Der Eingang des Goethe-Gymnasiums in Ludwigslust | Bildquelle: dpa

Schulschließungen Wo Corona den Unterricht lahmlegt

Stand: 22.09.2020 11:27 Uhr

Meldungen über geschlossene Schulen verunsichern Schüler und Eltern: Droht der Unterricht bald auch flächendeckend wieder auszufallen? Eine bundesweite Abfrage zeigt, wie die Situation aktuell ist.

Von Iris Marx, tagesschau.de

Die sonst sehr gelassene Berliner Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) wird bei dem Thema energisch. "Es wird keine Schulschließungen geben, wenn sich alle an den Hygieneplan halten!" Als Scheeres diesen Satz Mitte August sagt, hatte eine Berliner Schule für 48 Stunden bereits die gesamte Belegschaft samt Schülern nach Hause geschickt. Die Ferien waren da gerade erst ein paar Tage vorbei und so ließ dieser Vorfall zunächst nichts Gutes für den Neustart nach den Sommerferien erahnen. Gut für Berlin: Es blieb bei wenigen Schließungen seither und aktuell ist keine Lehranstalt komplett in Zwangsferien. Allerdings werden immer wieder einzelne Klassen oder Arbeitsgruppen vom Präsenzunterricht ausgeschlossen.

Eine bundesweite Abfrage in den Bildungsministerien zeigt, dass ähnlich wie in Berlin die komplette Schulschließung eher zur Ausnahme gehört. Doch das ist nur eine Momentaufnahme und bedeutet für die Schulen keine wirkliche Entspannung.

Geschlossene SchulenGeschlossene KlassenPositive Fälle bisherIn Quarantäne
Bayern4 von 60002743919580
Ba-Wü0 von 450049keine Angabenkeine Angaben
Berlin0 von 6923583keine Angaben
Brandenburg6 von 90010keine Angabenkeine Angaben
Bremen0 von 2121418keine Angaben
Hamburg0 von 370197249 Beschäftigte
Hessen1 von 1795keine Angabenkeine Angaben5201
Meckl-Vorp.1 von 56324281678
NRW5 von 448616744512.881
RLP0 von 36828762495
Saarland1 von 3164391040
Sachsen0 von 1786keine Angabe41876 Schüler
Sachs-Anh.2 von 787keine Angabekeine Angabenkeine Angaben
Sch-Holst.0 von 7925281keine Angaben
Thüringen0 von 33101keine Angaben

Niedersachsen hatte keine Zahlen übermittelt.

NRW: Mehr als 12.000 Schüler und Lehrkräfte in Quarantäne

Besonders betroffen ist Nordrhein-Westfalen. Zwar sind aktuell dort nur fünf Schulen geschlossen, jedoch kommen auch Einschränkungen in einzelnen Schulklassen und Arbeitsgruppen dazu. Fast 13.000 Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte müssen von Zuhause aus pauken.

Im Düsseldorfer Bildungsministerium bleibt man dennoch optimistisch. Gegenüber tagesschau.de heißt es: "Die Schulen in Nordrhein-Westfalen sind sichere Orte. Die Maßnahmen zur Einhaltung von Hygiene und Infektionsschutz sind bestens eingeübt. Weiterhin können wir rund 99 Prozent unserer Schülerinnen und Schüler Präsenzunterricht anbieten." Ähnlich ist die Situation in Bayern. Und auch dort herrscht weiterhin Zuversicht.

Optimismus aus Bayern

Kultusminister Michael Piazolo erklärt gegenüber tagesschau.de: "Wir haben das Schuljahr im Regelbetrieb unter Hygieneauflagen gut begonnen." Er räumt aber auch ein, dass es "in diesem Schuljahr leider ein Stück weit Normalität sein wird, dass Klassen oder Lehrkräfte von den Gesundheitsämtern in Quarantäne geschickt werden." Um noch eine Zahl für Bayern ins Spiel zu bringen: Trotz der hoch anmutenden Zahlen sind es 0,5 Prozent der Schülerinnen und Schüler, die zurzeit keinen Präsenzunterricht bekommen.

Nicht alle Bundesländer können die genaue Zahl an Personal und Schüler beziffern, die wieder auf das Homeschooling angewiesen sind. "Sie schwankt eben sehr stark. Das ist kaum mitzuhalten", heißt es etwa aus einem Ministerium. Zudem sei auch nicht jeder Ausschluss vom Präsenzunterricht eine richtige behördlich angeordnete Quarantäne. In einigen Fällen gibt es nur die Empfehlung sicherheitshalber zu Hause zu bleiben.

Völlig anderes Infektionsgeschehen im Osten

Ähnlich wie bei den Infektionen in der Gesamtbevölkerung sind die Schulen in den ostdeutschen Bundesländern sehr viel weniger betroffen. In Thüringen sind es null Schulen.

Doch aus vielen Ministerien ist zu hören, dass sie sich mit Blick auf den Wetterumschwung im Herbst Sorgen machen, ob die Situation beherrschbar bleibe. "Derzeit entwickeln wir gemeinsam mit dem von mir einberufenen Hygienebeirat einen Stufenplan für die Schulen, sollte das Infektionsgeschehen im Herbst und im Winter wieder zunehmen“, sagt Scheeres zu tagesschau.de. Doch auch das beste Hygienekonzept leidet, wenn - wie in Berlin - sich an manchen Schulen nicht einmal die Fenster öffnen lassen.

Nicht auf Durchzug geschaltet

Berlin ist hierbei kein Einzelfall. In Nordrhein-Westfalen könnten nach einer Recherche der Nachrichtenagentur dpa zehn Prozent der Räume nicht ordentlich belüftet werden, weil es baulich nicht vorgesehen ist. Aus den Ministerien heraus ist dieses Problem nur schwer zu lösen. In den meisten Bundesländern fällt die Zuständigkeit für den Gebäudezustand der Schulen auseinander, so dass die Kommunen hier in der Pflicht sind. In Berlin sind das etwa die einzelnen Bezirke.

Und auch da, wo sich ein Fenster öffnen läßt, kommt nun noch ein banaler Umstand dazu: Schülerinnen und Schüler in leichter Sommerkleidung holen sich jetzt einen Schnupfen, wenn am Morgen bei recht frischen Temperaturen die Fenster geöffnet werden, berichtet eine Mutter in einem Elternforum. Ihr Kind musste nach eigenen Angaben deswegen zu Hause bleiben. Aber immerhin: Eine Covid19-Infektion hatte es wohl nicht.

Autorin

Iris Marx  | Bildquelle: Tanja Schnitzler Logo tagesschau.de

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