Bundesgesundheitsminister Jens Spahn | dpa

Spahn zur Corona-Pandemie "Bisherigen Erfolg nicht verspielen"

Stand: 12.02.2021 12:59 Uhr

Gesundheitsminister Spahn hat trotz sinkender Corona-Zahlen für Vorsicht geworben. "Wenn wir jetzt öffnen, verspielen wir den bisherigen Erfolg." Frühere Impfungen für Kita-Personal und Grundschullehrer wolle er prüfen.

Trotz sinkender Zahlen hat Gesundheitsminister Jens Spahn um Verständnis für weiter nötige Beschränkungen in der Corona-Krise geworben. "Dieser Winter ist hart, das hatten wir erwartet, aber es fühlt sich nun viel härter an. Wir alle wollen unseren Alltag zurück", sagte er und erinnerte daran, dass in manchen Bundesländern gestern unter anderen Umständen der Karneval begonnen hätte. "Aber das geht nicht, noch nicht." Die Infektionszahlen sinken, aber sie seien noch nicht stark genug gesunken. Das Infektionsgeschehen sei noch zu hoch, die Virusmutationen zu gefährlich.

"Wenn wir jetzt öffnen, verspielen wir den bisherigen Erfolg", betonte der CDU-Politiker. "Besser jetzt noch durchhalten, als einen Rückschlag zu riskieren." Das sei auch der Tenor der Beschlüsse von Bund und Ländern für einen Lockdown bis vorerst 7. März gewesen. Es gelte weiterhin, das Gesundheitssystem vor einem Kollaps zu bewahren.

Der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, wies darauf hin, dass die geltenden Maßnahmen nicht nur gegen das Coronavirus wirken, sondern generell gegen Infektionskrankheiten. Dies sei in Zeiten der Pandemie "ein echter Pluspunkt", sagt Wieler. Vor allem gebe es deutlich weniger Grippefälle in Deutschland und weltweit. Normalerweise würden in Deutschland pro Woche Tausende Fälle registriert, derzeit seien es allenfalls 20 bis 30. Dies entlaste Arztpraxen und Krankenhäuser.

Spahn prüft frühere Impfungen von Lehrern und Erziehern

Spahn kündigte an, mit Blick auf anstehende Schulöffnungen zu prüfen, ob Kita-Personal und Grundschul-Lehrkräfte früher geimpft werden können. "Es geht um Kitas und Grundschulen, weil es in diesem Alter viel schwerer ist, die AHA-Regeln einzuhalten - besonders bei den Kitas", sagte der Minister. Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten hatten angeregt, sie aus der dritten in die zweite Prioritätsgruppe für Impfungen vorzuziehen.

Spahn betonte, ihm sei es besonders wichtig, dass in jeden Fall die Priorisierungsgruppe 1 weiterhin zuerst geimpft wird. Dazu gehören Über-80-Jährige, Personal und Bewohner in Pflegeheimen.

Mögliche Sanktionen gegen Impf-Vordrängler

Derzeit sind in Deutschland 3,8 Millionen Menschen bereits geimpft - 1,8 Millionen haben die Zweitimpfungen erhalten. Ende nächster Woche werden acht Millionen Impfdosen ausgeliefert sein, sagte der Gesundheitsminister. "Das zeigt wie diese Impfkampagne Woche um Woche an Fahrt gewinnt."

Spahn will Sanktionen gegen Menschen prüfen, die sich bei Impfungen gegen das neue Coronavirus unrechtmäßig vordrängeln. In mindestens neun Bundesländern sind bereits Menschen gegen das Coronavirus geimpft worden, die noch gar nicht an der Reihe waren.

Selbsttests kurz vor der Zulassung

RKI-Präsident Wieler sagte, dass Schulöffnungen unter bestimmten Voraussetzungen möglich seien. "Es gibt Leitlinien, wie man das machen kann - und das sollte man dann auch tun."

Die Virologin Sandra Ciesek erläuterte die Funktionsweise von Antigen-Selbsttests. Diese stünden kurz vor der Zulassung. "So ein Test sieht ein bisschen aus wie ein Schwangerschaftstest", sagte sie. Die Zahl der Streifen verrate, ob der Test positiv oder negativ sei. Eine Studie zeige, dass das mit einer gewissen Anleitung ganz gut funktioniere. "Wichtig ist aber auch, und dass haben wir in der Studie gesehen, dass diese Tests keine hundertprozentige Sicherheit haben", fügte Ciesek hinzu. Es gehe darum, Menschen frühzeitig zu identifizieren, die zu Superspreader-Events beitragen könnten. "Man muss das als zusätzliche Maßnahme sehen."

Laut Spahn könnten viele Unternehmen diese Schnelltests schon heute beziehen. Er rief dazu auf, diese auch zu nutzen. Wichtig sei aber, die Qualität der Tests zu prüfen. "Wenn zu viele sich in falscher Sicherheit wiegen und denken, sie seien negativ und sind es nicht, steckt darin auch ein Risiko."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 12. Februar 2021 um 10:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Sonnenstern 12.02.2021 • 16:38 Uhr

15:37 von reu_sab

Aber in genau der von Ihnen beschriebenen Welt leben wir doch jetzt.