Symbolbild Dopingprobe | Bildquelle: AP

Ski-Langlauf Zum Blutdoping nach Deutschland

Stand: 17.01.2019 12:56 Uhr

Der bei Olympia in Sotschi des Betrugs überführte österreichische Skilangläufer Johannes Dürr berichtet exklusiv in der ARD wie sein Dopingprogramm weit über das bisher Bekannte hinausging – und wie er es in München, Irschenberg und Oberhof betrieb

Hajo Seppelt, Wolfgang Bausch und Rolf-Günther Schulze

In einer Zeit, in der niemand die Hintergründe der Olympischen Spiele in Sotschi 2014 kannte, in der das russische Staatsdoping noch zu den wohlgehüteten Geheimnissen zählte, lieferte Johannes Dürr den großen Skandal. Der österreichische Skilangläufer, international als kleiner Shootingstar der Szene unter den Medaillenanwärtern im abschließenden 50-Kilometer-Rennen gehandelt, wurde als Doper bei Olympia enttarnt.

In einer Trainingsprobe hatten ihm die Fahnder das verbotene Ausdauer-Dopingmittel Erythropoetin (EPO) nachgewiesen. Im Film „Die Gier nach Gold“ aus der ARD-Reihe „Geheimsache Doping“ schildert der überführte Betrüger erstmals sein gesamtes Betrugsprogramm inklusive des Blutdopings in Deutschland.

Langläufer Johannes Dürr macht reinen Tisch
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Ausgepackt: In der ARD berichtet Langläufer Dürr ausführlich über sein Doping

Dopingtreffen auf Parkplätzen

Der Athlet, der für den Österreichischen Skiverband startete, wurde zuerst mit dem Gebrauch vieler erlaubter pharmazeutischer Substanzen systematisch vertraut gemacht – bis er schließlich so weit war, mit verbotenen Substanzen zu betrügen: „Da ist mir eben gesagt worden, wie oft ich das nehmen muss. Also es ist um EPO gegangen und um Wachstumshormone.“ Sein Skiverband bestreitet jede Hilfe, Kenntnis oder Duldung. Dürr führt vor, wie er es gemacht hat: „Und dann habe ich einfach in die Vene hineingestochen und dann habe ich das reingedrückt.“

Er zeigt einen Parkplatz im thüringischen Oberhof, ein Motel am Rasthof Irschenberg in Bayern und erzählt von Hotels in München und Innsbruck, wo er Blutdoping durchführte. Er sagt, er habe für seine Behandlungen insgesamt 5000 Euro bezahlt. „2013 kam ich mit einem anderen Athleten ins Gespräch und während dieses Gesprächs stellte sich eben heraus, dass er bereits Eigenblutdoping macht, und er machte mir das Angebot, mal bei seiner Quelle nachzufragen, ob ich auch dabei sein kann - in Deutschland.”

Dürr beklagt Scheinheiligkeit

Er kritisiert außerdem Scheinheiligkeit der Funktionäre: „Ich hab‘ das schon sehr heuchlerisch empfunden.“ Es habe Aussagen gegeben, „die für mich ganz klar unterstrichen haben, man weiß schon Bescheid, dass was dazugehört, um ganz vorne zu sein”. Der Doping-Beauftragte des Österreichischen Skiverbandes, Wolfgang Schobersberger dementiert, seine Föderation habe von solchen Vorgängen gewusst: „Die Antwort ist ein klares Nein, mir sind solche Fälle nicht bekannt. Einzeltäter wird es immer geben, die entziehen sich aber meiner Kenntnis.“

Als Dürrs Traum vom Gold durch den positiven Test jäh beendet wurde, habe er auf dem Balkon des Hotels in Sotschi vor dem Rückflug sogar den Selbstmord erwogen: „Der Gedanke war so was von vordergründig, dass es eigentlich nur im letzten Moment, wo ich sozusagen so runtergeschaut hab‘ über die Brüstung, dass mir Gott sei Dank mein Sohn in Erinnerung gekommen ist.”

Quelle: sportschau.de

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 17. Januar 2019 um 15:00 Uhr.

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