevölkerung hat der Fußball für sein Pilotprojekt jedenfalls nicht. Die Mehrheit der Deutschen ist gegen eine Fortsetzung zum jetzigen Zeitpunkt. 56 Prozent der Befragten im ARD-Deutschlandtrend kritisieren den Saison-Neustart.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. Mai 2020 um 09:50 Uhr.

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