Schlusslicht

Berliner Hauptstadtflughafen BER | Bildquelle: dpa

VW und BER Ein starkes Team

Stand: 27.06.2018 11:24 Uhr

Minus mal minus gibt plus, das weiß selbst der mathematisch traumatisierte Redakteur. Insofern klingt es nach einer vorzüglichen Idee, dass VW neue Pkw ohne Zulassung da abstellt, wo man Erfahrung mit schiefgelaufenen Projekten hat: auf dem Pannenflughafen BER.

Zu den großen Rätseln der Menschheit gehört aktuell nicht nur die Frage, was um Himmels willen eigentlich in Horst Seehofer vorgeht, sondern auch die nach dem Zeitpunkt der Inbetriebnahme des Berliner Flughafens BER. Kann ja noch dauern, das haben die Jahre seit 2011 gründlich gezeigt.

Und damit wären wir nahtlos beim VW-Konzern, der bei der Aufarbeitung der Diesel-Affäre eine ähnliche Eile an den Tag legt wie die Berliner Flughafenplaner. Es war deshalb an der Zeit, dass diese zwei Leuchttürme deutscher Planungskunst unternehmerisch zueinander fanden.

Es verhält sich nämlich so, dass VW derzeit gar nicht weiß, wohin mit seinen Autos. Gemeint sind hier ausnahmsweise nicht die Diesel-Pkw, deren Verkaufszahlen VW erfolgreich nach unten gedrückt hat, obwohl man die auch auf dem BER stapeln könnte. Vielmehr geht es um neue Pkw, die nach dem neuen Abgastest WLPT produziert werden, der wiederum ab September Voraussetzung für eine Zulassung ist. Und weil sich VW in Sachen Sauberkeit nun wirklich nichts vormachen lassen will, baut der Konzern diese Autos, als ob es kein morgen gibt. Allein: Viele dieser Pkw sind durch das Kraftfahrt-Bundesamt noch nicht freigegeben.

Berliner Flughafen BER | Bildquelle: dpa
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Hier kann nun wirklich jeder einparken - weit und breit fast nichts auf dem BER, das einen dabei stören würde.

Wohin mit dem ganzen Blech?

200.000 bis 250.000 Fahrzeuge könnten deshalb verzögert ausgeliefert werden und müssen bis dahin irgendwo abgestellt werden. Wo aber kann man derzeit unbeschwerter parken als auf dem BER? 1470 Hektar bestens asphaltierter Boden und tip-top gepflegte Grünflächen, kein störender Verkehr weit und breit - mehr geht kaum. Oder, um mit Horst Seehofer zu sprechen: endlich mal eine "wirkungsmächtige" Idee.

Gar nicht zu beziffern ist obendrein der Imagegewinn für beide Seiten. VW und BER werten sich gegenseitig auf, der eine profitiert vom neuen Glanz des anderen. Hier die sachorientierte Lösung, dort der praktische Nutzen, und wenn der frühere Daimler-Chef Jürgen Schrempp bei der missglückten Fusion mit Chrysler die Formulierung nicht nachhaltig ruiniert hätte, könnte man glatt von einer Hochzeit sprechen, die im Himmel geschlossen wurde. Oder zumindest in der Luft, um irgendwie im Bild zu bleiben.

Für die deutsche Industrie sollte das ein Weckruf sein. Denn gibt es nicht noch viel mehr Unternehmen oder Projekte, die von den einzigartigen Möglichkeiten des BER profitieren könnten? Wie wäre es mit einem Atom-Endlager oder CO2-Speicher auf dem märkischen Flecken? Versuchsstrecken, Deponien, Fracking - vieles ist denkbar und dank der Weitläufigkeit machbar. Von heute an heißt die Losung: Deutsche Manager, lasst Euch anstecken von VW und BER, folgt dem leuchtenden Beispiel aus Wolfsburg und Schönefeld!

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 27. Juni 2018 um 12:41 Uhr.

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