Fans des FC Bayern München feuern ihre Mannschaft an

Europäischer Fußballwettbewerb Neue Eliteliga ab Saison 2021/22?

Stand: 02.11.2018 19:53 Uhr

Eine neue Liga der Fußball-Eliteklubs könnte zur Konkurrenz für die Champions League werden. Die European-Super-League soll schon in drei Jahren an den Start gehen - das geht aus einem vertraulichen Schreiben hervor.

Die Elite des europäischen Profifußballs will sich offenbar in drei Jahren mit einer eigenen European-Super-League (ESL) selbstständig machen. Als eines von elf Gründungsmitgliedern der ESL ist der FC Bayern München neben anderen Topklubs wie Real Madrid, FC Barcelona und Juventus Turin vorgesehen. Wenn es so kommt, wie in einem streng vertraulichen Schreiben der Firma Key Capital Partners mit Sitz in Spanien an den Präsidenten von Real Madrid - Florentino Pérez - vom 22. Oktober aufgeführt ist, könnte die privat organisierte Eliteliga in der Saison 2021/22 mit 16 Topteams an den Start gehen.

Noch im November sollen die Vereine eine "bindende Absichtserklärung" unterschreiben. Das geht aus vertraulichen Dokumenten der Enthüllungsplattform Football Leaks hervor, die der "Spiegel" erhalten und mit dem NDR und dem Recherchenetzwerk EIC geteilt hat.

UEFA offenbar außen vor

Borussia Dortmund würde als einer von fünf sogenannten Gästen eingeladen werden, an den Gruppen- und K.o.-Spielen teilzunehmen. Ob der FC Bayern und der BVB weiter Teil der Bundesliga sein werden, beziehungsweise dürfen, geben die Unterlagen nicht wieder. Ebenso unklar ist bislang der genaue Modus der Spielrunde. Die Europäische Fußball-Union (UEFA) scheint allerdings außen vor zu sein. In den Football-Leaks-Dokumenten wird weder die UEFA noch die von ihr veranstaltete Champions League mit einem Wort erwähnt.

Dass Pläne für eine eigene Liga existieren, hatte Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke schon am 12. Oktober preisgegeben. In einem Interview mit dem Recherchenetzwerk EIC sagte er: "Diese Pläne gibt es, das ist klar. Und ich glaube auch, dass ein paar der großen Klubs Europas da deutlich dran stricken." Und: "Wenn es soweit kommen sollte, dann würde das nicht ohne den BVB gehen."

Bayern: Existenz und Inhalt unbekannt

Das nun aufgetauchte Papier kommentierte Watzke nicht. Ein Ausscheiden der Borussia aus dem nationalen Ligabetrieb sei mit ihm aber nicht zu machen: "Die Brandmauer ist da, wo das Thema anstehen könnte, wir gehen aus der Bundesliga raus. Das ist für den BVB nicht vorstellbar."

Der FC Bayern will von dem Entwurf einer bindenden Absichtserklärung keine Kenntnis haben. Auf Anfrage teilte der Mediendirektor des Rekordmeisters mit: "Weder die Existenz noch der Inhalt" seien dem Verein bekannt. Und: "Zu vertraulichen Gesprächen nimmt der FC Bayern München grundsätzlich keine Stellung." Real Madrid, die Firma Key Capital Partners und andere angefragte Topklubs wollten sich nicht zu dem Papier äußern.

Fußball-Spitzenclubs planen "European-Super-League"
tagesthemen 21:45 Uhr, 02.11.2018, T. Tonder, N. Seidel, NDR

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Super-League-Pläne seit 2016

Tatsächlich haben die Bayern und weitere sechs Topklubs schon mindestens seit 2016 konkrete Pläne für eine selbstorganisierte Super League entwickelt. Bayerns Chefjurist Michael Gerlinger war einer der Anführer der Revolution und schon als Geschäftsführer der zu gründenden Firma "Super League Limited" mit Sitz in London nominiert.

Die geheimen Absprachen der sieben Eliteklubs FC Bayern, Juventus Turin, FC Barcelona, Real Madrid, Manchester United, FC Arsenal und AC Mailand waren weit gediehen. Schließlich diente das Vorhaben als Druckmittel für die geforderte Reform der Champions League, die in dieser Saison umgesetzt wurde und in weiten Teilen an die ursprünglichen Super-League-Pläne erinnert.

Chefjurist Gerlinger: "Das Letzte rausholen"

Gerlinger hatte als Gesandter der Sieben längst die Klärung vieler juristischer Fragen in Auftrag gegeben. "Die UEFA hat von uns die Message bekommen: Wir brauchen euch nicht", sagt Gerlinger in der ARD-Dokumentation "Football Leaks: Von Gier, Lügen und geheimen Deals" (Sonntag, 4. November, 21.45 Uhr im Ersten).

Attraktiv sei eine solche Liga für Vereine, weil sie selbst den Wettbewerb regeln könnten, wie sie das wollen. "Das zweite ist dann sicherlich auch das Potenzial, das eine Super League wirtschaftlich hat", sagt Gerlinger. Es gehe um Vollvermarktung. "Da kann man dann das Letzte rausholen."

FC Bayern dementiert Pläne

Der FC Bayern München hat die Berichte über neue Pläne für eine europäische Fußball-Superliga zurückgewiesen. Diese Pläne seien "dem FC Bayern weder bekannt, noch habe der FC Bayern an Verhandlungen hierzu teilgenommen", hieß es in einer Presseerklärung des Bundesligisten. "Der FC Bayern München steht zu seiner Mitgliedschaft in der Fußball-Bundesliga, und solange ich Vorstandsvorsitzender des FC Bayern bin, auch zu den von UEFA und ECA gemeinsam organisierten Club-Wettbewerben," sagte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge.

Runde mit Nicht-Abstiegs-Garantie

Trotzdem bliebe es zunächst beim Verbleib der Klubs in der reformierten Champions League. Offenbar aber nur vorerst, wie Gerlinger bei einem Interview am 2. Oktober in seinem Büro an der Säbener Straße andeutete. "Wenn es soweit kommt, dass man es nicht mehr gemeinsam macht, dann wären wir bereit, es auch selber zu machen." Momentan sei die Super League aber "so weit weg wie noch nie". Die nun aufgetauchten Pläne sprechen eine andere Sprache.

Denn geplant ist nun offensichtlich nicht nur eine European-Super-League, sondern auch eine zweite Liga. Namentlich sind die Mannschaften dieser zweiten Liga noch nicht bekannt. In einer Relegationsrunde sollen die Besten aufsteigen und Absteiger der Eliteliga ersetzen, die allerdings nicht aus dem Kreis der elf Gründungsmitglieder der ESL stammen dürfen. Diese elf wären gesetzt und unabsteigbar. Es sind Real Madrid, FC Barcelona, Manchester United, Bayern München, Juventus Turin, FC Chelsea, FC Arsenal, Paris Saint-Germain, Manchester City, FC Liverpool und AC Mailand. Als "Gäste" neben Borussia Dortmund sind vorgesehen: Atlético Madrid, Olympique Marseille, Inter Mailand und AS Rom.

Das NDR Recherche-Team zu "Football Leaks"

Katrin Kampling, Sven Lohmann, Hendrik Maaßen, Han-Ul Park, Nino Seidel, Birgit Wärnke

Hörfunk-Umsetzung:
Moritz Cassalette, Holger Gerska, Hendrik Maaßen

Online-Umsetzung:
Andreas Bellinger, Matthias Heidrich, Thomas Luerweg, Sebastian Ragoß

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 02. November 2018 um 18:00 Uhr.

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