Franziska Preuß | imago images/GEPA pictures

Sieg im Endspurt WM-Silber für deutsche Biathletinnen

Stand: 20.02.2021 12:55 Uhr

Die deutschen Frauen haben sich im Staffelrennen erlöst und ihre erste WM-Medaille gewonnen. Dank einer herausragenden Energieleistung von Franziska Preuß gab es Silber für den DSV.

Von Raphael Honndorf

Franziska Preuß hat mit einem ganz starken Schlussprint der deutschen Frauen-Staffel die Silbermedaille bei der WM auf der Pokljuka beschert. Dabei verwies sie die Ukraine noch auf Position drei. Gold ging an die Titelverteidigerinnen aus Norwegen mit Ingrid Landmark Tandrevold, Tiril Eckhoff, Ida Lien und Marte Olsbu Röiseland.

Medaille schien schon weg

Die deutschen Skijägerinnen gingen mit Vanessa Hinz, Janina Hettich, Denise Herrmann und Franziska Preuß ins Rennen. In dieser Besetzung hatten sie den Weltcup in Oberhof gewonnen und in Antholz den zweiten Platz geholt. Nun also wieder Silber auf der Pokljuka. Dabei schien eine mögliche Medaille zur Halbzeit bereits außer Reichweite. Knapp eine Minute betrug der Rückstand nach zwei von vier Läuferinnen.

"Ich habe auch nicht mehr an Silber geglaubt, aber wir hatten Top-Material und irgendwie ist dann mein zweites Leben wiedergekommen. Da hab ich mir gedacht 'jetzt noch einmal alles geben'. Das war echt cool. Das war ein richtig schönes Gefühl", erklärte eine strahlende Preuß im ZDF.

Auch Hettich war nach ihrem ersten WM-Staffelrennen überglücklich, war sie es doch, die zunächst für einen großen Rückstand gesorgt hatte: "Ich bin so froh, ein so cooles Team um mich herum zu haben. Auch wenn ich heute nicht auf 100 Prozent war, die anderen waren Wahnsinn."

Hinz dank etwas Glück ohne Fehler

Geschlossen kam das Feld zum ersten Schießen, Hinz behielt als deutsche Starterin die Nerven, traf alle fünf Scheiben und reihte sich hinter der Italienerin Lisa Vittozzi auf Rang zwei ein. Diese baute ihren Vorsprung bis zum nächsten Stehendanschlag auf elf Sekunden aus.

Dort zeigte sie eine starke Serie und ging deutlich vor den Verfolgern zurück auf die Strecke. Hinz ließ sich etwas mehr Zeit und hatte bei zwei Schüssen Glück, dass die Scheibe fiel, sie blieb aber erneut fehlerfrei. Nun war es Hinz, die in der Verfolgergruppe versuchte, Druck zu machen, doch die laufstarke Vittozzi war nicht einzuholen. Mit 17,8 Sekunden Rückstand übergab Hinz auf Position drei an Hettich.

"Es ist brutal heiß. Das ist nichts für mich. Das habe ich nach dem Wettkampf am Kreislauf gemerkt", erklärte Hinz, die sich im Zielbereich zunächst mit etwas Schnee gekühlt hatte.

Vanessa Hinz | AFP

Vanessa Hinz beim WM-Staffelrennen auf der Pokljuka Bild: AFP

Hettich muss abreißen lassen

In der zweiten Gruppe schloss Tiril Eckhoff, die vor der Staffel-Entscheidung schon drei Goldmedaillen gewonnen hatte, zur Italienerin Michela Carrara auf und ging nach einem Nachlader als erste auf die Strecke. Carrara lud dreimal nach und fiel zurück auf Rang fünf.

Hettich musste zwei Zusatzpatronen nutzen und reihte sich auf Rang sieben ein, konnte aber läuferisch nicht mithalten. Bis zum nächsten Schießen verlor sie weitere Sekunden auf Eckhoff. Dort traf sie alle fünf Scheiben und ging 40 Sekunden nach Eckhoff zurück in die Loipe. Das Podium war zu diesem Zeitpunkt etwas mehr als 20 Sekunden entfernt.

Herrmann startet mit drei Nachladern

Denise Herrmann, die nach dem Einzel über muskuläre Probleme geklagt hatte und in der Loipe nicht die gewohnte Stärke zeigen konnte, bekam auf Rang sechs eine Hypothek von einer Minute mit auf den Weg. Hinter der Führenden Ida Lien duellierten sich zu diesem Zeitpunkt Belarus, die Ukraine und Polen um die weiteren Medaillenplätze. Besonders die Belarussin Hanna Sola machte Druck und kam nach dem Schießen bis auf acht Sekunden an die Norwegerin heran.

Herrmann konnte etwas Zeit gutmachen, verlor nach drei Nachladern aber wieder an Boden (+1:16,8 Minuten). Nach dem Stehendschießen wurde die Spitzengruppe aufgrund diverser Fehlschüsse durchgewürfelt. Die Ukraine übernahm die Führung vor Belarus und Norwegen. Auch Herrmann profitierte, legte in 25,5 Sekunden alle Scheiben um und verkürzte den Rückstand auf unter eine Minute. Auf dem Weg zum letzten Wechsel zog Norwegen wieder an, die Ukrainerin Darja Blaschko fiel zurück.

Preuß mit perfekten Schießen

So übergab Norwegen vor Belarus und Polen. Franziska Preuß ging als Fünfte auf die Reise (+43,4 Sekunden), konnte aber erstmal keine Zeit gutmachen. Nachdem Marte Olsbu Röiseland aber alle drei Nachlader verbrauchte und Preuß perfekt durchkam, war Deutschland plötzlich wieder im Medaillen-Rennen. Zwölf Sekunden war das Podium nur noch entfernt.

Somit kam alles auf das letzte Schießen an. Röiseland und Olena Pidgruschna mussten jeweils nachladen, Preuß blieb eiskalt und ging mit 11,5 Sekunden Rückstand auf Goldjagd. Allerdings musste sie sich auch gegen die Ukrainerin erwehren, die auf der Stecke erst vorbei- und dann davonzog. Als alles nach Bronze aussah, mobilisierte sie die letzten Kraftreserven und schob sich auf den letzten 25 Metern wieder auf den Silberrang.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 20. Februar 2021 um 16:00 Uhr.